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Bayerische Landtagswahl: Die Freien Wähler sahnen ab

Nach den ersten Hochrechnungen ziehen die Freien Wähler erstmals in den bayerischen Landtag ein - mit satten zehn Prozent. Sie profitierten am stärksten von den CSU-Verlusten. Wer steckt hinter dieser Gruppierung - und was will sie?

And the winner is: Hubert Aiwanger, 37. Der Landwirt ist der Spitzenkandidat der Freien Wähler, die nach den ersten Hochrechnungen drittstärkste Kraft im bayerischen Landesparlament sind. Bislang waren die Freien Wähler nur auf kommunaler Ebene vertreten, dort hatten sie bei den jüngsten Kommunalwahlen 19 Prozent erzielt, was die CSU bereits auf die Palme gebracht hatte. Im Wahlkampf für die Landtagswahlen fuhr Aiwanger scharfe Angriffe auf die Christsozialen: "Wir dreschen auf die CSU ein, um sie unter 50 Prozent zu prügeln, damit endlich wieder Demokratie möglich ist." Das scheint gelungen zu sein.

Prominentestes Mitglied der Freien Wähler ist die CSU-Rebellin Gabriele Pauli, die dort eine neue Heimat gefunden hat. Sie hat im Wahlkampf mühelose große Bierzelte gefüllt. Trotz aller Distanz zur CSU ließ Pauli erkennen, dass sie sich auch eine Koalition mit der CSU vorstellen kann. Diese zwiespältige Haltung zu den Christsozialen ist charakteristisch für die Freien Wähler. In manchen Orten traten Freie und CSU-Kandidaten bei den Kommunalwahlen auf gemeinsamen Listen an.

Die Freien Wähler gelten als konservativ, als bürgerliche Opposition zur CSU. Sie konzentrien sich auf kommunale Belange: Vereine, Kindergärten, Straßenbau. Im Landtagswahlkampf lehnen die Freien Wähler den Gesundheitsfonds ebenso ab wie Gentechnik in der Landwirtschaft. Die Freien Wähler gerierten sich bislang als Nicht-Partei, also als Zusammenschluss lokaler Initiativen. Diesen Status hat sie mit diesem Ergebnis verloren - und muss sich nun endgültig entscheiden, ob sie mit oder gegen die CSU marschieren will. In einer ersten Reaktion auf die Wahlprognosen ließ sich Aiwanger alle Optionen offen. "Es ist sicher so, dass heute eine neue Ära begonnen hat", sagte er. Und: "Wir werden mit jedem reden."

dpa/lk / DPA