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Wahl-Rückblick in TV-Interview Armin, warum sagst du das jetzt? Was hinter der Söder-Schelte stecken könnte

CDU-Chef Armin Laschet (l.) und Sandra Maischberger
Im ersten längeren TV-Interview seit der Bundestagswahl spricht CDU-Chef Armin Laschet (l.) mit Sandra Maischberger über seine Niederlage und seine Vorstellungen zur Neuaufstellung der Christdemokraten
© WDR/Melanie Grande
Der gescheiterte und scheidende CDU-Vorsitzende hat ausgesprochen, was alle längst wissen: CSU-Chef Söder hat seinen Wahlkampf torpediert. Sucht Armin Laschet Satisfaktion? Dahinter könnte mehr stecken.

Armin Laschet gibt nicht auf. Wacker hält er an seinem Wunsch fest, wohl wissend, dass dieser kaum in Erfüllung gehen dürfte. "Ich halte es nicht für unmöglich, aber ich würde keine Prognose heute wagen", sagte der Noch-CDU-Chef.

Der Wunsch, ausnahmsweise laut ausgesprochen: eine "konsensuelle Lösung" um seine Nachfolge, für die am Samstag der Startschuss fallen soll. Dann, so der Plan, dürfen die möglichen Anwärter offiziell ihre Hand für den Posten heben. Und Laschet hofft, dass es nur eine Hand sein wird: die eines Konsenskandidaten.  

Seine Hoffnung dürfte vergebens sein, aus vielerlei Gründen. Konsens scheint bei den Christdemokraten derzeit nur zu sein, dass Laschet als Kanzlerkandidat gefloppt ist – und die CSU, allen voran ihr Parteichef Markus Söder, einen wesentlichen Anteil daran hatte. Immer wieder torpedierte Söder den Wahlkampf der Union, warf dem gemeinsamen Front Runner verbale Knüppel zwischen die Beine, die Laschet abermals ins Stolpern brachten, vielleicht sogar bringen sollten.  

Insofern war Laschets Auftritt bei "Maischberger. Die Woche" am Mittwochabend sehr aufschlussreich.

In seinem ersten längeren TV-Interview seit der Bundestagswahl begegnete der scheidende CDU-Vorsitzende seiner Niederlage mit großer Wehmut, gab aber auch ungewohnt offen Einblick in sein Verhältnis zum CSU-Chef. "Es war lange Zeit sehr gut und ich habe ihm wirklich viel geglaubt", sagte Laschet. "Aber dass im Wahlkampf solche Sätze nicht hilfreich sind, sagen inzwischen viele andere auch."

 

Die Sätze, vielmehr Sticheleien und Querschüsse, fielen nach einem zehntägigen Machtkampf um die Kanzlerkandidatur im April, bei dem sich Laschet gegen Söder durchgesetzt hatte. Laschet habe Söder immer wieder angerufen: "Markus, lass es. Markus, warum sagst Du jetzt wieder das?" Söder habe erklärt: "Nein, das ist falsch zitiert. So habe ich das gar nicht gesagt." Es seien immer andere Erklärungsversuche gewesen, berichtete Laschet den Fernsehzuschauern.

Aber warum?

Laschet breitete aus, was alle längst wissen. Wollte er Genugtuung? Die Verantwortung für die Wahlschlappe auf mehrere Schultern verteilt wissen? Sich schlichtweg auskotzen? Möglich. Doch dürfte hinter Söder-Schelte noch mehr stecken.

Ein Wink mit dem Zaunpfahl

Wenn ab Samstag das Rennen um den CDU-Vorsitz eröffnet wird, und die Aspiranten auf Laschets Nachfolge wohl aus der Deckung kommen, dürfte auch Söder seinen Senf dazu geben, wen er für den am geeignetsten Kandidaten hält. Die Parteichefs von CDU und CSU sind qua Amtes verantwortlich für den künftigen Kurs der Union, der nicht zuletzt von der Oppositionsbank zurück in Regierungsverantwortung führen soll – und Söder wird schon aus Selbstzweck daran gelegen sein, den "neuen Weg des Miteinanders", den er sich für die Schwesterparteien wünsche, mit einem Alliierten zu gehen.

Friedrich Merz dürfte nicht dazugehören. Der CDU-Wirtschaftspolitiker gilt als ein aussichtsreicher Kandidat für den CDU-Vorsitz – und beschrieb das Wahlkampfverhalten der CSU als "stillos, respektlos und streckenweise rüpelhaft", warf ihrem Vorsitzenden indirekt Sabotage vor.

Es ist also Skepsis angebracht, wenn Söder neben einem neuen Miteinander ebenso verspricht: "Die CSU wird daher keine öffentlichen Ratschläge erteilen, sondern – wenn es gewünscht ist – mithelfen, die Union zu stabilisieren." Sollte Merz ins Rennen gehen, dürfte er sich kaum daran halten. Zumal er schon in der Vergangenheit deutlich gemacht hat, was er von dem CDU-Politiker hält (Spoiler: nicht viel).

Laschets Äußerungen lassen sich daher auch wie ein Wink mit dem Zaunpfahl an die CDU-Mitglieder lesen, die bald über ihren neuen Parteivorsitzenden abstimmen werden: Wenn schon kein Konsenskandidat, dann lasst euch bei der Wahl nicht reinreden. Als eine Gedächtnisstütze dafür, dass die Basis bei dem Votum nur ihrem eigenen Gewissen zu folgen hat – nicht dem von Söder. Dass die angeblich gut gemeinten Ratschläge aus Bayern sich allzu oft als opportunistische Lippenbekenntnisse entpuppten. Das müsste der Wahlkampf doch gezeigt haben, so die subtile Botschaft. Nicht umsonst dürfte Laschet auf die Frage nach dem Verhältnis zum CSU-Chef mit dem Satz geantwortet haben: "Es war lange Zeit sehr gut und ich habe ihm wirklich viel geglaubt" – was er, im Umkehrschluss, nun nicht mehr tut.

Dass Laschet seine "konsensuelle Lösung" für den CDU-Vorsitz bekommt, mag unwahrscheinlich sein. Aber vielleicht konnte er nach seinem Auftritt bei "Maischberger" zumindest in einem Punkt für Einigkeit sorgen: Die CDU wählt ihren Vorsitzenden – und niemand anderes. 


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