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AfD-Parteitag in Essen: Petry-Fans buhen Lucke aus - und umgekehrt

Die Stimmung ist aufgeheizt wie im Fußballstadion: Auf dem AfD-Parteitag in Essen liefern sich Bernd Lucke und Frauke Petry einen Machtkampf um die Parteispitze. Zum Auftakt gab es Buhrufe für beide Seiten.

Bernd Lucke und Frauke Petry

Kontrahenten: Bernd Lucke und Frauke Petry

Parteigründer Bernd Lucke will den Streit um Führung und Ausrichtung endlich beenden: "Die Sache ist uns entglitten", sagte er vor 3000 Delegierten der AfD in Essen. Der Parteitag sei angesetzt worden, "weil wir der aufgeheizten Stimmung und den verhärteten Fronten nicht noch mehr Raum geben wollen." Der von ihm initiierte "Weckruf 2015" sei kein Versuch, die Alternative für Deutschland zu spalten, sondern es gehe darum, "Gefahren von der Partei abzuwenden". Lucke betonte die Notwendigkeit, sich klar gegen Rechts abzugrenzen. Fremdenfeindlichkeit und Rechtsradikalismus dürften in den Reihen der AfD keinen Platz haben.

Kontrahentin Frauke Petry sagte ihrerseits, sie könne "in der Tat keinen Rechtsruck dieser Partei erkennen". Sie warnte zugleich  unter Anspielung auf Luckes Äußerungen: "Also sollten wir ihn auch nicht herbeireden." Es sei "unklug, diese Kampfbegriffe selbst zu benutzen". Es sei seit der Parteigründung Anfang 2013 klar gewesen, "dass wir in die rechte Ecke geschoben werden". Sich jetzt darüber zu wundern, sei "geradezu naiv". Es gehe darum, Anfeindungen von außen auszuhalten. Dies sei leichter, "wenn man nicht zusätzlich 'friendly fire' oder internen Angriffen ausgesetzt ist", fügte Petry an die Adresse Luckes gerichtet hinzu.

Aufgebrachte Buhrufe aus beiden Lagern

Die Reden der beiden Kontrahenten wurden jeweils mit aufgebrachten Buh-Rufen und stürmischem Applaus der zerstrittenen Lager quittiert. Petry ist die Führungsfigur des rechten, nationalkonservativen Flügels der AfD. Sollte sie sich gegen Lucke durchsetzen, würde die AfD voraussichtlich auf einen strammeren Rechtskurs einschwenken.

Die sächsische Landesvorsitzende hatte noch kurz vor dem Parteitag ihre Bereitschaft auch zu einer Doppelspitze bekräftigt. Lucke lehnt eine Zusammenarbeit mit Petry jedoch ab und würde sich im Falle einer Niederlage zurückziehen.

Zeitpunkt der Abstimmung über Vorsitz unklar

Wann die Abstimmung über den Parteivorsitz erfolgen sollte, war zunächst unklar. Den Begrüßungsreden des AfD-Führungstrios aus Lucke, Petry und Konrad Adam folgten zunächst langwierige Geschäftsordnungsanträge sowie eine Debatte über das Für und Wider eines elektronischen Abstimmungsgeräts. Bei einer Testabstimmung mit dem Gerät über die größten Probleme Deutschlands setzten die rund 3000 anwesenden Mitglieder "ungesteuerte Einwanderung" an Platz eins, gefolgt von den Punkten "Eurokrise" und "mangelnde Kinderzahl".

 SPD-Generalsekretärin Yasmin Fahimi äußerte die Hoffnung, dass sich die AfD "in einem atemberaubenden Tempo zerlegt". Lucke und Petry "hassen sich offenbar bis aufs Blut", sagte Fahimi der "Neuen Osnabrücker Zeitung" vom Samstag. Trotz dieses "Chaos" dürfe aber nicht vergessen werden, dass in Essen eine "zutiefst rechtspopulistische Veranstaltung" stattfinde. "Die Rechtspopulisten in Deutschland werden nicht einfach verschwinden, wenn die AfD von der Bildfläche verschwindet", warnte Fahimi.

mai/AFP/DPA
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