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Abenteuer und Freiheit Wikinger-Treffen "Kurs Haithabu"


Wilde, bärtige Männer in Eichenholz-Booten: Nachbauten von Wikingerschiffen sind beim bislang größten Treffen dieser Art an der Schlei in Schleswig-Holstein zu sehen.

Was lieben die Deutschen so an den Wikingern und ihren Schiffen? "Abenteuer und Freiheit und Ursprünglichkeit, die in den Schiffen zum Ausdruck kommen", meint Anton Englert, Schiffsarchäologe und Forschungskoordinator am Wikingerschiffmuseum Roskilde in Dänemark. Englert ist standesgemäß zum Wikingerschiff- und Rahseglertreffen "Kurs Haithabu" nach Busdorf bei Schleswig gekommen: Mit der "Havhingsten" (deutsch: Seehengst), einem 30 Meter langen Nachbau eines vor fast 1000 Jahren gebauten Kriegsschiffs. "Ein Werkzeug der Macht und Statussymbol."

Am Freitag war Englert mit dem Schiff von Arnis gekommen, um bei Sommerregen schließlich Busdorf zu erreichen. Dort wurde das Boot von zahlreichen "Wikingern" in Empfang genommen: bärtige Männer in langen Gewändern, Frauen in wallenden, geschnürten Kleidern.

Neben den über 20 Schiffen aus dem gesamten Ostseeraum, die sich zum bislang größten Treffen dieser Art in Europa versammelten, konnten die Freunde der Nordmänner bis Sonntag rund um das Wikinger Museum Haithabu auch einen Wikingermarkt besuchen, ein Theaterstück verfolgen oder eine Korbflechterin bei der Arbeit beobachten. Mittelalterlich gekleidete Besucher kamen auch von weiter her, so aus Belgien.

Grenzüberschreitendes kulturelles Erbe

Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) bezeichnete bei der Eröffnung des Treffens am Samstagmorgen Haithabu als "kulturelle Top-Adresse in Norddeutschland". Das Wikinger-Erbe verbinde Schleswig-Holstein mit Nordeuropa, betonte Albig laut Mitteilung. Die Wikinger seien ein "gemeinsames, grenzüberschreitendes kulturelles Erbe". Das sieht auch Anton Englert so. Ein Mitglied der "Havhingsten"-Crew habe berichtet, es gebe so viele deutsche Gäste in Roskilde. Nun wolle man die Gäste einmal selbst besuchen.

Das Schiff ist das erste Mal in Deutschland. 1962 wurde das Original bei Skuldelev ausgegraben. Von 2000 bis 2004 wurde der Nachbau gefertigt und anschließend zwei Jahre lang im Skagerrak und Kattegat erprobt. Ein "fachliches Milieu aus Akademikern und Handwerkern" sei dafür nötig gewesen, so Englert. Sie wandten originale Methoden an: So wurde das Holz einst gespalten, nicht gesägt. 2007/08 fuhr das Schiff nach Dublin - dorthin, wo das Original im 11. Jahrhundert gebaut worden war. Nach Haithabu komme es nun, weil dies ein wichtiger Stützpunkt und Handelsort gewesen sei, sagt Englert. Auch kriegerisch sei hier etwas losgewesen: "Langschiffe jagten sich hier in innerdänischen Kämpfen."

Besucher konnten das Eichenholz-Schiff das Wochenende über bestaunen, es gab Führungen und Aktivitäten für Kinder. Ein wahrgewordener Kindheitstraum ist seine Arbeit auch für den 45-jährigen Englert: Als Fan der Serie "Wickie und die starken Männer" infizierte er sich früh mit dem Wikinger-Virus.

Martina Scheffler, DPA DPA

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