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Castortransport Atommüll ist Richtung Gorleben gestartet

Es ist die letzte Etappe: Nachdem die Polizei sämtliche Blockaden geräumt hat, hat der Castortransport mit 123 Tonnen hochradioaktivem Atomabfall Dannenberg in Richtung Gorleben verlassen.

Der Castor-Transport hat am Dienstagmorgen die Umladestation in Dannenberg verlassen. Die Lkw mit dem hochradioaktiven Müll aus Frankreich rollten in Richtung Zwischenlager Gorleben, bestätigte eine Polizeisprecherin in Dannenberg.

Kurz zuvor hatte die Polizei nach fast zwei Tagen die Blockade von mehreren tausend Atomkraftgegnern vor dem Zwischenlager Gorleben geräumt. Auf der Zufahrtsstraße hatten zeitweise bis zu 4000 Menschen fast 45 Stunden auf Strohsäcken und Isomatten ausgeharrt. Aktivisten der Umweltorganisation Robin Wood, die sich an Seilen über die Zufahrtsstraße gehängt hatten, wurden nach dreieinhalb Stunden ebenfalls von der Polizei heruntergeholt.

Auch eine Greenpeace-Blockade vor dem Verladebahnhof Dannenberg durch einen als Bierlaster getarnten Lkw hatten Spezialkräfte beendet. Nach elf Stunden wurden zwei einbetonierte Aktivisten aus dem Laster geholt. Die Polizei hatte den Mann und die Frau mithilfe von Presslufthämmern und Trennschleifern aus dem Beton gelöst. Sie waren in einer Metall-Beton-Konstruktion so befestigt gewesen, dass die Beamten den Lkw nicht fortbewegen konnten, ohne sie zu verletzen.

"Das ist super, wie ihr das macht"

Die Räumung der Zufahrt nach Gorleben hatte die Polizei gegen 3.30 Uhr mit frischen Einsatzkräften gestartet. Zu Beginn verließen einige Demonstranten freiwillig die Blockade, der Großteil blieb aber. Die Weggetragenen wurden hinter eine Absperrung gebracht. Zwischenfälle gab es dabei nicht. Beide Seiten betonten in der Nacht, die Atmosphäre sei friedlich. Über Lautsprecher wurden die Polizisten von den Protestorganisatoren für den Umgang mit dem Demonstranten gelobt: "Das ist super, wie ihr das macht."

Immer wieder sangen die Demonstranten "Wir wollen keine Atomkraftwerke in diesem Land, auf die Barrikaden, leistet Widerstand." Einige Protestierende trugen "Gorleben 21"-Schilder - offenbar in Anlehnung an die Dauerproteste gegen das Bahnprojekt Stuttgart 21. Umweltschützer von Robin Wood versuchten ein weiteres Hindernis für die Durchfahrt des Transports zu errichten, indem sie sich von Bäumen entlang der Strecke abseilten.

Am Montagmittag hatte der durch Gleisblockaden immer wieder aufgehaltene Zug mit den Castor-Behältern aus Frankreich mit fast einem Tag Verspätung die Verladestation in Dannenberg erreicht. Die Behälter mit Rückständen aus der Wiederaufarbeitung deutscher Reaktorbrennstäbe wurden bis zum Montagabend auf Lkw umgeladen, um das letzte Stück bis nach Gorleben über die Straße zu bewältigen.

Röttgen will kein Geld von Atomkonzernen

Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) lehnte eine Beteiligung der Atomindustrie an den Kosten für den Polizeieinsatz bei den Castor-Transporten ab. "Wir haben Kernenergie in der Vergangenheit genutzt und diese Folgen müssen wir heute tragen. Dafür zahlen wir Steuern", sagte Röttgen in der ARD-Talksendung "Beckmann" am Montagabend. Nach Medienberichten dürfte der Transport ins Zwischenlager Gorleben allein das Land Niedersachsen mindestens 20 Millionen Euro kosten. Die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) hatte vergangene Woche gefordert, die Atomkonzerne an den Kosten zu beteiligen.

mad/AFP/DPA DPA

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