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Landtagswahl in Brandenburg: Ein "obzszönes" AfD-Wahlplakat erzürnt SPD-Politiker

Die AfD wirbt auf einem Wahlplakat in Brandenburg ausgerechnet mit dem früheren SPD-Kanzler Willy Brandt – und verärgert damit dessen Partei.

Skulptur von Willy Brandt in der SPD-Parteizentrale

Skulptur von Willy Brandt in der SPD-Parteizentrale

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Neue Aufregung um Wahlwerbung der AfD: Ein Plakat der Partei in Brandenburg mit dem Konterfei des früheren sozialdemokratischen Kanzlers Willy Brandt (1913–1992) sorgt für Empörung. "Die Berufung auf Willy Brandt ist ein grober Missbrauch und schlicht obszön", sagte der langjährige Bundestagspräsident Wolfgang Thierse dem Berliner "Tagesspiegel".

Demnach verwendet die Partei vor der Landtagswahl am 1. September ein Wahlplakat mit einem Foto Brandts und dessen Spruch "Mehr Demokratie wagen".

SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil kritisierte das Plakat auf Twitter. "Willy Brandt steht für Frieden, Freiheit & die Einheit Deutschlands. Die AfD steht für Spaltung und Hetze!", so der Politiker. Auch Ralf Stegner äußerte Unmut. "Er (Willy Brandt) stand für das anständige Deutschland. Die AfD steht für das Gegenteil", so der SPD-Bundesvize auf Twitter.

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) hat die AfD scharf gerügt. "Willy Brandt hätte für Rechtspopulisten nur eines übrig gehabt: abgrundtiefe Verachtung", schrieb Maas auf Twitter. "Wenn Spalter und Hetzer ihn heute missbrauchen, ist das einfach widerlich."

Brandt war von 1969 bis 1974 Regierungschef einer sozialliberalen Koalition aus SPD und FDP. Er war mehr als zwanzig Jahre SPD-Parteichef.

AfD beruft sich auf DDR-Bürgerrechtsbewegung

Der frühere Bundespräsident Thierse kritisierte zudem erneut die Berufung der rechtspopulistischen Partei auf die DDR-Bürgerrechtsbewegung. Damals sei es um Grundrechte, Freiheit, Demokratie und Weltoffenheit gegangen. "Die Gleichsetzung der Bundesrepublik von heute mit der DDR von damals, ist eine unglaubliche Verharmlosung der DDR", kritisierte der ostdeutsche SPD-Politiker. Die DDR sei ein unfreies Land gewesen, und die heutige Bundesrepublik hingegen sei so frei, dass sogar die AfD "in ihr wirken kann".

Mit Slogans wie "Wir sind das Volk!" oder "Vollende die Wende" fährt die AfD eine Kampagne unter dem Motto "Wende 2.0". Viele Hoffnungen der Ostdeutschen in die "erste Wende" hätten sich nicht erfüllt, heißt es aus der Partei. Am Mittwoch hagelte es dazu bereits Kritik. Die kommissarische SPD-Vorsitzende Manuela Schwesig etwa sagte: "Die Verlogenheit der AfD ist kaum zu überbieten."

Video: Klingbeil hält sich Kandidatur für Parteivorsitz offen

Neben Brandenburg wird auch in Sachsen am 1. September gewählt, in Thüringen am 27. Oktober. Die AfD-Landesvorsitzenden von Brandenburg und Thüringen, Andreas Kalbitz und Björn Höcke, stammen aus Westdeutschland und hatten mit der friedlichen Revolution nichts zu tun.

fs / DPA / AFP