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Abhör-Skandal: Wanzen als Karnevalsscherz

Im Bundestagsbüro eines Abgeordneten der Linksfraktion wurden kürzlich mysteriöse Mikrofone entdeckt. Ein Abhör-Skandal? Nein, die Aktion geht anscheinend auf das Konto von zwei Scherzbolden aus der SPD.

Der vermeintliche Abhör-Skandal im Bundestagsbüro des Abgeordneten Wolfgang Neskovic (Linksfraktion) hat sich als Scherz entpuppt. Zwei ehemalige Mitarbeiter der SPD-Fraktion haben schon 2004 die beiden erst vor sechs Wochen entdeckten kaputten Computermikros auf die Deckenlampen gelegt, als die SPD noch Mieter der Büroetage in der Straße Unter den Linden 50 war, wie Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) der "Frankfurter Rundschau" sagte. Die beiden haben sich Thierse offenbart.

Die Pressestelle des Bundestags konnte die Auflösung des Falles zunächst nicht bestätigen. Die Ermittlungen liefen noch, sagte ein Sprecher. Der SPD-Politiker berichtete der "FR", es habe sich offenbar um einen Karnevalsscherz gehandelt. Die Sache selbst sei "ziemlich witzig", meinte er. "Irgendeine abstruse Agentenstory in den Medien", so Thierse, habe zwei Mitarbeiter 2004 auf die Idee gebracht, an ihrem eigenen Arbeitsplatz eine kleine Abhör-Parodie zu inszenieren.

Thierse: Das waren halt Rheinländer

Sie hätten die Mikrofone mitgebracht und über die Deckenlampen eines Büros gelegt. Dass dort später ausgerechnet der linke Geheimdienstkontrolleur Wolfgang Neskovic einzog, sei ein Zufall gewesen. Nach der Bundestagswahl seien die Büros geräumt worden, die Mikrofone auf der Lampe hätten die Mitarbeiter schlicht vergessen.

Den beiden Mitarbeitern wurde laut Thierse selbst "etwas mulmig", als die Sache hoch kochte und über die Beteiligung fremder Geheimdienste spekuliert wurde. Dabei sei die Beinahe-Affäre eher dem regionalen Naturell der beiden Übeltäter geschuldet. "Das waren halt Rheinländer", meinte Thierse. Nach den Mikrofonfunden hatten Sicherheitsexperten die Büros mehrerer Abgeordneter untersucht. Auch das Parlamentarische Kontrollgremium (PKG) für die Geheimdienste beriet über den Fund. Neskovic hatte den Bundestag informiert, der Experten des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) eingeschaltet hatte.

AP / AP