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AfD im Umfragehoch: Sie ist wieder da

Wir hatten uns gerade wieder so gemütlich eingerichtet mit den Umfragen - und dann das: die AfD bei sieben Prozent! Wem dabei mit Blick auf die Bundestagswahl 2017 angst und bange wird, muss sich eingestehen: Die Straße drängt ins Parlament.

Bundesvorstand der AfD

Die AfD-Führungsspitze um Frauke Petry (2vl.) und Alexander Gauland (l.) können mit den jüngsten Wahlumfragen ihrer Partei zufrieden sein. Stand jetzt würde die Alternative für Deutschland in den Bundestag einziehen.

Wahlumfragen zur Mitte der Legislaturperiode sind so ziemlich das Langweiligste, was es gibt. Mutti Merkels CDU thront über allen, die SPD dümpelt im 25 Prozent-Ghetto, Linke und Grüne ohne wirkliche Ambition, die FDP beschäftigt mit dem Kampf gegen das Vergessen.

So weit, so gut, so kuschelig vertraut. Die kleineren Vertreter, sind wir ehrlich, fliegen bei uns umfragetechnisch zu diesem Zeitpunkt eher unter dem Radar. Etwa weil sie sich - wie die Piraten - von selbst erledigen. Oder weil wir, die wir uns im gemäßigten Wahlspektrum bewegen, in Sachen AfD naiv darauf vertrauen, dass nicht sein kann, was nicht sein darf: Diese dumpfe Krakeeler-Truppe mit ihren Stammtischparolen im Bundestag? Die Gedankenwelt des "Packs" von Heidenau und der Spaziergänger aus Dresden am Rednerpult im Reichstag - die Vorstellung ist einfach zu igitt, als dass wir uns gedanklich daran die Hände schmutzig machen wollten.

Doch spätestens mit den jüngsten Umfragen hat sich diese naive Strategie erledigt. Die klammheimliche Hoffnung, dass die AfD nach ihren Führungsquerelen inklusive Austritt von Parteigründer Bernd Lucke an Attraktivität verlieren würde, müssen wir getrost begraben. Auf sieben Prozent werden die Rechts-Konservativen um die neue Parteivorsitzende Frauke Petry taxiert. Bei der Bundestagswahl 2013 waren sie mit 4,7 Prozent noch an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert.

Die Wahlforscher sehen die Sache gewohnt nüchtern. Die aktuellen Flüchtlingszahlen, die Hilflosigkeit der Koalition bei dem Thema inklusive Seehofers-Attacken auf Kanzlerin Merkel - all das spielt den rechten Populisten in die Karten. Forsa-Chef Manfred Güllner: "Damit bestätigt sich die alte Erfahrung, dass man mit rechten Themen immer das radikalere Original - in diesem Fall die AfD - stützt und das eigene Lager schwächt."

Machen wir uns nichts vor: Stand heute haben wir in zwei Jahren Mitglieder der AfD im Parlament sitzen. Aber wollen wir das wirklich? Wollen wir den Pegida-Sound im Bundestag? Eine Sprache, wie sie beispielsweise der thüringische Landes- und Fraktionschef Björn Höcke pflegt, der derzeit Woche für Woche in Erfurt zu einer "Demo gegen Politikversagen" aufruft und dabei auch fleißig Anhänger der rechtsextremen Szene einsammelt. Inzwischen sind auch die neue Bundesvorsitzende Frauke Petry und der Brandenburger AfD-Landeschef Alexander Gauland mit von der Partie

Für Höcke sind CDU-Mitglieder "Zeitgeist-Kastraten", mit denen man erst rede, "nachdem die Appartatschiks entsorgt sind", wie "Spiegel online" schreibt. Das Bild von Angela Merkel als Muslima, einem Motiv, an dem sich auch die ARD bereits die Finger verbrannt hat, enstspricht offenbar genau Höckes Vorstellungen "Diese durchgeknallte, Deutschland abschaffende Kanzlerin muss weg", sagte er laut "Spiegel Online" kürzlich vor AfD-Anhängern in Berlin.

Aber man muss gar nicht solche schrillen Partei-Lautsprecher bemühen, wenn einem die Vorstellung einer 5 Prozent plus X-AfD Unbehagen bereitet. Schon das Sofort-Programm, mit dem der neue Bundesvorstand um Frauke Petry die Flüchtlingszahlen eindämmen will, spricht Bände. Man will dort laut einem jüngst veröffentlichten Konzeptpapier kurzerhand das Asylrecht abschaffen. Stattdessen  Grenzkontrollen sowie Abschiebungen binnen 48 Stunden einführen. Generell soll es für die Balkanländer wieder eine Visumpflicht geben und die Einreise nach Deutschland ohne gültige Papiere sowieso unmöglich sein.

Solche populistischen Parolen im Bundestag, verkündet von Hetzern vom Schlage Gauland und Höcke auf den Stühlen von Brandt, Schmidt, Kohl?  "Dann ist das nicht mehr mein Land!" möchte man am liebsten mit der inzwischen zum geflügelten Wort gewordenen Sentenz von Angela Merkel klagen.

Doch das allein wird nicht reichen. Wer wirklich nicht will, dass der Stammtisch in den Reichstag einzieht, muss jetzt langsam aufwachen und die vermeintlich langweiligen Umfragen endlich ernst nehmen. Auf 33 Prozent wird dort derzeit der Anteil der Nichtwähler und Unentschlossenen taxiert. Genügend Menschen auf alle Fälle, mit denen man über die AfD sprechen, streiten, diskutieren kann. Die man vor allem aufrufen muss, überhaupt zur Wahl zu gehen. Um schlussendlich im Oktober 2017 ebenfalls mit Angela Merkel sagen zu können: Die AfD aus dem Bundestag rauszuhalten - "ja, das haben wir geschafft!"