Afghanistan Deutsche Geisel in Todesangst


Offenbar konnte sich der entführte deutsche Bauingenieur Rudolf B. beim arabischen TV-Sender Al Dschasira telefonisch melden. Er fürchte um sein Leben, die deutsche Regierung solle ihm helfen, soll er gesagt haben. Die Taliban selbst sollen das Telefonat initiiert haben.

Der in Afghanistan entführte deutsche Bauingenieur Rudolf B. soll in einem Telefoninterview mit einem arabischen Reporter die Bundesregierung eindringlich um Hilfe gebeten haben. Der arabische Nachrichtensender Al-Dschasira berichtete am Montag, der 62-Jährige habe in dem Telefonat mit einem Reporter des Senders sowohl die deutsche als auch die afghanische Regierung gebeten, ernsthafte Bemühungen um seine Freilassung zu unternehmen. Es gehe ihm gesundheitlich schlecht und er fürchte um sein Leben, sagte Rudolf B. den Angaben zufolge.

Unklar blieb, unter welchen Bedingungen Rudolf B. das Gespräch geführt hat und wie das Telefonat zustandegekommen war. Der zusammen mit Rudolf B. entführte Deutsche Rüdiger D. (44) war von den Geiselnehmern, bei denen es sich um eine örtliche Taliban-Gruppe mit kriminellem Hintergrund handeln soll, ermordet worden. Die beiden Deutschen und sechs Afghanen waren am 18. Juli verschleppt worden. In einem verzweifelten Appell hat der in Afghanistan entführte Deutsche darum gebeten, alles zu tun, um sein Leben zu retten.

Die Geiselnehmer nahmen wohl ebenfalls Kontakt zu AP auf

In einem Telefongespräch mit dem Büro der Nachrichtenagentur AP in Kandahar sagte Rudolph B. in englischer Sprache, dass er schwer krank und sein Leben in großer Gefahr sei. Laut der Associated Press riefen die Taliban am Montagmorgen aus eigenen Stücken bei der AP an und holten dann den vor knapp vier Wochen entführten Bauingenieur ans Telefon. Im Gespräch identifizierte sich Rudolph B. zunächst mit Namen und Wohnort. "Bitte geben Sie diese Nachricht an die deutsche Botschaft und an meinen Sohn Markus weiter", sagte er dann. Er lebe mit den Taliban in den Bergen und befinde sich in großer Gefahr, da er sehr krank sei. Er habe ein Herzproblem, doch stehe ihm kaum Medizin zur Verfügung. Teilweise war seine Aussage an dieser Stelle nicht ganz verständlich.

Seine Geiselnehmer wollten mit der Regierung in Kabul über ein Ende seiner Gefangenschaft verhandeln, sagte Rudolf B. weiter. Sie seien aber auch bereit, ihn zu töten. Er sei sehr traurig darüber, dass die deutsche Botschaft und die afghanische Regierung nicht auf sein Leid reagiert hätten und seinem Hilferuf aus den Bergen kein Gehör schenkten. Er wünsche sich vom afghanischen und vom deutschen Volk, dass alles getan werde, damit er lebendig von den Taliban befreit werden könne. Die Stimme des Ingenieurs schien den Schluss nahe zu legen, dass er unter enormen psychischen Druck stand. Die Grammatik und der Tonfall seiner Aussagen geben Anlass zu der Vermutung, dass es sich um eine vorbereitete Erklärung handeln könnte.

DPA/AP AP DPA

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