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Furcht vor rechter Gewalt: Kurzzeitig aus Angst geschlossen - Mahnmal-Aktion gegen Björn Höcke soll wieder öffnen

Sie hatten Angst vor rechter Gewalt - und geben sich kämpferisch. Die Künstlergruppe, die neben dem Grundstück von Björn Höcke eine umstrittene Installation aufgestellt hat, will diese am Montag wieder zugänglich machen.

Um das Nachbargrundstück der Familie Höcke in in Bornhagen im Eichsfeld anzumieten, agierte die Künstlergruppe verdeckt

Um das Nachbargrundstück der Familie Höcke in in Bornhagen im Eichsfeld anzumieten, agierte die Künstlergruppe verdeckt

Björn Höcke muss weiter eine umstrittene Kunstauktion neben seinem Privathaus ertragen. Die Künstlergruppe  "Zentrum für politische Schönheit" kündigte am Sonntag an, die umstrittene Mahnmal-Aktion gegen den AfD-Politiker nach einer Unterbrechung an diesem Montag wieder zugänglich zu machen.

Die an das Berliner Holocaust-Mahnmal erinnernde Installation in der Nähe von Höckes Haus im thüringischen Bornhagen war am Wochenende gesperrt worden, weil die Künstler nach eigenen Angaben um ihre Sicherheit fürchteten. Am Wochenende sei das Risiko von Angriffen Rechter größer, sagte der künstlerische Leiter des Zentrums, Philipp Ruch.

Anrufer soll Insiderwissen gehabt haben

Die Künstler hatten sich zuvor auch über mangelnden Schutz durch die Polizei beklagt - nun gebe es dort wenigstens einen Ansprechpartner, sagte Ruch. Neben hunderten E-Mails mit Morddrohungen habe das Zentrum auch einen Anruf erhalten, dessen Urheber offenbar über Insider-Wissen über die Künstlergruppe verfügte.

Die Politaktivisten hatten Mitte vergangener Woche vor dem Grundstück Höckes im thüringischen Eichsfeld 24 Betonstelen errichtet, die an das Holocaustmahnmal in Berlin erinnern sollen. Die Aktion bereiteten sie bereits nach der Dresdner Rede Höckes vor, in der der Thüringer AfD-Landes- und Fraktionschef Anfang des Jahres den Berliner Erinnerungsort für die ermordeten Juden Europas als "Denkmal der Schande" bezeichnet hatte. "Wir Deutschen, also unser Volk, sind das einzige Volk der Welt, das sich ein Denkmal der Schande in das Herz seiner Hauptstadt gepflanzt hat“, hatte Höcke damals gesagt.

Die Gruppe mietete für ihr Vorhaben verdeckt das an Höckes Besitz angrenzende Grundstück an und beobachtete den AfD-Politiker von dort aus. Es seien dabei "mehrere aufschlussreiche Dossiers" entstanden, hieß es. Eigentlich ist geplant, dass die Stelen bis Ende 2019 stehen bleiben, zur Finanzierung sammelt die Gruppe Spenden. Allerdings hat der Vermieter des Grundstücks den Politikaktivisten den Mietvertrag zum Ende des Jahres gekündigt. Die Gruppe betrachtet die Kündigung nach eigenen Angaben jedoch als gegenstandslos.

Björn Höcke soll vor der Installation auf die Knie gehen, fordern die Künstler

Die Künstlergruppe will erreichen, dass Höcke vor der Installation auf die Knie geht und um Vergebung für die deutschen Verbrechen des Zweiten Weltkriegs bittet. Andernfalls werde man die in der Vergangenheit gesammelten Informationen veröffentlichen.

Die Polizei überprüft nach eigenen Angaben, ob bei dieser Aktion ein Strafbestand vorliege. Bei der Aufforderung zum Kniefall mit angedrohter Veröffentlichung von Informationen liege der Anfangsverdacht der Nötigung vor, hatte eine Sprecherin am Donnerstag gesagt. Bei der mutmaßlichen Beobachtung könne es sich um Nachstellung - also Stalking - handeln.

Familie wurde monatelang überwacht

AfD-Rechtsaußen Höcke beklagte auf einer Veranstaltung an diesem Wochenende, seine Familie sei elf Monate lang überwacht worden. Dies sei ein tiefer Eingriff "in das Schamgefühl eines Menschen". Wer so etwas mache, sei in seinen Augen ein Terrorist. Künstler Ruch reagierte gelassen. Mit Blick auf die Absicht der Aktion sagte er: "Wenn der oberste Hetzer das behauptet, muss man sagen, der Auftrag ist erfüllt."

Das "Zentrum für politische Schönheit" ist bekannt für seine oft umstrittenen Inszenierungen. 2014 montierten die Aktivisten aus Protest gegen die EU-Flüchtlingspolitik 14 Gedenkkreuze für Maueropfer am Spreeufer ab, später brachten sie sie wieder zurück. Für eine fingierte Hilfsaktion zugunsten von Kindern aus Syrien fälschten sie eine Homepage des Familienministeriums. 2016 hielten sie mehr als zwei Wochen vier lebende Tiger in einem großen Käfig vor dem Maxim-Gorki-Theater und kündigten mehrfach an, Flüchtlinge würden sich öffentlich "zerfleischen" lassen.

 

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anb (mit dpa und AFP)