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Landtagswahl in Bayern: AfD-Kandidat warnt vor "Neger"-Krankheiten - und wird vom Gesundheitsamt zerlegt

Andreas Winhart von der AfD Bayern spricht in einer Wahlkampfrede von Krankheiten, die angeblich "Neger" zurück nach Deutschland gebracht hätten. Er habe das recherchieren lassen. Blöd nur, dass seine Quelle das ganz anders sieht.

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AfD-Politiker Andreas Winhart hat bei einer Wahlkampfveranstaltung in Bayern von "Negern" gesprochen und Asylbewerber für einen angeblichen Anstieg bei Krankheiten wie HIV, Krätze und Tuberkulose verantwortlich gemacht. Davon berichtet der "Münchener Merkur", zudem kursiert ein Videoausschnitt der Rede im Netz (weiter unten). "Ich möchte wissen, wenn mich in der Nachbarschaft ein Neger anküsst oder anhustet, dann muss ich wissen, ist der krank oder ist er nicht krank", sagt Winhart darin. Neben ihm auf der Bühne sitzt AfD-Vorsitzende Alice Weidel.

Die Asylbewerber hätten "Deutschland bereichert", er habe das beim Gesundheitsamt Rosenheim recherchieren lassen, behauptet Winhart. Es gebe "unglaublich viele HIV-Fälle", auch "wieder die Krätze" und Fälle von Tuberkulose. "Das sind alles Krankheiten, die habe ich hier im Landkreis seit Jahren nicht mehr gesehen gehabt".

Gesundheitsamt widerspricht AfD-Mann Andreas Winhart

Winhart behauptet: "Wir haben die Zahlen", allerdings ohne diese zu nennen. Er verweist lediglich auf das Gesundheitsamt Rosenheim. Dieses wiederum sah sich in der Folge durch zahlreiche Anfragen genötigt, eine Stellungnahme zu den Behauptungen zu veröffentlichen.

Ganz oben steht dort: "Wir stellen fest, dass 'unglaublich viele HIV-, TBC- und Krätzefälle' wie Winhart behauptet, durch das Gesundheitsamt für Stadt und Landkreis Rosenheim nicht bestätigt werden können." Das Gesundheitsamt macht die Fragen von Winhart samt Antworten der Behörde öffentlich. Demnach habe es zwischen 2015 und 2018 im Zuständigkeitsbereich 118 Tuberkulose-Fälle gegeben, 43 davon seien bei Asylbewerbern gewesen. Zwei HIV-Positive Asylbewerber seien dem Amt bekannt, zwischen 2017 und 2018 habe es zudem sieben Fälle von Krätze in drei Asylunterkünften gegeben.

Im Statement verweist das Amt auf die Einschätzung des Robert-Koch-Instituts dazu, das "keine relevante Infektionsgefährdung der Allgemeinbevölkerung durch Asylsuchende" sehe. Die "Möglichkeit des Imports von hierzulande seltenen Infektionskrankheiten durch Asylsuchende" schätze das RKI aktuell als "gering" ein.

-Chefin Weidel teilte auf Anfrage von verschiedenen Medien mit, die "Neger"-Äußerung nicht gehört zu haben. Möglicherweise sei sie "durch ein kurzes Gespräch" abgelenkt gewesen, zitiert der "Merkur". Ganz grundsätzlich aber lehne sie "Äußerungen solcher Art strikt ab", heißt es demnach.

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