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Bayerischer Landtag: Stimmen zur Wahl: Söder will "Lehren ziehen", Kühnert kritisiert "Binsen" und "Nabelschau"

Bayern hat gewählt und die CSU büßt ihre absolute Mehrheit ein. Die Partei muss sich nach einem Koalitionspartner umsehen. Großer Verlierer ist die SPD. Das sagen Landes- und Bundespolitiker zum Ergebnis.

Bayernwahl: Nahles gibt "schlechter Perfomance der Koalition in Berlin" Mitschuld an SPD-Pleite

Hier können Sie alle wichtigen Stimmen zum Ergebnis der Bayern-Wahl nachlesen:

Die CSU hat nach Ansicht von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder bei der Landtagswahl als stärkste Partei einen "klaren Regierungsauftrag" erhalten. Nötig sei es nun, eine stabile Regierung zu bilden - "diesen Auftrag nehmen wir an", sagte Söder am Sonntagabend in München. Dennoch sei es kein einfacher Tag für seine Partei, denn die CSU habe "kein gutes Ergebnis" erzielt. "Wir nehmen es an mit Demut und werden daraus Lehren ziehen müssen." Auf den letzten Metern vor der Wahl habe seine Partei mit großem Engagement gekämpft.

Nach den ersten Prognosen zur Bayern-Wahl hat der Generalsekretär der CSU, Markus Blume, von einem "bitteren Tag" für seine Partei gesprochen. Die Christsozialen hätten aber den klaren Regierungsauftrag, sagte Blume. Über die Gründe für die schweren Verluste der CSU wolle er noch nicht spekulieren. Die bislang allein regierende CSU verliert den Prognosen zufolge die absolute Mehrheit. Sie fährt demnach mit 35,5 Prozent das schlechteste Ergebnis seit 1950 ein. 

SPD-Chefin Natascha Kohnen nach der Wahlniederlage

 SPD-Chefin Natascha Kohnen nach der Wahlniederlage

DPA

Die bayerische SPD-Chefin Natascha Kohnen ist nach der Wahlniederlage ihrer Partei dazu bereit, "über alles" zu reden. Offenbar in Anspielung auf mögliche personelle Konsequenzen aus dem Wahldebakel sagte sie am Sonntagabend in München, sie meine damit "auch über alles". Kohnen will das Ergebnis jedoch zunächst in der SPD analysieren. 

SPD-Chefin Andrea Nahles hat nach dem Wahldebakel ihrer Partei in Bayern eine gründliche Analyse der Wahlergebnisses angekündigt. "Die Gründe für das schlechte Abschneiden der SPD werden und müssen wir sorgfältig analysieren, auf allen Ebenen", sagte Nahles am Sonntagabend in Berlin. Einer der Gründe sei "sicherlich auch die schlechte Performance der großen Koalition in Berlin."

Juso-Chef Kevin Kühnert twitterte eine scharfe Kritik an die Vertreter aller Parteien. Die "Nachwahlkommentierung" sei "sinnbildlich dafür, wie sehr unsere politischen Rituale aus der Zeit gefallen sind". Die Aussagen bestünden aus "Ablenkungen, Binsen, Nabelschau, Botschaften nach innen". Dies sei "heute besonders schlimm".

SPD-Generalsekretär: "Bittere Niederlage"

SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil hat das schwache Ergebnis bei der Landtagswahl in Bayern "als bittere Niederlage für die bayerische SPD" gewertet. Das Resultat sei aber auch ein "klares Signal aus Bayern nach Berlin", sagte Klingbeil am Sonntagabend. Die große Koalition habe mit dem ständigen Streit"keine gute Regierungs-Performance" abgeliefert. Er hoffe, dass jeder in Berlin dieses Signal aus Bayern verstehe. Klingbeil gratulierte den Grünen, die "eindeutiger Wahlsieger" seien. Die Grünen hätten es geschafft, sich als Alternative zur CSU zu profilieren. Die SPD müsse daraus den Schluss ziehen, "erkennbarer und mutiger" zu werden. Die Bayern-SPD kommt laut Prognosen auf 9,5 bis 10 Prozent und ist damit im Land nur noch fünftstärkste Kraft.

AfD-Chef Alexander Gauland hat sich zufrieden mit dem Wahlergebnis seiner Partei in Bayern gezeigt. Mit den Freien Wählern gebe es aber in Bayern eine starke konservative Konkurrenz, machte Gauland am Sonntagabend mit Blick auf die ARD-Prognose deutlich. Er machte zugleich den Anspruch seiner Partei deutlich, mittel- bis langfristig zu regieren. Dazu müsse man aber noch zulegen. Auch der bayerische AfD-Vorsitzende Martin Sichert zeigte sich zufrieden. "Die Prognose ist eine gute Basis; mal schauen, was noch kommt. Sie ist eine gute Basis für die Arbeit im Parlament", sagte Sichert in München. Bei Landtagswahlen habe seine Partei immer etwas schlechter abgeschnitten als bei der Bundestagswahl. 

Die AfD-Fraktionschefin im Bundestag, Alice Weidel, sieht im Ausgang der Landtagswahl in Bayern ein Debakel für die CSU. Ministerpräsident Markus Söder und CSU-Chef Horst Seehofer müssten sich fragen, was sie falsch gemacht hätten. "Wählertäuschung noch und nöcher, das zahlt sich nicht aus", sagte Weidel am Sonntagabend mit Blick auf die erste ARD-Hochrechnung zur Bayernwahl. Wer in Bayern AfD gewählt habe, sage auch: "Merkel muss weg." Rund 33 Prozent für die CSU und für die SPD rund zehn Prozent, das sei keine große Koalition im Berlin mehr. "Das ist eine Mini-Koalition." Daher sollten die Koalitionsparteien im Bund den Weg frei machen für Neuwahlen.

Der Spitzenkandidat der Freien Wähler, Hubert Aiwanger, hat die CSU zu Koalitionsverhandlungen mit seiner Partei aufgerufen. "Ich würde den Herrn Blume doch bitten, jetzt langsam zu einer Entscheidung zu kommen", sagte Aiwanger nach Bekanntgabe der ersten Prognosen am Sonntagabend zum CSU-Generalsekretär Markus Blume. "Die sollen sich bei uns melden." Die Freien Wähler landeten nach ersten Prognosen bei 11,5 Prozent. 

Grünen-Chefin Annalena Baerbock hat den Wahlerfolg ihrer Partei bei der bayerischen Landtagswahl als deutschlandweites Signal bezeichnet. "Heute in diesen Stunden hat Bayern Haltung, Menschenrechte und Menschlichkeit gewählt, und das ist ein gutes Signal für ganz Deutschland", sagte die Parteivorsitzende am Sonntag in Berlin. Mit Blick auf die CSU, die ihre absolute Mehrheit verlor, sagte sie: "Wer den Rechten hinterherläuft, der verliert." Die Wahl habe gezeigt, dass man mit "politischen Antworten" gewinnen könne. Ersten Hochrechnungen zufolge haben die Grünen mit mehr als 18 Prozent den zweiten Platz in Bayern erreicht.

Im Video: "Erste Prognosen lassen Volksparteien alt aussehen – Grünen werden zweitstärkste Kraft"

Bayernwahl: Erste Wahlprognose lassen Volksparteien alt aussehen – Grünen werden zweitstärkste Kraft
sos/fin / DPA / AFP