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Alexander Schalck-Golodkowski Schillernder Geldbote des SED-Regimes

Er wird als eine der schillerndsten Figuren der deutschen Nachkriegsgeschichte angesehen: Alexander Schalck-Golodkowski, ehemaliger DDR-Devisenbeschaffer. Sein Lebensabend am Tegernsee wird von Herzproblemen überschattet.

Alexander Schalck-Golodkowski gilt als genialer Geldmacher. Der ehemalige DDR-Devisenbeschaffer zögerte mit dieser Gabe den Bankrott des SED-Regimes vermutlich um Jahre hinaus. Der heute 70-Jährige floh einen Monat nach dem Mauerfall in den Westen und stellte sich den Sicherheitsbehörden. Sein Lebensabend, den er zurückgezogen in Rottach-Egern am Tegernsee verbringen wollte, wurde von Prozessen, Krebs und zuletzt von massiven Herzproblemen überschattet.

Schalck wird auch als eine der schillerndsten Figuren der deutschen Nachkriegsgeschichte angesehen. Das loyale SED-Mitglied, das von der Stasi im Rang eines Oberst geführt und wie ein General bezahlt wurde, handelte 1983 ausgerechnet mit dem CSU-Chef und bayerischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß einen Milliardenkredit für die DDR aus.

Chef des verdeckt operierenden Netzwerks KoKo

Der Liquiditätsexperte war angeblich Vertrauter von Stasi-Chef Erich Mielke und Kronprinz von SED-Wirtschaftslenker Günter Mittag. 1975 wurde er Staatssekretär und Chef des verdeckt operierenden Netzwerks KoKo (Kommerzielle Koordinierung), das für die heiklen Fälle der Wirtschaftsdiplomatie zuständig war. Stets ging es um die Beschaffung von Devisen und von westlicher Hochtechnologie, um die Rückständigkeit der DDR-Wirtschaft abzufedern.

Die Versorgung der seinerzeit geheimnisumwitterten SED-Prominentensiedlung Wandlitz nördlich von Berlin mit französischen Weinen, westlichen Sechszylinder-Limousinen bis hin zu Badezimmerarmaturen aus der Bundesrepublik war nur ein kleiner Teil von Schalcks Aufgaben. Offenbar liefen auch die berüchtigten Häftlings-Freikäufe und Devisengeschäfte mit den Kirchen über die KoKo. Nach Schalcks Darstellung war er lediglich Beauftragter von Staats- und Parteichef Erich Honecker und von dessen Nachfolger Egon Krenz.

Milliarden-Imperium

Der am 3. Juli 1932 in Berlin geborene Schalck sagte der Tageszeitung "Die Welt" 1990, dass sein Imperium in den beiden Jahren vor dem Mauerfall 1989 jeweils durchschnittlich fast drei Milliarden D-Mark erwirtschaftet habe. Seit ihrer Gründung 1966 bis zum Mauerfall soll die KoKo 27 Milliarden D-Mark verdient haben.

So geheim, wie oft dargestellt, war Schalcks Geldkombinat aber doch nicht. Aus dem Bericht des Untersuchungsausschusses des Bundestags ging 1994 hervor, dass sowohl der Bundesnachrichtendienst als auch die Bundesregierung spätestens seit 1983 über alle Aktivitäten der KoKo bestens informiert gewesen seien.

BND-Deckname: "Schneewittchen"

Gegen Schalck, der den BND-Decknamen "Schneewittchen" hatte, erhoben die Ermittler im Westen sieben Anklagen. Nicht alle wurden zugelassen. Es ging um illegale Waffengeschäfte, Steuerhinterziehung, Beihilfe zum Verstoß gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz, Devisenschmuggel sowie Untreue und Verstoß gegen westliche Embargo-Vorschriften. Übrig blieb eine Bewährungsstrafe wegen illegaler Waffengeschäfte. Ruhe gab er deshalb nicht. Er gründete seine eigene Firma. 1995 besuchte er als Berater einer Wirtschaftsdelegation China.

Frieder Reimold

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