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Rede zur Lage der Nation Bundespräsident Steinmeier: "Es kommen härtere, raue Jahre auf uns zu"

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STORY: (Hinweis: Dieser Beitrag ist ohne Sprechertext.) O-Ton Frank-Walter Steinmeier, Bundespräsident: "Jede und jeder von Ihnen erinnert sich an diesen 24. Februar, auch ich. Sirenengeheul, der dunkle Rauch über Kiew, die schrecklichen Bilder dieses Morgens, sie gingen und gehen mir unter die Haut. Und sie markierten das endgültige, bittere Scheitern jahrelanger politischer Bemühungen, auch meiner, genau diesen schrecklichen Moment zu verhindern. Der 24. Februar war ein Epochenbruch. Er hat auch uns in Deutschland in eine andere Zeit, in eine überwunden geglaubte Unsicherheit gestürzt, eine Zeit, gezeichnet von Krieg, Gewalt und Flucht, von Sorge vor der Ausbreitung des Krieges zum Flächenbrand in Europa." // "In seiner imperialen Besessenheit hat der russische Präsident das Völkerrecht gebrochen, Grenzen infrage gestellt, Landraub begann." // "Russlands Angriffskrieg hat Gorbatschows Traum vom gemeinsamen Haus Europa zertrümmert. Es ist ein Angriff auf das Recht, auf die Prinzipien von Gewaltverzicht und unverletzlicher Grenzen. Er ist im Grunde ein Angriff auf alles, wofür auch wir Deutsche stehen, meine Damen und Herren. Wer also schulterzuckend fragt, was geht denn dieser Krieg uns hier in Deutschland an, der redet, wie ich finde, unverantwortlich, aber vor allem geschichtsvergessen. Mit dieser Haltung können wir als Deutsche in Europa nicht bestehen. Diese Haltung ist falsch. " // "Aber ebenso wichtig ist mir, unser Land ist nicht im Krieg. Wir wollen auch nicht, dass sich das ändert. Eine Ausweitung des Krieges, gar eine nukleare Eskalation, die muss verhindert werden. Und ich weiß, viele Menschen in unserem Land sehnen sich nach Frieden. Einige glauben, es fehle an ernsthaften Bemühungen unsererseits, ja gar an Bereitschaft zum Verhandeln. Ich kann Ihnen versichern, niemandem, niemandem, der bei Sinnen ist, fehlt der Wille. Aber die Wahrheit ist, im Angesicht des Bösen reicht eben guter Wille nicht aus." // "Meine Damen und Herren, was bedeutet das für uns in Deutschland? Meine Antwort ist: Es kommen härtere Jahre, raue Jahre auf uns zu. Die Friedensdividende ist aufgezehrt, und es beginnt für Deutschland eine Epoche im Gegenwind." // "Wir müssen in den nächsten Jahren Einschränkungen hinnehmen. Das spüren die meisten längst. Jeder muss beitragen, wo er kann. Und diese Krise verlangt, dass wir wieder lernen, uns zu bescheiden. Das mag nun wie Hohn klingen in den Ohren derer, die schon heute nicht über die Runden kommen. Und ich weiß, dass auch in unserem reichen Land viele nicht verzichten können, weil ihr gesamter Alltag bereits aus Verzicht besteht. Kein Staat, auch das gehört zur Wahrheit, kein Staat in Europa kann so viel für seine Bürger tun wie unser Land. Aber auch unser Staat wird nicht jede Belastung auffangen können, und er muss es nicht. Denn die Krise trifft auch die vielen, denen es zum Glück gut geht, die stark sind, die in den Jahren des Rückenwinds auch zu Wohlstand und Sicherheit gekommen sind. Sie können sich einschränken, ohne dass existenzielle Not entsteht. Und es gibt auch Bereitschaft dazu, wie mir manche sogar schreiben. Vertrauen wir auf diese starke Mitte unserer Gesellschaft. Und schließlich trifft diese Krise auch auf viele wohlhabende, reiche Menschen in unserem Land, Menschen, die viel haben und mehr tragen können. Sie müssen jetzt helfen, um die immensen Kosten der notwendigen Entlastungen überhaupt stemmen zu können. Sie müssen jetzt beitragen, um neue Ungerechtigkeiten zu vermeiden." // "Vertrauen wir einander, und vertrauen wir uns selbst. Und lassen wir uns nicht entmutigen vom Gegenwind, der uns in dieser neuen Zeit entgegenweht. Es kommt nicht darauf an, dass alle dasselbe tun, aber dass wir eines gemeinsam im Sinn haben: alles zu stärken, was uns verbindet. Das ist die Aufgabe. Tun wir es, vielen Dank."
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