Berlin vertraulich! Ärger mit der Weinkönigin


Worüber redet das politische Berlin, wenn die Kameras aus sind? stern-Autor Hans Peter Schütz weiß es - und schreibt darüber wöchtenlich auf stern.de. Diesmal geht es um Schröders Memoiren, den "Cuvée Bundestag" und andere Leckereien.

In den Bestsellerlisten kommt Gerhard Schröder mit seinen Memoiren bislang nicht an Hape Kerkeling ("Ich bin dann mal weg") vorbei und muss damit noch mit Platz zwei vorlieb nehmen. Aber das dürfte sich bald ändern. Denn der Chef der Berliner Parlamentsbuchhandlung, Benedikt Madersbacher, leistet dem Altkanzler massive Verkaufshilfe: Er bringt jedes gekaufte Exemplar hinüber ins nahe gelegene Büro des Altkanzler, der es dann dort signiert. Merke: Mit solchen Handlangerdiensten können auch eher langweilige politische Memoiren Bestseller werden. Eines immerhin hat Schröder inzwischen geschafft: In der Parlamentsbuchhandlung ist er der meistverkaufte Autor und hat damit den Politologen Gerd Langguth abgelöst, dessen Merkel-Biografie sich lange am besten verkauft hat - unsigniert sogar.

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Allerdings macht Madersbacher zur Zeit der Schröder-Ausgabe mit einer eigenen, sehr speziellen Edition Konkurrenz: Er verkauft geistige Nahrung, in Form einer "Cuvée Bundestag", bestehend aus einer Flasche Cremant, zwei Sektkelchen mit Gravur Cuveé Bundestag und Stoffserviette mit Reichstagslogo in Gold, das ganze in einer Art Reichstagskuppel präsentgerecht verpackt, wie es Christo nicht hätte besser machen können. "Die Abgeordneten kaufen wie wild", strahlt Madersbacher. Ärger bekam er aber dennoch. Sein Cremant kommt nämlich aus dem Elsaß, ist sogar preisgekrönt. Das hat die CDU-Abgeordnete Julia Klöckner, studierte Theologin, nicht an einem bitterbösen Brief gehindert. Inhalt: Es sei unerhört, dass die Parlamentsbuchhandlung ausländischen Cremant statt deutschen Sekt verkaufe. Madersbacher beugte sich dem Protest und bietet sein Präsent jetzt auch mit deutschem Sekt an. Aus gutem Grund: Julia ist die im Bundestaghandbuch eindeutig schönste Abgeordnete und war früher in Bad Kreuznach auch mal Weinkönigin.

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Nur noch selten ist Bundeswirtschaftsminister Michel Glos jetzt noch Ziel polemischer Attacken der Sozialdemokraten. Weil er im Amt nicht länger den Eindruck macht, als sei es ihm ein paar Hemdnummern zu groß? Mitnichten, wie uns SPD-Generalsekretär Hubertus Heil jetzt endlich aufklärt. "Es macht einfach keinen Spaß, länger auf Glos einzuprügeln. Das ist, wie wenn man in der vierten Klasse den Dicken mit der Brille verprügelt."

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Quasi im Alleingang hat Bundesarbeitsminister Franz Müntefering (SPD) das Rentenalter 67 durchgesetzt. Seither wird er nicht müde, die Vorteile einer längeren Lebensarbeitszeit zu bejubeln. Gerne führt der Vize-Kanzler sich selbst als Beispiel an, wenn Kritiker ihm vorwerfen, sein Rentenalter 67 sei graue Theorie, weil ohnehin nur die wenigsten Arbeitnehmer 45 Beitragsjahre erreichten und damit die maximale Rente. Er werde im Januar selbst 67, sagt der Minister, und habe dann 52 Beitragsjahre vorzuweisen, weil er schon mit 15 eine Lehre als Industriekaufmann begonnen habe. Was "Münte" nicht erwähnt: Auf die Rente von Otto Normalbürger ist er gar nicht angewiesen. Nach rund 30 Jahren als Abgeordneter und Minister geniest er das Privileg der großzügigen politischen Pension und die beträgt in seinem Fall nach Berechnung des Bundes der Steuerzahler rund 7000 Euro. Auf den Betrag käme ein Normalo nur, wenn er erst weit nach dem 200. Geburtstag in Rente ginge.

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An Eides Statt versichert Ex-Bundesinnenminister Otto Schily, er habe im Berliner Polit-Bistro "weder wörtlich noch sinngemäß" zu einem Gast gesagt: "Sie sitzen an meinem Tisch!" Dies wiederum bestreitet, ebenfalls in einer eidesstattlichen Versicherung, der CDU-Bundestagsabgeordnete Philipp Missfelder. Genau so sei es gewesen, sagt er. Man darf gespannt sein, wer am Ende Recht bekommt.


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