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Abwasch der Woche Rüttgers, das Mietobjekt der Woche


Muttis Koalition hat den vierten Monat überstanden, eine Bischöfin weilte im Weinberg des Herrn und niemand will Rüttgers sprechen. Zeit für den Abwasch.
Von Andreas Hoidn-Borchers

Wir sind ja keine Unmenschen, deshalb diesmal ausnahmsweise die gute Nachricht zuerst (oder, upps, war's doch die schlechte? Ach, wurscht). Jedenfalls: Muttis christlich-liberale Koalition mit Maß und Mitte hat jetzt auch den vierten Monat angeblich gemeinsamen Regierens überstanden. Hossa, es geht weiter! Was wahrscheinlich an christlichen Grundeinstellungen wie Langmut und der Bereitschaft zum Vergeben einerseits und der liberalen Tugend der Toleranz und des laissez faire andererseits liegt - den Partner einfach mal machen beziehungsweise nicht machen lassen. So, wie wir uns eine geistig-politische Wende immer vorgestellt haben.

Man wär ja wirklich schon gern mal dabei, wenn die Duz-Gemeinschaft Angela, Guido und Horst (Obacht, in alphabetischer Ordnung, nicht in der Folge der gefühlten Gewichtigkeit!) im derzeit wg. Bauschäden lecken Kanzleramt zusammenhocken und aushecken, was sie in nächster Zeit tun und lassen wollen. Wird da mal, so ganz und gar nicht in der Art der Kanzlerin, tabulos rumgeschrödert vulgo: gebrüllt wie aufm Bau? Wenigstens gemuckscht und gemuffelt? Sagt der enttäuschte Guido der Angela ins Gesicht, was seine FDP derzeit über die einstige Wunschkoalitionspartnerin verbreitet: Hang zur Gemächlichkeit, Schau'n-mer-mal-Kanzlerin etc. pp.? Rät der Horst dem Guido mal von Mann zu Mann, dass er nicht aus jeder Mücke einen Elefanten bzw. aus seinem Westerwelle einen Tsunami machen muss? Und was sagt die Kanzlerin dazu? Sagt sie überhaupt etwas? Und wie schweigt man bzw. frau eigentlich in ihrem Duktus?

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Fragen über Fragen, an denen wir uns mutmaßlich noch dreieinhalb Jahre ergötzen können, weil ja, um es mit der unnachahmlichen Regierungschefin zu formulieren, Selbstverständliches selbstverständlich bleiben sollte. Und deshalb sind solche Treffen, die andere schnöde "Krisengipfel" nennen, für Horst Seehofer "absolut normale Routine". Aber vielleicht ist es in dieser Koalition auch einfach nur das gleiche. Und für Westerwelle so selbstverständlich, dass er beinahe gar nicht hingefahren wäre.

Ist er dann aber doch. Was insofern ein bisschen schade ist, weil wir jetzt nie erfahren werden, welche Augen Mutti gemacht hätte, wenn sie plötzlich ganz allein mit Horst rumgesessen wäre. Und ob sie dann - wie der Kauder den Struck - ihren alten Kumpel Frank-Walter angerufen und ins Telefon geflötet hätte: "Ich vermiss dich!"

Aber einfach so leise Servus zu sagen - das hätte dann doch zu wenig Westerwellen geschlagen und nicht richtig zu Tsunami-Guido gepasst.

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Obwohl er, wie wir jetzt gerade an einem sehr irdischen Beispiel gelernt haben, nicht tiefer hätte fallen können als in Gottes Hand. Ach ja, die Zeiten sind lausig und beileibe nicht mehr das, was sie mal waren. Früher haben sie gern mal einen in "der Aufregung" (Frank McCourt) kollabierten Geistlichen aus dem Puff getragen, vorzugsweise in Bayern. Das war noch eine Gaudi. Heute zerren sie nur die Chefbischöfin, die ein bisschen im Weinberg des Herrn unterwegs war, aus dem Auto und an die Öffentlichkeit. Tja, und hastunichgesehn ist das Weib, nachdem die Kirchenoberen ihr solidarisch in den Rücken getreten sind bzw. haben ("Überlässt der Rat seiner Vorsitzenden die Entscheidung..."), wieder einfache Pastorin. Oder um es mit Friedrich Schorlemmer zu sagen: Sie hat ihre Freiheit zurückgewonnen. Vielleicht sollte Westerwelle einfach mal tief ins Glas und dann schnell hinters Lenk..., ach, war nur so ne Idee.

