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Chef der Stasi-Unterlagenbehörde: Jahn fordert Feiertag am 17. Juni

Bis zur Wiedervereinigung war der 17. Juni der wichtigste politische Feiertag in der BRD. Zum 60. Jahrestag des DDR-Volksaufstands fordert Roland Jahn ein intensiveres Gedenken.

Der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Roland Jahn, will den 17. Juni zur Erinnerung an den Volksaufstand in der DDR vor 60 Jahren wieder als gesetzlichen Feiertag etablieren. Es sei ein Fehler gewesen, den Feiertag an diesem Datum abzuschaffen, sagte Jahn der in Halle erscheinenden "Mitteldeutschen Zeitung". Stattdessen sei der 3. Oktober zum Feiertag erkoren worden, "ein Tag, an dem ein Vertrag in Kraft getreten ist, und kein Tag, an dem die Menschen auf die Straße gegangen sind".

Dadurch seien die einschneidenden Ereignisse am 17. Juni 1953 letztlich noch weiter in Vergessenheit geraten. "Ich fände einen Feiertag besser, der daran erinnert: Freiheit und Selbstbestimmung sind nicht selbstverständlich", zitierte das Blatt den 59 Jahre alten Jahn. Deshalb könne es "nicht schaden, noch einmal darüber nachzudenken, ob man den 17. Juni als gesetzlichen Feiertag nicht wieder beleben kann". Der nächsten Generation könne so vermittelt werden, welch historische Bedeutung der Volksaufstand in der DDR hatte.

In der damaligen DDR hatten im Jahr 1953 in zahlreichen Städten Arbeiter zunächst gegen Erhöhungen ihrer Arbeitsnormen protestiert, später forderten Demonstranten dann auch freie Wahlen. In der DDR stationierte sowjetische Truppen schlugen den Aufstand blutig nieder. Dutzende Frauen, Männer und Kinder wurden getötet. Wie viele genau ist bis heute unklar. Anschließend wurden in einer ersten Verhaftungswelle etwa 6000 "Provokateure" in Gewarsam genommen. In Westdeutschland wurde kurz darauf der 17. Juni zum "Tag der deutschen Einheit" und zum gesetzlichen Feiertag erklärt. Nach der Wiedervereinigung wurde der Feiertag aufgehoben. Stattdessen ist nun der 3. Oktober als Tag der Deutschen Einheit ein staatlicher Feiertag.

ono/AFP / AFP