Bauarbeiten Richtfest für das Holocaust-Mahnmal


Das seit 15 Jahren debattierte Bauwerk zum Gedenken an die während der NS-Diktatur ermordeten Juden Europas ist etwa zur Hälfte fertig. 1400 von 2751 Stelen stehen, und auch das unterirdische Museum ist im Rohbau abgeschlossen.

Halbzeit beim Bau des Holocaust-Mahnmals in Berlin: Knapp zehn Monate vor der geplanten Eröffnung des Denkmals für die ermordeten Juden Europas vollendeten am Montag die Bauarbeiter die Errichtung von 1400 der 2751 Betonstelen auf dem Mahnmalgelände. Gleichzeitig setzten sie die Richtkrone auf den unterirdischen "Ort der Information", in dem das Schicksal der Juden im Nationalsozialismus dokumentiert werden soll. Das Mahnmal nach Plänen des US-amerikanischen Architekten Peter Eisenman wird 60 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges im Mai 2005 eröffnet.

Es werde "kein nettes Denkmal" sein, sagte Bundestagspräsident Wolfgang Thierse in dem noch leeren Informationszentrum unter dem Mahnmalgelände. Die Diskussionen über das Mahnmal würden auch nach dessen Eröffnung anhalten, sagte er. Das Denkmal solle ein "Stein des Anstoßes" zum Nachdenken über deutsche Geschichte sein.

"Kein Magnet für rechtsextremistische Demonstranten"

Allerdings betonte Thierse auch, dass das Mahnmal nicht zum Magneten für rechtsextremistische Demonstranten werden dürfe. Nach der Eröffnung sollen schärfere Sicherheitsbestimmungen geprüft werden. Eine Bannmeile lehne er zunächst ab. Als "gute Nachricht" verkündete Thierse, dass der auf 28 Millionen Euro veranschlagte Bau im Kosten- und Finanzrahmen liege.

Berlin habe es sich schwer gemacht mit dem Mahnmal, räumte die Senatorin für Stadtentwicklung, Ingeborg Junge-Reyer (SPD), ein. Erst sehr spät habe sich die Stadt dazu entschlossen, der Erinnerung an den Holocaust im einstigen Machtzentrum der Nationalsozialisten einen Ort zu geben.

Die bis zu fünf Meter hohen Betonsäulen erinnern an ein graues, wogendes Getreidefeld. Die Größe der Quader nimmt zur Mitte des abschüssigen Geländes zu, so dass im Zentrum das heftigste Gefühl der Desorientierung und Ferne entstehen könne, sagte Eisenman bei einer Baubegehung. Er wolle dem Mahnmal weder "Metaphern" noch eine weitere Erzählung aufdrängen. Jeder Besucher solle bei dem Gang im Dickicht des rasterförmig angelegten Stelenfeldes den eigenen Empfindungen freien Lauf lassen. "In seiner Stille soll das Mahnmal vor allem die Deutschen von heute ansprechen", sagte Eisenman.

Bundestag entschied für Eisenman-Entwurf

Der Bundestag hatte sich im Juni 1999 nach heftiger Debatte und einer zweiten Ausschreibung mit großer Mehrheit für den Eisenman-Entwurf ausgesprochen, gleichzeitig aber die Ergänzung mit dem "Ort der Information" gefordert. In vier Räumen sollen die Stätten der Vernichtung, Einzelschicksale, die Namen der Opfer sowie die europäischen Gedenkstätten dargestellt werden.

Esteban Engel/DPA DPA

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