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ARD-"Wahlarena" "Wir kriegen das hin": Super-Armin rettet die Welt – davor redet er aber noch ein bisschen um den heißen Brei herum

Armin Laschet Wahlarena
"Wie wir es in Nordrhein-Westfalen gemacht haben“ lautete Laschets ultimative Erfolgsformel
© Axel Heimken / DPA
Armin Laschet hat noch nie gekifft und ist gegen die Legalisierung von Cannabis. Es war die einzige klare Ansage des CDU-Kanzlerkandidaten bei der Bürgerbefragung. Ansonsten: ausschweifen, abschweifen, alles möglich machen.
Mark Stöhr

Was Armin Laschet schon alles war: Integrationsminister, Frauenminister, er hat bei einer Schülerzeitung mitgemacht und war Mitglied in einer katholischen Studentenverbindung. Für fast jede Frage fand der Christdemokrat in der ARD-Wahlarena eine Funktion, die seine besondere Kompetenz unterstrich. Und wenn er zufällig mal was noch nicht war – Busfahrer zum Beispiel, Langzeitarbeitsloser oder Migrant – verwies er auf seine Verdienste als Ministerpräsident. "Wie wir es in Nordrhein-Westfalen gemacht haben" lautete die ultimative Erfolgsformel. Muss ein tolles Bundesland sein! 

Laschet hat seine Rhetorik-Lektion gelernt

Laschet hat seine Rhetorik-Lektion gelernt: ausschweifen, abschweifen, alles möglich machen. Mit an Schleimigkeit grenzender Empathie bedankte er sich jedesmal für die "sehr wichtige" Frage und beantwortete sie mit der ihm eigenen Quasseligkeit. Lebenshaltungskosten: "Alle müssen am Wohlstand des Landes teilnehmen." Rassismus: "Müssen Gesellschaft werden, die mehr divers ist." Abhängigkeit von Diktaturen: "Wir müssen durch Handel Kontakt halten." Entwicklungspolitik: "Afrika hat viel Potenzial, wenn man die Menschen lässt." Und immer wieder: "Ich verstehe das." Von einer Frau aus Leer, die seit Ewigkeiten auf Jobsuche ist, ließ er sich die Telefonnummer geben. Für was auch immer. Super-Armin rettet die Welt.

Als der CDU-Vorsitzende den ersten zögerlichen Applaus geerntet hatte, traute er sich, den Leuten auch mal einen vom Pferd zu erzählen. Angesprochen auf die Nebeneinkünfte von Bundestagsabgeordneten, warb Laschet um Verständnis. Einem Bäcker, der in den Bundestag ginge, könne man doch nicht vorwerfen, dass er sich weiter nebenher um seine Bäckerei kümmere. Wer wisse denn, ob er nach vier Jahren wiedergewählt würde. Uff. So viel Planungssicherheit wünschen sich viele – bei einem gleichzeitigen Grundgehalt von 10.000 Euro. Eine Studentin aus Stuttgart, die sich besorgt darüber äußerte, ob man angesichts der Erderhitzung überhaupt noch Kinder in die Welt setzen könne, beschied er mit dem durch nichts belegten Satz: "Wir kriegen das hin."

"Meine Regierung hat den Hambacher Forst gerettet"

Aber zu gemütlich sollte es für Laschet dann doch nicht werden. Dreimal kam er aus dem Tritt. Eine 15-jährige Klimaaktivistin ("Ihre Klimapolitik ist eine Katastrophe") grätschte er ziemlich unfreundlich weg und verdribbelte sich zu der hanebüchen haltlosen These: "Meine Regierung hat den Hambacher Forst gerettet." Als ein Mann ihn anging, warum er nicht, wenn es ihm wirklich um Deutschland ginge, von seiner Kanzlerkandidatur zurücktrete, zogen dunkle Wolken über dem rheinischen Frohsinn auf. Laschet rang mit seiner Angepisstheit und konterte spitz: "Was hielten Sie von der Idee, dass wir das die Menschen am 26. September entscheiden lassen, welche Partei sie wählen?"

Ganz die Sprache verschlug es ihm, als ihn eine Frau auf seine Mitgliedschaft in einer katholischen Studentenverbindung ansprach. Der nicht ganz stringent vorgetragene Vorwurf: Laschet habe seine Karriere unter anderem diesem Netzwerk und der Familie seiner Frau zu verdanken. Die Frage: Ob er sich in Sachen Klima von dieser Verbindung abgrenzen könne. Der 60-Jährige verstand nur Bahnhof. "Warum soll ich mich davon abgrenzen?", erwiderte er konsterniert. "Klaus Töpfer war auch in so einer Verbindung."


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