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"Maischberger. Die Woche" "Ich habe gesagt: Markus, lass es!" – Armin Laschet erklärt, wie das wirklich war mit Markus Söder

Armin Laschet zu Gast bei Maischberger
Etwas wehmütig, aber sonst ganz der Alte: Armin Laschet zu Gast bei Sandra Maischberger
© Melanie Grande / WDR
Vielleicht ist er ein bisschen melancholischer geworden, aber sonst ganz der Alte: Armin Laschet im ersten TV-Interview nach dem CDU-Wahldebakel. Überzeugt, der richtige Kandidat gewesen zu sein. Schwer enttäuscht von Markus Söder.
Von Sylvie-Sophie Schindler

Also, Sie haben ihn angerufen, wütend, und gesagt, halt die Klappe, Markus? Sandra Maischberger stellt sich vor, dass es so gewesen sein könnte. Ganz so war es aber nicht. Denn: Armin Laschet mag's lieber moderat. Keine Wut, keine "Klappe" über die "Störfeuer aus München" während des Wahlkampfs. Sondern: "Ich habe gesagt, Markus, lass es, Markus, warum sagst du das." Und Markus, also der Söder Markus, habe abgewehrt, nein, das ist falsch zitiert, so habe ich das nicht gesagt. Laschet: "Es waren immer andere."

Man merkt dem CDU-Mann an, dass er von seinem CSU-Kollegen vor allem enttäuscht ist. Denn: "Ich habe ihm wirklich viel geglaubt." Söder habe lange Zeit gesagt, die CDU habe das erste Vorschlagsrecht. "Deshalb war ich erstmal überrascht, dass er überhaupt antrat, weil er ein Jahr lang das Gegenteil gesagt hatte." Das Ende einer Illusion. Kanzler sind Sie auch nicht geworden, und nun, Herr Laschet? Sind Sie mit sich im Reinen? "Ich hätte gerne gewonnen und wäre lieber Kanzler geworden und säße jetzt lieber nicht in diesem Sessel, sondern lieber in Koalitionsverhandlungen für ein Jamaika."

Das Lachen hat kein Ende

Mittwochabend. "Maischberger. Die Woche." Armin Laschet gibt nach der historischen Wahlniederlage der CDU im September sein erstes ausführliches TV-Interview. Ohne Handy. Dass er übrigens sein Handy ans Ohr halten kann, ohne es anzufassen, wie macht er das eigentlich, was ist sein Geheimnis, sein Trick? Armin Copperfield, erklären Sie! Aber der wiegelt nur ab. Er verstehe das Interesse nicht. Und dass Zeitungen diesem Thema überhaupt so viel Platz geben. Da frage er sich, "was ist nur mit dem deutschen Journalismus los?" Man müsste auch fragen, was ist eigentlich mit Sandra Maischberger los, was bringt es, Monate, nachdem sich Laschet gefühlt schon fast bei jeder und jedem in Deutschland entschuldigt hat für sein Lachen im Flutkatastrophengebiet, ihn nochmals in die Mangel zu nehmen? Wir wissen längst, dass es ihm leidtut, sehr sogar, er sagt auch dieses Mal wieder, es ärgere ihn bis heute zu Tode. Aber nun, denkt man sich, während man so zuschaut, muss auch mal gut sein.

Findet Maischberger nicht. Als wäre sie Vertreterin des Jüngsten Gerichts mahnt sie: "Man muss sich im Griff haben." Und führt ihm, dem hoffentlich reuigen Sünder, außerdem noch zig andere seiner Fehltritte vor. Fotos werden eingeblendet. Schauen Sie, Herr Laschet, Sie geben da eine Pressekonferenz im Flutgebiet, vor einem Müllhaufen. Frau Maischberger, das ist kein Müllhaufen, das sind die Trümmer einer Stadt. Und da, auf dem anderen Bild? Laschet mit regenverklebtem Haar und Gesicht. "Da wirke ich wie ein trostloser Mensch, aber Olaf Scholz, der steht nur einen Meter daneben, der wirkt im Regen auch nicht hoffnungsvoller", so Laschet. Apropos Foto. "Nehmt uns den Söder vom Schirm bitte, den Söder machen wir gleich", sagt Maischberger irgendwann und deutet zu ihrem Team, das wohl zu früh das Söder-Gesicht eingeblendet hatte.

