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Bundeswehr: Grausame Spiele in der Grundausbildung

Mit Kabelbinder gefesselt, über die Köpfe Stiefelbeutel gestülpt, mit Stromstößen gequält - Angehörige der Bundeswehr sollen Soldaten in der Ausbildung misshandelt haben. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft Münster.

Die Staatsanwaltschaft Münster ermittelt gegen 18 Bundeswehrsoldaten einer in Coesfeld stationierten Kompanie wegen "Misshandlung" und der "entwürdigenden Behandlung von Untergebenen". Laut Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" sollen die Ausbilder zwischen Juni und September dieses Jahres vier Mal mit Rekruten zum Abschluss der Grundausbildung ein grausames Spiel gespielt haben - eine so genannte Geiselbefragung. Ein Sprecher des Heeresführungskommandos in Koblenz bestätigte am Samstag den Bericht.

"So etwas darf es in der Bundeswehr nicht geben"

Die Hauptmann und die 17 Unteroffiziere seien umgehend suspendiert worden und dürften keine Uniformen mehr tragen, sagte der Sprecher der dpa. Die Vorfälle seien bereits am 11. November bekannt gemacht worden. "Wir haben sofort gehandelt, weil es so etwas in der Bundeswehr nicht geben darf." Die Soldaten selbst hätten sich nicht beschwert, vielmehr habe ein Vorgesetzter davon erfahren und die Vorfälle angezeigt. Parallel zu den Ermittlungen gebe es ein Disziplinarverfahren bei der Bundeswehr gegen die Beschuldigten.

Den Beschuldigten werde vorgeworfen, während Nachtmärschen ihnen unterstellte Soldaten überfallen und gegen ihren Willen in Geiselhaft genommen zu haben, teilte das Heereskommando mit. Die Ausbilder sollen Anfang Juni und Ende August die zwei Überfälle verübt haben. Mit den Überfällen und der anschließenden Vernehmung habe angeblich das Verhalten im Fall von Geiselhaft trainiert werden sollen. Die fingierte Geiselhaft sei jedoch im Ausbildungsplan nicht vorgesehen und somit vorschriftswidrig. Details des "Spiegel-Berichts" bestätigte der Bundeswehrsprecher nicht.

Überfallen, verschleppt und gequält

Die jungen Soldaten wurden laut "Spiegel" in einen Hinterhalt gelockt, überfallen, mit Kabelbinder gefesselt und auf einem Lastwagen - über die Köpfe graue Stiefelbeutel gestülpt - in die Kaserne gekarrt. Dort hätten sie kniend vor einer Wand verharren müssen und seien mit Wasser bespritzt worden. Zwei Soldaten sollen mit Stromstößen "im Hals-, Leisten- und Bauchbereich" gequält worden sein. Die Ermittler haben auch Hinweise darauf, dass die Exzesse gefilmt und fotografiert wurden. Computer und andere Datenträger wurden beschlagnahmt, die Auswertung läuft. Das Wehrstrafgesetz sieht für die Delikte Haftstrafen bis zu fünf Jahren vor.

DPA / DPA