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Corona-Pandemie Charité-Virologe Drosten verteidigt bei "Illner" umstrittene Heinsberg-Studie

Christian Drosten glaunt an eine solide Heinsberg-Studie
Charité-Chefvirologe Christian Drosten bei "Maybrit Illner": Heinsberg-Studie "eine extrem solide, robuste Studie".
© Michael Kappeler / DPA
Nicht zuletzt wegen einer umstrittenen PR-Begleitung ist die Heinsberg-Studie zum Corona-Ausbruch in Gangelt in Verruf geraten. Damit einher ging fachliche Kritik, die nach Ansicht des Virologen Christian Drosten aber nicht angebracht ist. Bei "Maybrit Illner" verteidigte er die Studie.

Die als Heinsberg-Studie bekannt gewordene Untersuchung des Bonner Virologen Hendrik Streeck kommt nicht aus den Schlagzeilen. Wegen der unklaren Finanzierung einer PR-Maßnahme für die Studie unter dem Titel "Heinsberg-Protokoll" ist die Untersuchung des Corona-Ausbruchs in der Gemeinde Gangelt, einem frühen Hotspot der Pandemie in Deutschland, in Verruf geraten. Der Deutsche Rat für Public Relations hat inzwischen ein förmliches Prüfverfahren eingeleitet (alle Einzelheiten dazu lesen Sie hier). Auch fachlich wurde Kritik geübt. Die bisher gewonnenen Ergebnisse seien noch nicht aussagekräftig und schon gar nicht auf ganz Deutschland übertragbar. Im TV-Talk "Maybrit Illner" am Donnerstagabend verteidigte Charité-Chef-Virologe Christian Drosten die Studie nun noch einmal ausdrücklich. 

Drosten hatte die Präsentation der Zwischenergebnisse zwar auch kritisiert, sich in der Vergangenheit aber bereits dagegen verwahrt, dass es eine Art "Gelehrtenstreit" gebe. "Es gibt keinen Vorwurf an die Kollegen, nur eine Nachfrage", ließ Drosten die Zeitung "taz" via Twitter wissen. "Diskurs ermöglicht wissenschaftliche Meinungsbildung". Bei "Illner" betonte Drosten nun, die Untersuchung in Gangelt werde "eine extrem solide, robuste Studie".

Drosten: "Blöd, dass in vorläufigem Status kommuniziert wurde"

Er sei mit Streeck in Kontakt, sagte Drosten. "Ich glaube, dass man sehr interessante Dinge aus der Studie raussehen wird. Es war natürlich ein bisschen blöd, dass das jetzt in so einem vorläufigen Status kommuniziert wurde und mit so wenig Hintergrundinformation, aber insgesamt ist das sicher eine extrem solide, robuste Studie, die ich da erwarte."

Drosten berichtete weiter: "Der Hendrik hat mir da auch ein paar erste Einblicke gezeigt in die Daten, das ist richtig interessant." Allerdings handele es sich in Gangelt wegen des außergewöhnlich starken Ausbruchsgeschehens in der Gemeinde um eine absolute Ausnahmesituation, "das haben die Kollegen auch dazu gesagt, dass das nicht für Deutschland repräsentativ ist." Nach seinem ersten Eindruck werde die Heinsberg-Studie insgesamt aber keine überraschenden Erkenntnisse was die Infektionssterblichkeit durch Corona betreffe liefern. "Die Zahl, die da rauskommt, ist die, mit der wir schon die ganze Zeit arbeiten" – also geschätzt 0,3 bis 0,7 Prozent der Betroffenen.

Studie vom Land NRW finanziert

Die von NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) initiierte frühzeitige Präsentation erster Zwischenergebnisse der Heinsberg-Studie am 9. April war auch international beachtet worden. Nach Einschätzung von Drosten wurden die Ergebnisse durch die frühe Darstellung als repräsentativ für ganz Deutschland missverstanden. Die Studie wird vom Land NRW finanziert. Der Leiter der Studie, Hendrik Streeck, ist Direktor des Instituts für Virologie und HIV-Forschung an der Medizinischen Fakultät der Universität Bonn. Diese Position hatte zuvor Christian Drosten inne, der seit 2017 die Virologie an der Berliner Charité leitet.

Quellen: "Maybrit Illner", Twitter-Kanal Christian Drosten

stern

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