VG-Wort Pixel

Wegen Lärm in der Nacht Sirenen in der Nacht: So beleidigt ein FDP-Politiker die Feuerwehr, weil er schlafen will

Die Feuerwehr in Chemnitz löschte einen Brand, einem lokalen Politiker ging das Martinshorn auf die nerven (Symbolbild)
Die Feuerwehr in Chemnitz löschte einen Brand, einem lokalen Politiker ging das Martinshorn auf die nerven (Symbolbild)
© ArishaRay
Die Feuerwehr in Chemnitz musste um vier Uhr nachts einen Großbrand löschen, die Wagen heizten mit Sirene durch die Straßen. Ein FDP-Politiker ätzte daraufhin auf Facebook und bezeichnete die Rettungskräfte als "Arschkrampen" - weil er in Ruhe schlafen wollte.

Am Freitagmorgen wütete gegen vier Uhr ein Flammenmeer inmitten eines Wohngebiets in Chemnitz: Eine alte Lagerhalle brannte, darin lagerten mehrere Gasflaschen. Immer wieder kam es zu kleinen Explosionen. Großeinsatz für die Feuerwehr!

Doch während die Feuerwehrarbeiter gegen die Flammen kämpfen, schreibt sich FDP-Ortspolitiker Christoph Gaitzsch auf Facebook (Der Post ist mittlerweile gelöscht) den Frust von der Seele. "Ja, und die Arschkrampen von der Feuerwehr mussten kilometerlang mit Martinshorn durch menschenleere Straßen fahren, damit auch ja alle geweckt werden. Unverschämt." Wie die "Bild" berichtet, hat er es nicht bei dem Posting belassen und rief sogar in der Leitstelle an, um sich persönlich zu beschweren. Nun tobt ein Shitstorm auf der Facebook-Seite des Chemnitzer Politikers.

"Aber der erste sein der heult, wenn es mal bei ihm brennt und wenn dann die Feuerwehr nicht schnell genug kommt", entgegnet ihm ein wütender Nutzer. "Sie sollten nochmal ihr Amt überdenken", postet ein anderer. Ein Feuerwehrmann postet ein Bild von sich in Uniform, darüber der Schriftzug "Ich bin eine Arschkrampe und ich bin stolz darauf!"

"Das war nicht besonders nett von mir"

Gaitzsch versucht nun die Wogen zu glätten. "Stichwort 'Arschkrampen'. Ja, das war nicht besonders nett von mir, das gebe ich zu", schreibt er in einem neuen Facebook-Beitrag. Er bittet alle Feuerwehrmänner um Entschuldigung.

Grundsätzlich fühlt er sich aber im Recht: "Ich wusste halt, dass mich ungefähr eine ganze Stunde alle paar Minuten ein anderer Feuerwehrwagen wachhielt, unter anderem ein VW-Bus einer freiwilligen Stadtteilwehr, ca. 45 Minuten, nachdem die Berufsfeuerwehr eingetroffen war. Und ich wusste, dass der Rettungsdienst auf derselben Strecke nachts und um diese Zeit eben OHNE Martinshorn unterwegs ist, denn der fährt auf dem Weg zu einem Krankenhaus in der Nähe häufig hier vorbei. Warum machen die einen das anders, als die anderen? Obwohl beide den gleichen Gesetzen unterliegen? Sind die DOOF??!?"

Partei bittet um Austritt

Zum Schluss will er die Aufmerksamkeit wieder auf die Sache lenken - nämlich, wie der nächtliche Lärm minimiert werden könne. Zugleich macht er ein bisschen Werbung für die Partei: "Die FDP hat es sich auf die Fahne geschrieben, Bürokratie abzubauen. Vielleicht gelingt es uns ja, hier eine für alle Beteiligten gute Lösung zu finden."

Doch die Partei will offenbar nicht mehr viel mit ihm zu tun haben: Der "Bild" zufolge findet der Chemnitzer FDP-Chef Wolfgang Meyer den Vorfall "skandalös". Nun soll Gaitzsch aufgefordert werden, auszutreten. 

Martin Schulz rasiert die Grünen
cf

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker