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Militär: Deutschlands Desaster-Armee: Bundeswehr ist "nicht einsetzbar"

Der Wehrbeauftragte des Bundestages spricht Klartext: Die Bundeswehr hält er derzeitig für "nicht einsetzbar". Trotz steigendes Etats sei die Truppe eher schlechter geworden. Dabei seien die Defizite sehr wohl bekannt.

Soldaten bereiten sich vor

Soldaten der Bundeswehr laufen in Grafenwöhr (Bayern) zur Heckklappe eines Schützenpanzers des Typs Marder. Das Panzergrenadierbataillon 122 aus Oberviechtach bereitete sich im vergangenen Sommer auf ihren Einsatz in Litauen vor. 

Waffen, die nicht funktionieren, Flugzeuge, die nicht fliegen, Schiffe ohne Ersatzteile: Deutschlands Bundeswehr ist in einem desolaten Zustand. Das bestätigt nun auch der Wehrbeauftragte des Bundesregierung, Hans-Peter Bartels, dem "Focus". Er hält die Truppe als Ganzes für "nicht einsetzbar". Bei den bisherigen Auslandseinsätzen mit kleinem Kontingent wären die Schwachstellen weniger aufgefallen, aber die Bundeswehr sei "im Rahmen der kollektiven Verteidigung derzeit nicht einsetzbar".

Überraschen sollte diese Aussage nicht. Seit Jahren sickern immer wieder Desaster-Meldungen durch. So sorgte das Sturmgewehr G36 für Spott, da es bei gewissen Außentemperaturen oder intensiven Gebrauch einfach nicht mehr funktioniert. Dann kam heraus, dass die Hälfte des Leopard-2-Panzers nicht einsatzbereit ist. Laut dem Einsatzbereit 2017 sind es knapp 80 Prozent. Auch Hubschrauber heben kaum ab. Vom NH 90 sind nicht einmal ein Drittel flugfähig, beim KHS Tiger ist es weniger als die Hälfte. Und auch nur 50 Prozent der U-Boote ist einsatzbereit. "Die harte Währung, in der der Erfolg der Ministerin gemessen wird, ist die Einsatzbereitschaft der Bundeswehr. Und die ist in den letzten vier Jahren nicht wirklich besser, sondern eher schlechter geworden", sagte Bartels zum "Focus".

Bundeswehr: Transparenz und Missstand

Dabei wird investiert. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hatte erst kürzlich bei einem Truppenbesuch in Jordanien angekündigt, dass die Rüstungsförderung fortgesetzt werde. In diesem Jahr will die Bundesregierung dafür wieder 130 Millionen Euro investieren.

Immerhin: In den vergangenen vier Jahren habe die Verteidigungsministerin viel für Transparenz bei der Bundeswehr getan. Allerdings haben die jährlichen Berichte zur materiellen Einsatzbereitschaft der Waffensysteme, die seit 2014 veröffentlicht werden, auch gezeigt, wie marode die Truppe aufgestellt ist. "Wir wissen heute sehr gut über die Defizite der Truppe Bescheid", sagte Bartels. Die Probleme seien bekannt. Sie müssten allerdings schnell behoben werden.

Britische Panzer Schießübungen Truppenübungsplatz Lüneburger Heide
kg