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AKW Brunsbüttel: Einmal renovieren bitte!

Bis 20. September muss Betreiber Vattenfall erklären, ob tatsächlich in Brunsbüttel nicht ähnliche Probleme, wie im schwedischen Reaktor Forsmark auftreten können. Die Deutsche Umwelthilfe verlangt die Stilllegung des Reaktors.

Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) hat nach unklaren Risiken im Atomkraftwerk Brunsbüttel erneut Aufklärung über die Sicherheit im Meiler gefordert. Nach einem schweren Störfall im schwedischen Reaktor Forsmark im August waren die Behörden auch auf die Notstromversorgung in Brunsbüttel aufmerksam geworden. Gabriel hatte erklärt, auch in dem Kraftwerk an der Elbmündung könne es zu ähnlichen Problemen kommen wie in Schweden. Die schleswig-holsteinische Atomaufsicht hat dem Betreiber Vattenfall eine Frist bis zum 20. September gesetzt, um zu erklären, ob die Notstrom-Versorgung von Brunsbüttel gesichert ist.

Vattenfall sieht Notstromversorgung gesichert

Nach eigenen Angaben will Betreiber Vattenfall die Notstrom-Versorgung in der Nuklearanlage ergänzen, aber nicht komplett umbauen. "Eine Systemeinheit soll zusätzlich an eine bereits vorhandene Gleichstromversorgung angeschlossen werden", sagte Geschäftsführer Bruno Thomauske. Der Antrag liege seit Freitag vor, die Versorgung von Brunsbüttel sei aber gesichert. Damit reagiere das Unternehmen offenbar auf das konsequente Vorgehen der Atomaufsicht und trete die Flucht nach vorne an, kommentierte Gabriel den Antrag.

Schleswig-Holsteins Gesundheitsministerin Gitta Trauernicht (SPD) bekräftigte, dass laut externen Sachverständigen die Sicherheit der Notstromversorgung bei einer Störung des Stromnetzes in Brunsbüttel gewährleistet sei. "Wir brauchen aber maximale Sicherheit bei allen Kernkraftwerken, deshalb ist die Optimierung der Anlage erforderlich", ergänzte die Politikerin. Das System werde damit aber nur an den Standard modernerer Anlagen angeglichen. Sie sei sich mit dem Bund einig, dass aktuell kein Anlass bestehe, den Betrieb von Brunsbüttel einzuschränken oder einzustellen. "Einigkeit besteht auch darin, dass die Qualitätssicherung des Betreibers bei Auskünften und Informationen zum Kernkraftwerk Brunsbüttel verbessert werden muss."

Fonsmark-Panne nicht übertragbar

Vattenfall hatte zunächst angegeben, die Panne im schwedischen Atommeiler Forsmark im Juli sei wegen der Gleichstromversorgung der Notstromdiesel nicht auf Brunsbüttel übertragbar. Das Unternehmen korrigierte diese Darstellung im August jedoch und gab an, dass im Atomkraftwerk Brunsbüttel wie in Forsmark Wechselrichter eingesetzt würden. «Mit dem Antrag zur Umstellung der Notstromversorgung reagiert Vattenfall nunmehr offenbar auf das konsequente Vorgehen der Atomaufsicht und tritt die Flucht nach vorne an», sagte Gabriel.

Nach Angaben der Atomaufsicht droht aber keine Gefahr. Die Beherrschung von Störfällen sei unabhängig von der Funktion der Wechselrichter durch Notstromdiesel garantiert. Gabriel hatte Vattenfall nach Berichten über Sicherheitsrisiken bereits eine Informationsfrist bis zum 28. August gesetzt. Die Bundesaufsicht bestehe auf einer Aufklärung des Sicherheitsmanagements, betonte er. In Forsmark waren am 26. Juli nach einem Reaktorstopp zwei von vier Notstromaggregaten nicht angesprungen.

Grüne: "Defizite, Falschinformationen"

Der Bericht Gabriels löste im Umweltausschuss einen heftigen Streit aus. Die Grünen forderten die Abschaltung von Brunsbüttel. Es gebe "Defizite, Falschinformationen und scheibchenweise Informationen" von Vattenfall. Die Linksfraktion warf Vattenfall vor, bei einem vergangenen Fall nicht die volle Wahrheit gesagt zu haben.

Vattenfall erklärte, Gabriel habe in einer Sitzung des Umweltausschusses eingeräumt, es gebe keinerlei Hinweise auf Sicherheitsmängel in Brunsbüttel. Der Deutsche Umwelthilfe sprach indessen von einer "unerträglichen Geheimniskrämerei" und verlangte eine vorzeitige Stilllegung des Atomkraftwerks. Es sei in höchstem Maße befremdlich, dass der Betreiber Vattenfall mehrere Wochen benötigt habe, um zu verlässlichen Aussagen über die technische Ausgestaltung des Notstromsystems in seiner eigenen Anlage zu kommen.

Keine Panikmache

Gabriel sieht keinen Anlass für eine Abschaltung. Wenn die Grünen die Diskussion so fortsetzten, werde er "dutzende Beispiele" nennen, dass sein Vorgänger Jürgen Trittin (Grüne) trotz bestehender Mängel den Weiterbetrieb verschiedener Atommeiler genehmigt habe, sagte er nach Angaben des Bundestags. Unions-Fraktionsvize Katherina Reiche (CDU) kritisierte die Grünen. Die Sicherheit von Kernkraftwerken eigne sich nicht für Panikmache.

DPA / DPA