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Schlag 12 - der Mittagskommentar aus Berlin: Arme Altkanzler - getrieben von Geld und Eitelkeit

Die Altkanzler Schröder und Kohl tun gerade alles, um das Ansehen des Amtes und ihr eigenes vollends zu ramponieren. Bleibt zu hoffen, dass Merkel sich ihre Abneigung gegen die Geldgockelei erhält.

Von Andreas Hoidn-Borchers

Einträgliche Duz-Freundschaft: Altkanzler Gerhard Schröder und Geschäftsmann Carsten Maschmeyer

Einträgliche Duz-Freundschaft: Altkanzler Gerhard Schröder und Geschäftsmann Carsten Maschmeyer

Angela Merkel befindet sich gerade in Neuseeland, down under, wo die Welt ja bekanntermaßen auf dem Kopf steht. Wahrscheinlich kommt sie sich auch so vor, wenn sie die Meldungen aus der Heimat liest, wo ihre Vorgänger Gerhard Schröder und Helmut Kohl gerade eifrig das Ansehen des Amtes ramponieren – und ihr jeweils eigenes noch dazu, jedenfalls das, was es davon noch zu zerstören gäbe. Und man kann nur hoffen, dass Merkel sich ihre Abneigung gegen die Geldgockelei und den Gehaltsscheckneid mancher Männer erhält. Es würde uns viel ersparen.

Nein, wir haben kein besonderes Glück mit unseren Altkanzlern. Möglicherweise ist es eine späte Déformation professionnelle, aber sie haben leider mehr oder weniger große Probleme mit Recht, Gesetz, Moral und Selbstwahrnehmung. Sogar der Beste unter ihnen ist, streng genommen, ein notorischer Gesetzesbrecher. Oder steht in den Texten zum Rauchverbot, dass in öffentlichen Räumen jedem das Qualmen verboten ist – außer Helmut Schmidt? Aber das winken wir jetzt einfach mal durch, wegen vergleichsweiser Geringfügigkeit. Und widmen uns lieber der Frage, warum Menschen wie Gerhard Schröder oder Helmut Kohl weite Teile ihres Lebens damit zubringen, an ihrem Denkmal zu werkeln, um es dann selbst in Trümmer zu zerlegen.

Das macht man nicht!

Liegt es nur am Geld? Oder an der (verletzten) Eitelkeit? Wahrschein-lich ist es eine Mischung aus beidem. Nur so wäre zu erklären, dass Schröder sich auf eine einträgliche Duz-Freundschaft mit einem windigen Geschäftsmann wie dem Versicherungs-Drücker Carsten Maschmeyer einlässt und sich von diesem, kaum aus dem Amt gewählt, seine Erinnerungen für unfassbare zwei Millionen Euro abkaufen lässt. Man muss kein besonderer Schelm sein, um Böses dabei zu denken. Zum Beispiel, dass Maschmeyer so Änderungen an der Riester-Rente vergelten wollte, von denen auch seine Firma AWD profitierte – und für die er bei Schröder und dessen Leuten intensivst antichambrierte. Die Schreiben, die der stern jetzt veröffentlicht hat, sind voll formvollendeter speichelleckerische Anschleimerei. Das Kuriose ist: Eigentlich hatte Schröder für so etwas immer nur Verachtung übrig. Und als Kanzler besaß er ein feines Näschen dafür, wo eine Gefahr lauert, in der man politisch umkommen könnte.

Als Ex-Kanzler aber war es ihm augenscheinlich schnell wurscht, was die Leute von ihm denken – er brauchte ja ihre Stimme nicht mehr. Und für den Geruch des Geldes war er immer anfällig. Auf den Memoiren-Deal mit Maschmeyer hätte er sich nicht einmal einlassen dürfen, wenn der keinen einzigen Brief geschrieben hätte – allein schon, um den Ruch zu meiden, da könnte etwas nicht mit rechten Dingen zugegangen sein. Aber Schröder hat offenkundig das Gespür für eine alte, einfache Regel verloren: Das macht man nicht!

Ach Amerika, manchmal hast du es wirklich einfacher!

Und damit zum anderen Altkanzler, der so gar nicht als Vorbild taugen will. Helmut Kohl biegt sich gerade im Zusammenhang mit der Wende in der DDR und der Aufnahme Griechenlands in den Euro die Vergangenheit zurecht, dass die sprichwörtlichen Balken mittun. Und er ergötzt uns mit einem bizarren Rechtsstreit mit seinem einstigen Ghostwriter, dem er vor einem Jahrzehnt im Keller in Oggersheim bei der Arbeit an seinen gut dotierten Memoiren nebenbei anvertraute, was er von Wulff und der Welt hielt. Messer-Gabel-Merkel-Schlicht. Die kleingeistigen Sottisen eines Mannes, der sich selbst für sehr groß hält. Ein Gericht hat jetzt angeordnet, dass das Buch, das aus diesen Kellergedanken gegen Kohls Willen entstanden ist, um etliche Zitate entschärft werden muss. Es ist nicht schade drum. Wie Kohl ist und dass auch er schon vor langer Zeit das Gespür für Recht, Moral und das rechte Maß verloren hat, wissen wir seit Langem. Und die Namen seiner anonymen Spender hat er offenkundig auch im Keller für sich behalten.

Ach Amerika! Manchmal hast du es wirklich einfacher (nicht zu verwechseln mit besser!). Deine Präsidenten kommen ins Amt, weil sie viel Geld besitzen oder eingesammelt haben. Dann verdienen sie ein paar Jahre vergleichsweise bescheiden, aber das ist im Preis inbegriffen. Der besteht aus den dicken, fetten Schecks, die der gewesene Präsident später für Honorare und anderes einstreicht. Fertig ist die Laube auf Martha´s Vineyard. So funktioniert das System. Und keine Sau regt sich drüber auf. Vielleicht sind Schröder und Kohl ja einfach nur im falschen Land geboren.

Als Andreas Hoidn-Borchers kürzlich seinen Schwager traf, sagte der: "Ich lese gerade den Porno" – das Kohl-Buch. Lauter Stellen. Sie können dem Autor auf Twitter folgen: @ahborchers