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Nach ihrem Flüchtlingskommentar: Anja Reschke schreibt offenen Brief an Kritiker

Ihr Kommentar zur Flüchtlingshetze in Deutschland fachte die Debatte neu an und brachte ihr neben Lob auch heftige Kritik. Nun wendet sich die ARD-Moderatorin Anja Reschke an die Absender der Zuschriften.

Panorama-Moderatorin Anja Reschke

Wurde im Netz von Nazis angefeindet: ARD-Moderatorin Anja Reschke

Der Tagesthemen-Kommentar zur Flüchtlingsproblematik von Anja Reschke hat hohe Wellen geschlagen. Die ARD-Moderatorin wurde unter anderem von braunen Trollen im Netz wüst beschimpft, erhielt aber auch positive Zuschriften. Nun hat sie sich erneut zu Wort gemeldet und den Kommentatoren ihres Kommentares in einem offenen Brief geantwortet

Zu aller erst bedankt sich Reschke für die vielen positiven Rückmeldungen zu ihrem Kommentar, um dann detailliert auf die Kritikpunkte einzugehen. Sie wehrt sich gegen den Vorwurf, Andersdenkende diffamiert zu haben und führt aus, dass sich ihr Kommentar explizit gegen Hetzer gerichtet hat und nicht gegen Menschen, die ihre legitime Meinung äußern wollten. "Das habe ich sicher sehr pointiert getan, aber ich halte meinen Kommentar weder für besonders mutig noch für herausragend."

Reschke weist das vermeintliche Argument, Flüchtlinge kämen nur, um sich "am deutschen Sozialsystem zu bereichern" entschieden zurück. "Die Menschen aus Syrien, Eritrea, Irak, Afghanistan fliehen vor allem vor dem Krieg in ihrem Land. Die Menschen aus dem Balkan fliehen aus Perspektivlosigkeit. Sie erwarten sich hier ein besseres, sicheres Leben." Ein Großteil der Flüchtlinge sei aber darauf aus, "ein selbstständiges Leben führen zu können, wozu auch Arbeit gehört."

Kaum legale Wege nach Deutschland

Die Moderatorin widerspricht auch den Darstellungen, dass "Politik und 'linke Mainstream-Medien' schreien, alle sollten herkommen". Vielmehr gebe es im Moment kaum legale Wege, nach Deutschland zu flüchten. Die Not der Menschen sei nur so groß, dass diese trotzdem kämen.

Als sachlich falsch bezeichnet Reschke die Äußerungen, alle Flüchtlinge würden nach Deutschland wollen. Zwar sei die Bundesrepublik, das EU-Land mit den meisten Anträgen, aber schließlich sei sie auch das mit den meisten Einwohnern. Die allermeisten Flüchtlinge aber gäbe es aber außerhalb Europas, in Ländern wie der Türkei, Pakistan, dem Libanon, Iran oder Äthiopien.

"Flüchtlinge nicht öfter kriminell"

Laut Reschke gibt es keine Hinweise darauf, dass "Flüchtlinge öfter straffällig werden als andere Menschen". Aktuelle Probleme seien vielmehr eine Frage der schlechten Organisation und von überfüllten Auffanglagern. "Flüchtlinge sind auch nur Menschen - und damit eben auch verschieden. Es gibt sympathische und unsympathische, aggressive und friedliebende. Per se alle Flüchtlinge als kriminell zu bezeichnen aber bleibt eine rassistische Unterstellung", sagt die Moderatorin.

Viele hätten ihr geschrieben: "Wir sollten uns lieber um unsere eigenen Armen kümmern." Sie könne verstehen, dass man sauer auf den Staat ist, wenn man arbeitslos ist oder nur eine kleine Rente bekommt. "Dafür kann aber der Flüchtling, der hierher kommt, auch nichts." Die Argumentationen liefen da komplett gegeneinander. "Sind Flüchtlinge arm, dann heißt es, sie wollen nur an unsere Sozialkassen. Sind sie gut ausgebildet, besitzen vielleicht ein Handy oder gute Kleidung, heißt es, sie seien ja nicht hilfebedürftig. Noch widersprüchlicher geht es nicht."

fin