Buback-Attentat Der Deutsche Herbst begann im Frühling

Vor genau 30 Jahren, es war Gründonnerstag, begann der Deutsche Herbst mit dem Anschlag auf den damaligen Generalbundesanwalt Siegfried Buback. Bis heute hoffen die Angehörigen darauf, dass die Tat irgendwann aufgeklärt wird.

Die Terroristen kamen auf einer 750er Suzuki angefahren: Mitten in Karlsruhe halten sie am Gründonnerstag 1977 neben dem blauen Mercedes von Generalbundesanwalt Siegfried Buback. Einer der beiden Männer zieht ein Gewehr und feuert aus nächster Nähe 15 Schüsse in den Wagen. Buback hat keine Chance. Der 57-Jährige stirbt wie sein Fahrer Wolfgang Göbel noch am Tatort. Der Justizbeamte Georg Wurster, der auf der Rückbank sitzt, erliegt eine Woche später seinen Verletzungen im Krankenhaus.

Der Dreifachmord vom 7. April 1977 ist der Auftakt einer beispiellosen Anschlagsserie der Roten-Armee-Fraktion, die später der Deutsche Herbst genannt wird. Die Terroristen erreichen zunächst ihr Ziel: Die Schockwelle, die die Bundesrepublik nach dem Mord erfasst, ist vergleichbar mit den Reaktionen nach dem 11. September 2001. Doch nach Ansicht vieler Experten ist das Jahr 1977 auch der Anfang vom Ende der RAF. Denn mit ihrer gnadenlosen Gewalt gegen viele Unbeteiligte verschreckt die Organisation auch letzte Sympathisanten.

Zunächst geht es der RAF um Rache: Buback ist nicht nur ein herausragender Repräsentant der Bundesrepublik und damit ein Hauptfeind. Der eigentlich lebensfrohe Jurist wird von der RAF auch gehasst, weil er ein erfolgreicher Ermittler ist, der unermüdlich vor den Gefahren des Terrorismus warnt. "Mein Vater war damals sehr ernst. Vielleicht ahnte er die drohende Gefahr", erinnert sich sein Sohn Michael. Das Ziel der zweiten RAF-Generation ist auch, die inhaftierten Gesinnungsgenossen freizupressen.

Dazu soll Dresdner-Bank-Chef Jürgen Ponto entführt werden. Doch die Aktion misslingt. Ponto wird am 30. Juli in seiner Villa in Oberursel bei Frankfurt erschossen. Für die Tat werden später unter anderen die Terroristen Brigitte Mohnhaupt und Christian Klar verurteilt, der allein insgesamt neun Menschen erschießt und dafür anders als Mohnhaupt bis heute in Haft sitzt.

Die Ermittlungen zum Anschlag auf Buback und seine Begleiter ergeben, dass die Mörder des 57-Jährigen nach der Tat von einem dritten Komplizen erwartet wurden und in einem Alfa Romeo flüchteten. Die drei Männer in dem Auto sind die RAF-Terroristen Christian Klar, Knut Folkerts und Günter Sonnenberg. Sonnenberg geht der Polizei am 3. Mai 1977 in Singen ins Netz und wird dabei schwer verletzt, Folkerts erschießt am 22. September in Utrecht einen Polizisten und wird verhaftet. Klars Flucht endet fünf Jahre später im Sachsenwald bei Hamburg.

Der frühere Hardliner könnte nach der Verbüßung der Mindesthaftzeit im Jahr 2009 freikommen und hat außerdem ein Gnadengesuch beim Bundespräsidenten eingereicht. Wer der drei Terroristen in Karlsruhe die Schüsse abfeuerte, wird nie geklärt. Angehörige wie Bubacks Sohn Michael hoffen noch heute auf Gewissheit, um die Erlebnisse von damals besser verarbeiten zu können. Klar, der in der Haftanstalt Bruchsal einsitzt, hat dazu nie etwas beigetragen. "Es ist schon belastend, dass wir es hinnehmen müssen, dass ein Täter, der - wie es am 7. April 1977 in Karlsruhe geschehen ist - drei Menschen erschossen hat, diese Tat nicht zugeben muss und er dennoch nach einer Mindestverbüßungsdauer oder eventuell sogar noch früher aus der Haft entlassen wird", sagt Buback.

Thomas Seythal/AP AP

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