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Affäre um Neonazi-Mordserie V-Mann-Kontakte zur NSU waren frühzeitig bekannt


Erst gab es angeblich keinen V-Mann in der NSU, dann wurde es doch zugegeben. Jetzt ist klar, dass das LKA Berlin sogar schon kurz nach Bekanntwerden der Neonazi-Mordserie von den Kontakten wusste.

Das Berliner Landeskriminalamt (LKA) wusste noch sehr viel früher als bislang bekannt von der heiklen Verbindung seines V-Mannes Thomas S. zur NSU-Terrorgruppe. Bereits im Dezember 2011 - also einen Monat nach Bekanntwerden der Neonazi-Mordserie - hatte das Bundeskriminalamt (BKA) in Berlin Erkenntnisse zu dem Unterstützer des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) abgefragt, wie die Nachrichtenagentur DPA am Dienstag aus Sicherheitskreisen erfuhr. Erst in der vergangenen Woche aber war die Verbindung trotz der intensiven Nachforschungen des NSU-Untersuchungsausschusses öffentlich geworden.

Thomas S. hatte dem LKA bereits 2002 Hinweise zu der gesuchten rechtsextremen Terrorgruppe gegeben . Unklar ist, was mit den Informationen passierte und ob diese an die zuständigen Behörden weitergeleitet wurden.

Nicht explizit nach V-Mann-Tätigkeit gefragt

Auf die BKA-Anfragen vom Dezember sowie einer weiteren vom Januar teilte das LKA mit, S. sei Beschuldigter im Verfahren gegen die inzwischen verbotene Nazi-Band "Landser" und in der sächsischen rechten Szene aktiv. Dass er aber rund zehn Jahre als V-Mann für das LKA arbeitete, wurde dem BKA nicht mitgeteilt.

Nach nun vorliegenden Informationen war in den früheren BKA-Anfragen nur allgemein nach Erkenntnissen zu S. gefragt worden, nicht aber explizit nach einer möglichen V-Mann-Tätigkeit. Deshalb wurde die BKA-Anfrage nicht an die für die V-Leute zuständige Fachdienststelle weitergeleitet. Dies geschah erst am 7. März 2012 nach einer konkreteren Anfrage des BKA.

Im Laufe des Tages sollen sich der Berliner Innensenator Frank Henkel (CDU) und die amtierende Polizeipräsidentin Margarete Koppers in einer Sondersitzung des Innenausschusses im Abgeordnetenhaus zu dem Vorgang äußern. Dann muss Henkel erklären, warum im Jahr 2002 Hinweise des V-Mannes zu der gesuchten rechtsextremen Terrorgruppe womöglich nicht weitergegeben wurden.

dho/DPA DPA

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