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Studieren in der Pandemie Bundespräsident Steinmeier: "Die Verkachelung der Universitäten darf nicht zur Normalität werden"

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.
© Maurizio Gambarini / DPA
Am Montag begann das dritte digitale Semester. In einer Rede ging Frank-Walter Steinmeier auf die Nöte der Studierenden ein und forderte von der Gesellschaft mehr Solidarität für junge Menschen. Von Studierendenvertretern gibt es Kritik.

Zum Beginn des neuen Sommersemesters hat sich Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier an die Studierenden gewandt. In seiner Rede in der Staatsbibliothek in Berlin sprach er über die Herausforderungen, mit denen Hochschulen und Studierende konfrontiert werden und räumte gleichzeitig ein, dass die Universitäten im vergangenen Jahr aus dem Blickwinkel geraten sind. "Wir sind davon ausgegangen, dass das schon klappen wird in dieser schwierigen Zeit, auch an den Universitäten", sagte Steinmeier.

Zwar sei es gelungen, den Lehrbetrieb aufrecht zu erhalten und ehemals analoge Veranstaltung komplett digital stattfinden zu lassen. Trotzdem habe es "an vielen Stellen gehakt und geklemmt", die Universitäten seien längst nicht für das digitale Zeitalter gerüstet. "Ja, auch an den Hochschulen hat die Corona-Krise unserem Land den Spiegel vorgehalten: unzureichende technische Ausrüstung, zu viele starre Regeln, zu wenig Flexibilität", kritisierte der Bundespräsident. Nicht nur die Ausbildung leide unter der Pandemie.

Steinmeier fordert mehr Solidarität für junge Menschen

In seiner Rede ging Steinmeier auch auf die Nöte der Studierenden ein. Viele säßen auf ihrer "Karrieretreppe" fest und fühlen sich in ihrer Lebensplanung ausgebremst. In der Hoffnung, die Pandemie schnell hinter sich zu lassen, habe die Gesellschaft übersehen, was das für die jungen Leute bedeute. Studierenden in finanziellen Notlagen müsse unbürokratischer und schneller geholfen werden, forderte der Bundespräsident.

Deutlich lobte Steinmeier zudem das Engagement und die Solidarität, die die Studierenden während der Pandemie gezeigt hätten. Das sei in der Gesellschaft zu wenig wahrgenommen worden. Bildung müsse auch in diesen Zeiten ganz oben auf der Tagesordnung stehen, denn die Gesellschaft sei besonders nach der Pandemie auf junge Menschen angewiesen.

Wie die Welt nach der Pandemie aussieht, könne auch er nicht sagen, aber irgendwann werde es wieder Präsenzveranstaltungen an den Hochschulen geben. "Die Digitalisierung macht die Universität als öffentlichen Raum niemals obsolet", so Steinmeier. Die "Verkachelung der Universitäten", dürfe nicht zur Normalität werden.

"Mehr Härte gegenüber der Politik"

Paul Klär, Vorstand des freien zusammenschluss von student*innenschaften (fzs), hätte sich mehr Ehrlichkeit und Härte gegenüber der Bundesregierung erwartet. "Natürlich ist es nett, von der Gesellschaft mehr Solidarität für die Studierenden zu fordern, aber davon haben sie jetzt nichts", sagt er. Für viele Studierende sei insbesondere die finanzielle Situation dramatisch. Außerdem gehöre Steinmeier zu jener Politik, die die Studierenden gerade hängen lasse. In Öffnungs- und Lockerungsdebatten tauchen die Universitäten nie auf. Es sei zwar richtig, die Hochschulen geschlossen zu halten, "aber die Politik könnte auch anderweitig unterstützen".

Zudem habe es sich in der Rede so angehört, als sei das digitale Zeitalter erst im letzten Frühjahr angebrochen und die Lösung der Digitalisierungsprobleme Aufgabe der Universitäten. "Dabei ist es die Aufgabe der Politik, die finanziellen Mittel bereitzustellen."

cl

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