HOME
Pressestimmen

Bundestag: "AfD-Fraktionschefin auf finsterem NPD-Niveau" - das schreibt die Presse zum neuesten Weidel-Eklat

Alice Weidel wandelt mit ihrer Rhetorik auf den braunen Spuren der NPD. Das ist nur einer von vielen Kommentaren deutscher Zeitungen zu den fremdenfeindlichen Tiraden der AfD-Chefin im Deutschen Bundestag. Die Pressestimmen im Überblick.

AfD-Fraktionschefin Alice Weidel im Bundestag

AfD-Fraktionschefin Alice Weidel im Bundestag

Die AfD sorgte für einen Eklat im Bundestag, wieder einmal. In der Haushaltsdebatte war es Alice Weidel, die sich durch die Vermengung von Begriffen wie "Kopftuchmädchen", "Messermännern" und "Taugnichtse" nicht nur jede Menge Widerspruch sondern auch einen Ordnungruf durch Parlamentspräsident Wolfgang Schäuble einfing. Das Echo der deutschen Zeitungskommentatoren ist eindeutig: Die AfD-Fraktionschefin hat dem Parlament geschadet und offenbart, wie weit nach rechts die AfD inzwischen gerückt ist.

+++ Lesen Sie hier mehr zum Thema hier im stern: "Eklat im Bundestag: Nach 'Kopftuchmädchen'-Spruch: Schäuble spricht Machtwort gegen Weidel" +++

"Die Welt" (Berlin): "Als Vorsitzende der größten Oppositionsfraktion sprach Alice Weidel in der Generaldebatte als Erste. Sie hätte also den Ton und den Inhalt der Debatte vorgeben können. Weidel hat das nicht geschafft. Und, was schlimmer ist: Sie hat es nicht einmal ernsthaft versucht. Zwar benannte Weidel einige wunde Punkte der alten und neuen Politik der großen Koalition, der rhetorische Höhepunkt ihrer Rede war aber keine Anklage der Regierung, sondern ein Angriff auf 'Kopftuchmädchen'. Ein Ordnungsruf war die Folge - zu Recht. Weidel aber vermarktete die Rüge prompt in den sozialen Medien als Gütesiegel ihrer Rede: Sie warf sich wieder einmal in die Pose der verfolgten Unschuld. Was soll das? Im Wahlkampf mag solche Effekthascherei legitim sein, in einer Parlamentsdebatte ist sie fehl am Platze."

"Alice Weidel wollte einfach nur provozieren"

"Frankfurter Rundschau": "Im Ton setzte einen neuen - wohlkalkulierten - Superlativ und schwadronierte über 'Burkas, Kopftuchmädchen, alimentierte Messermänner und sonstige Taugenichtse', die 'unseren Wohlstand' und den Sozialstaat nicht sichern würden. Das ist schlicht Hetze. Nicht nur Grüne und Linke reagierten heftig, sondern auch die CDU. Sie tat sich bisher schwer damit, die AfD angemessen zu behandeln. Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble rügte Weidel wegen ihrer Wortwahl, Fraktionschef Volker Kauder warf ihr vor, ein unchristliches Menschenbild zu vertreten. Das war überfällig. Ignorieren mag bei mancher Provokation der AfD die richtige Antwort sein. Dennoch gilt es, Grenzen zu setzen. Damit wird deutlich, dass im Bundestag nicht alles geduldet wird."

"Rheinische Post" (Düsseldorf):  "Eine Oppositionsführerin, die diese Chance so nutzt, dass sie anschließend zur Ordnung gerufen werden muss, hält sich nicht wirklich für eine Alternative zur Kanzlerin. Ganz offensichtlich kam es AfD-Fraktionschefin Alice Weidel darauf auch gar nicht an. Mit dem menschenverachtenden Zusammenrühren von 'Burkas', 'Kopftuchmädchen', 'alimentierten Messermännern' und 'sonstigen Taugenichtsen' in einem Satz wollte sie einfach nur provozieren. Möglicherweise war es über die Sacharbeit in den parlamentarischen Niederungen zu still um die Partei geworden, die seit langer Zeit auch davon lebt, über öffentliche Empörungswellen Schlagzeilen zu liefern und sich so ihre randständige Klientel zu sichern."

"AfD-Chefin bewegte sich auf finsterem NPD-Niveau"

"Handelsblatt" (Düsseldorf): "Mit ihrem Auftritt bewegte sich die AfD-Fraktionschefin auf finsterem NPD-Niveau. Dass sie ausgerechnet die Generaldebatte zur Regierungspolitik für ihre hetzerisch aufgeladene Ansprache genutzt hat, dürfte wohlkalkuliert gewesen sein. Als Anführerin der größten Oppositionsfraktion ist Weidel diejenige, die unmittelbar auf die Kanzlerin reagieren darf. Das sichert der AfD-Frontfrau die größtmögliche Aufmerksamkeit."

"Oberhessische Presse" (Marburg): "Weidel und Co. stört die demonstrative Gleichgültigkeit der Regierungschefin ebenso wenig wie die wütenden Attacken der anderen Fraktionen. Und das ist aus mehreren Gründen fatal: Zum einen lassen sich die Parlamentarierinnen und Parlamentarier der nicht zur bisher gepflegten Debattenkultur erziehen. Zum anderen kann sich die AfD-Fraktion nach jedem Ordnungsruf in ihrer Opferrolle suhlen und publikumswirksam die Mär verbreiten, durch die vermeintliche Gängelung der Rechtspopulisten seitens des 'politischen Establishments' werde die parlamentarische Demokratie zu Grabe getragen. Schließlich - und das ist vielleicht am gravierendsten - bleibt aus Plenarsitzungen wie der gestrigen als irreparabler Kollateralschaden hängen, dass Unwörter wie 'Taugenichtse' und 'Kopftuchmädchen' zumindest bei all jenen Menschen im Land hoffähig werden, die der irrigen Meinung sind, dass 'man das ja wohl noch sagen darf'."

wue/mit DPA-Material