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Äußerungen zu Occupy und Sarrazin: Grünen-Politiker kritisieren Gauck

Er hatte Thilo Sarrazin mutig genannt und Occupy "unsäglich albern". Diesen Thesen können sich einige Grünen-Politiker nicht anschließen. Sie fordern Joachim Gauck auf, sich von seinen Aussagen zu distanzieren.

Nicht alle Grünen-Politiker sind mit der Nominierung von Joachim Gauck als Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten einverstanden. Der integrationspolitische Sprecher Memet Kilic und der Bundestagsabgeordnete Hans-Christian Ströbele sind mit Gaucks Äußerungen zu den umstrittenen Zuwanderungs-Thesen von Thilo Sarrazin und zur weltweiten Occupy-Protestbewegung alles andere als einverstanden. Der frühere DDR-Bürgerrechtler hatte Sarrazin Mut bescheinigt und Occupy als "unsäglich albern" bezeichnet.

"Wenn Gauck sich nicht von Sarrazins fremdenfeindlichen Thesen klar distanziert, ist er nicht der richtige Bundespräsident für die ganze Bevölkerung", sagte Ströbele dem "Tagesspiegel" (Dienstagausgabe). Auch dass er die Occupy-Bewegung als albern bezeichnet hatte, störe ihn, sagte Ströbele der "Berliner Zeitung". "Inzwischen beklagen selbst die härtesten Kapitalisten Übermacht und Machtmissbrauch des Finanzsystems. Wie kann Herr Gauck den Protest dagegen auf der Straße 'unsäglich albern' nennen", sagte Ströbele. Vielmehr müsse Gauck als früherer DDR-Bürgerrechtler doch Sympathie mit demonstrierenden Menschen haben. Kilic erklärte, vor anderthalb Jahren sei er bei der Vorstellung Gaucks in der Grünen-Fraktion den Tränen nahe gewesen. "Durch seine Äußerungen zu Sarrazin fühle ich mich nun umso mehr vor den Kopf gestoßen", sagte er dem "Tagesspiegel". Bei der Wahl werde er sich der Stimme enthalten.

Der parteilose Theologe Gauck war am Sonntag von Union, FDP, SPD und Grünen als gemeinsamer Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten nominiert worden. Die Wahl findet am 18. März statt. Gauck war bereits vor knapp zwei Jahren Kandidat für das höchste Staatsamt von SPD und Grünen, er verlor damals im dritten Wahlgang gegen den von Union und FDP aufgestellten Christian Wulff, der am Freitag zurückgetreten war.

kgi/Reuters/AFP / Reuters