Und damit zum Gesang. Wir Frauen- und Musikfreunde vom Abwasch stellen uns nämlich gern vor, wie Frau Käßmann und ihr Begleiter durchs dunkle Hannover, nunja, gerauscht sind und dabei wäre der großartig rumpelige Stones-Song "Far away eyes" gelaufen. Wir zitieren (das muss jetzt auf Englisch, so sorry!):

"I was driving home early Sunday morning through Bakersfield
Listening to gospel music on the colored radio station
And the preacher said, "You know you always have the Lord by your side"

And I was so pleased to be informed of this that I ran
Twenty red lights in his honor
Thank you Jesus, thank you lord"

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Tja, das mit den Ampeln hätte ja auch bei der Käßmann noch geklappt, aber dann hat der Herr sie doch leider ein bisschen im Stich gelassen. Und wir haben jetzt den Salat und wie es sich gehört wieder einen Mann Gottes an der evangelischen Kirchenspitze. Wenigstens herrscht nun wieder Unzucht und Ordnung in Oberpfaffenhofen, ach ne, tschuldigung, das war ja die andere Fakultät, der man sicher nicht zu nahe tritt, wenn man behauptet, dass da doch so etwas wie spätrömische (oder war es frühgriechische?) Dekadenz eingerissen ist. Wird man ja man wohl noch sagen dürfen in diesem Land!

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Aber, wie es so schön heißt: Wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Schein. Und damit zum Mietobjekt der Woche. Jürgen, Tusch!!, Rüttgers. Alter Rumäne, das hätten wir jetzt nicht von ihm gedacht, dass er einfach seinen Generalsekretär den Käßmann machen lässt, nur weil dieser für ein paar Tausender Termine mit dem Ministerpräsidenten an Unternehmer verhökern wollte. Wo der Generalsekretär doch so einen schönen Namen hat, einen Namen, wie buchstabiert für das Amt: Wüst. Und was sollen wir sagen: Nomen est Amtsverständnis gewesen bei dem Mann, der in seiner schönen bunten Welt auch schon die SPD-Vorsitzende Hannelore Kraft hatte ausspähen lassen. Aber vielleicht war Rüttgers einfach auch nur sauer, weil niemand auf das Gesprächskaufangebot eingehen wollte...

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Wir jedenfalls haben ganz umsonst bzw. kostenfrei einen gleich dreifachen Lerneffekt bei der Geschichte - und das völlig unabhängig davon, dass der Sachse Tillich jetzt ja wohl auch den Rüttgers macht.

Erstens: Der NRW-Ministerpräsident lässt sich nicht kaufen. Jedenfalls nicht für solche läppischen Summen.

Zweitens: Die Unternehmer wollen ihn gar nicht kaufen. Jedenfalls nicht für simple Gespräche und dann noch für so viel Geld. Das ist es dann offenbar doch nicht wert.

Drittens: Der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen heißt gar nicht Rüttgers, sondern Hase. War schließlich mal wieder nur ein wüster Alleingang gewesen. Mein lieber Herr Kirchenchor, wenn das der Arbeiterführer wüsste, was da in seinem Laden so los ist. Wie wir ihn als guten Christenmenschen kennen, würde er vermutlich glatt die Verantwortung dafür übernehmen. Tiefer als in Gottes Hand würde er ja nicht fallen können. Aber ob es da einen Dienstwagen gibt?


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