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ZDF-Sommerinterview: Bundespräsident Steinmeier kritisiert Festnahme von "Sea Watch"-Kapitänin

Bundespräsident Steinmeier hat die italienischen Behörden wegen der Festnahme der deutschen "Sea Watch"-Kapitänin Carola Rackete kritisiert. Er forderte eine europäische Antwort auf das Sterben im Mittelmeer.

Italien: Flüchtlingsschiff legt in Lampedusa an - Kapitänin Rackete verhaftet

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat die Festnahme der deutschen "Sea-Watch-3"-Kapitänin Carola Rackete in Italien kritisiert. Auch wenn es Rechtsvorschriften zum Anlaufen eines Schiffes im Hafen gebe, dürfe von einem Land wie Italien erwartet werden, "dass man mit einem solchen Fall anders umgeht", sagte Steinmeier am Sonntag im ZDF-Sommerinterview.    

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier: "Wer Menschenleben rettet, kann nicht Verbrecher sein"

Steinmeier zitierte in dem Interview den Spendenaufruf der beiden Fernsehmoderatoren Jan Böhmermann und Klaas Heufer-Umlauf. Beide sammeln seit Samstag Geld für die Prozesskosten, die auf Kapitänin Rackete zukommen dürften. "Wer Menschenleben rettet, kann nicht Verbrecher sein", sagte Steinmeier. Unabhängig von dem konkreten Einzelfall werde die Flucht von Menschen aus Afrika über das Mittelmeer weitergehen, sollte sich die Situation etwa in Nordafrika nicht beruhigen.     

Steinmeier forderte eine europäische Antwort auf das Sterben im Mittelmeer: "Da muss mehr geschehen, da muss Europa eine kräftigere Rolle spielen."    

"Sea Watch"-Kapitänin Rackete in Italien verhaftet

Die deutsche Kapitänin Rackete war in der Nacht zum Samstag festgenommen worden, nachdem sie ihr Schiff mit 40 Migranten an Bord trotz des Verbots der italienischen Behörden in den Hafen der Mittelmeerinsel Lampedusa gesteuert hatte. Weil sie dabei fast mit einem Schnellboot der Polizei zusammenstieß, wird ihr unter anderem Widerstand gegen ein Kriegsschiff vorgeworfen.    

Auch die Vorwürfe der Beihilfe zur illegalen Einwanderung sowie der Verletzung italienischer Hoheitsgewässer stehen im Raum. Anfang der Woche soll Rackete einem Richter vorgeführt werden. Ihr drohen laut italienischen Medienberichten bis zu zehn Jahre Gefängnis.

fs / AFP / DPA