Inhaltlich alles richtig gemacht

Später wird es eingeblendet, das Söder-Gesicht. "Er hätte einen genauso harten Wahlkampf gehabt", ist sich Laschet sicher. Er glaube nicht, dass ein anderer "der Superstar“ gewesen wäre und gewonnen hätte. Maischberger: "Glauben Sie, Sie waren der richtige Kandidat?" Laschet: "Ja." Inhaltlich habe er alles richtig gemacht. "Und ich würde es wieder so machen." Maischberger: "Sie glauben, dass Sie den Rückhalt der Partei hatten?" Laschet: "Ja." Er habe den Willen der Mehrheit der CDU repräsentiert.

SPD-Politiker Olaf Scholz

Nun Diskussion über Zahlen, Umfragen, mit denen Maischberger widerlegen will, dass Laschet Recht hat. Schließlich meint sie großzügig, sie wolle ihn in seinem Glauben lassen. Dann geht es wieder auf Fehlersuche. Maischberger: "Warum haben Sie verloren?" Laschet: "Es gibt viele Gründe, es gibt viele Fehler; der Kandidat hat Fehler gemacht, die Geschlossenheit hat gefehlt." Was die Moderatorin ignoriert: Die Fehler möglichst alle Laschet anzulasten, greift viel zu kurz. Zudem lässt sie Laschet, wenn es darauf ankommt, mit schwammigen Plattitüden davonkommen. Erhellend wäre unter anderem eine Analyse gewesen über das grundsätzliche Partei-Profil. Stichwort: "Linksrutsch" – durch 16 Jahre Merkel.

Laschet zur Ampel: "Zu banal, als dass es links wäre" 

Rückblick. Mit 24,1 Prozent fuhr die Union bei der Bundestagswahl 2021 das schlechteste Ergebnis in der Geschichte ihrer Partei ein. Die SPD lag mit 25,7 Prozent auf dem ersten Platz. Trotzdem wollte Laschet seine Niederlage lange nicht einräumen. Woran lag's? Maischberger: "Realitätsverweigerung, zu viel Adrenalin oder wer weiß, was noch alles?" Was noch alles? Was meint sie? Laschet unbeirrt: "Auch der zweite kann den Kanzler stellen." Grüne und Liberale hätten ihr Interesse signalisiert. "Ich wollte gesprächsbereit sein." Wer weiß, ob man nicht mit Jamaika mehr hätte bewegen können. Maischberger: "Jamaika ist jetzt tot." Laschet: "Ich fürchte, ja."

Maischberger: "Ist Scholz ein guter Bundeskanzler?" Laschet: "Die Bilder aus Rom sind gut für Deutschland." Maischberger zitiert Ralph Brinkhaus: "Der sagte, uns erwarte die strammste Linksagenda – müssen wir Angst vor der Ampel haben?" Laschet nannte die Bemerkung von Brinkhaus "plump": "Das teile ich nicht." Man müsse schon deshalb keine Angst haben, weil die Ampelkoalition nichts bewegen werde. Zudem: "Das Papier ist eher zu banal, als dass es links wäre."  Und: "Es könnte auch in weiten Teilen von uns mitgeschrieben sein." So banal sei es. Ob ihm klar ist, wo er da verbal mal wieder reingeschlittert ist?

Der Schmerz der verlorenen Landesvaterschaft

Und wie geht's weiter? Die CDU sucht einen neuen Vorsitzenden. Wer wird's? Maischberger hängt sich rein, um Laschet einen Namen zu entlocken. Der aber lässt sie auflaufen. Mit der Begründung, er könne nicht mal sagen, wer sich als Kandidat aufstellen ließe. Und Sie, wohin geht es mit Ihnen, Herr Laschet? Maischberger: "Sie sind jetzt ein einfacher Abgeordneter." Laschet gibt zu, dass er Wehmut habe. Der Verlust des Ministerpräsidentenamtes schmerze ihn allerdings mehr als der Verlust des Parteivorsitzes. Denn: "Das ist ein wirklich schönes Amt, weil man der Regierungschef eines großen Landes ist, aber man ist auch Repräsentant des Landes." Maischberger: "Landesvater." Laschet: "Ja, Landesvater."

Maischberger: "Sie wirken befreiter als im Wahlkampf." Laschet: "Das sagt man so, das glaube ich nicht." Doch, doch, bekräftigt Maischberger. Laschet erinnert sich an Szenen im Wahlkampf: "Menschen haben zu mir gesagt, du bist ja ganz anders." Laschet ganz anders? Wer weiß das schon. An diesem Abend, bei diesem Interview wirkte er im Grunde wie immer. Vielleicht nur ein bisschen melancholischer als sonst.

yks

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