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Schwerin: AfD-Kreischef bürgte für neue Mitglieder: "Verbindung ehemals NPD"

Vor dem Landesparteitag der AfD in Mecklenburg-Vorpommern am Sonntag drängt der nationalistische Flügel an die Macht. stern-Recherchen zeigen, um was für Unterstützer die beiden Schweriner Kreisvorsitzenden warben.

Die AfD-Politiker Thomas de Jesus Fernandes, Philip Steinbeck und Ulf Theodor Claassen (von links)

Zählen zur Partei-Rechten: der AfD-Kreisvorsitzende Thomas de Jesus Fernandes, Parteimitglied Philip Steinbeck und der Kreisvorsitzende Ulf Theodor Claassen (v.l.) auf einer AfD-Wahlparty in Schwerin Anfang September.

Beim Landesparteitag der AfD Mecklenburg-Vorpommern ringen der national-patriotische Flügel und die gemäßigten Kräfte um die Macht. Recherchen des stern im AfD-Kreisverband Schwerin-Mecklenburg zeigen nun, wie die dortigen Vorsitzenden Thomas de Jesus Fernandes und Ulf Claassen um Unterstützer warben: Anfang des Jahres setzten sie sich hartnäckig für neue Mitglieder ein, die in Häusern des früheren Rechtsradikalen Philip Steinbeck wohnten. Das zeigen E-Mails von Frauke Petry und aus dem Vorstand des Kreisverbands sowie handschriftliche Notizen, die dem stern vorliegen.

Dass der 52-jährige Philip Steinbeck Mitglied der AfD ist, wurde im Juni bekannt. Steinbeck bewohnt ein Schloss bei Lübtheen im Süden Mecklenburgs. Er stand 2011 auf einer Spendenwerbeliste der NPD und nennt den Ex-NPD-Bundeschef Udo Pastörs "menschlich sympathisch". Früher arbeitete er für die Landtagsfraktion der rechtsextremen Partei "Deutsche Liga für Volk und Heimat" in Schleswig-Holstein.

Aus der E-Mail eines AfD-Kreisvorstands geht hervor, dass "acht Mieter unseres Mitglieds Philip Steinbeck aus Lübtheen" aufgenommen werden sollten. Allerdings sollten diese Mitglieder alle nur 2,50 Euro im Monat bezahlen müssen. Das machte den AfD-Bundesvorstand stutzig. Frauke Petry fragte den damaligen Schatzmeister des Kreisverbands deshalb und für insgesamt sogar "12 Fälle", ob er "die erforderliche Härtefallprüfung durchgeführt" habe. Das war nicht geschehen. Der Vorstand um Fernandes und Claassen legte trotzdem Widerspruch gegen das Veto des Bundesvorstands ein.

Ein Mann mit brauner Vergangenheit als tatkräftiger Wahlkampfhelfer

Fernandes, der mit einer kleinen Firma insolvent ging und heute für die AfD im Landtag sitzt, hatte auch für einen Teil der Bewerber "gebürgt". So ist es auf einer ausgedruckten E-Mail handschriftlich und mit Fernandes' Unterschrift notiert. Für was für Leute der AfD-Mann bürgte, ist dem Papier ebenfalls zu entnehmen: "Alle (Mitglieder) Bewerber kommen von Herrn Steinbeck, Philip, aus Groß Lübtheen. Verbindung ehemals NPD Udo Pastörs".

Philip Steinbeck und seine Leute legten sich dann im vergangenen Landtagswahlkampf mächtig für die AfD ins Zeug. Der Vize-Kreisverbandschef Ulf Claassen, ein hochrangiger Polizist, der im März wegen "gefährlicher Körperverletzung in zwei Fällen" verurteilt wurde, richtete in einem internen Brief dem Schlossherrn Steinbeck und seiner "Lübtheener Mannschaft" einen "besonderen Dank" aus. Steinbeck bestätigte dem stern gegenüber seinen "Einsatz im Wahlkampf".

Der Landesparteitag am Sonntag wird zeigen, ob die extrem rechten Kräfte innerhalb der Nordost-AfD weiter erstarken. Einer ihrer Vertreter, der Jurist Enrico Komning, will Landeschef werden. Von den bisherigen beiden Chefs Leif-Erik Holm und Matthias Manthei kandidiert nur Holm erneut.

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