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CSU-Führungskrise: Stoiber trifft auf Kritikerin Pauli

Die bayerische Staatsregierung lädt am Abend zum Neujahrsempfang nach München. Dort wird Edmund Stoiber erstmals seit Beginn des Streits um eine erneute Nominierung auf seine Kritikerin Gabriele Pauli treffen. Viel Zeit zum Plausch werden die Beiden vermutlich aber nicht haben.

Der CSU-Vorsitzende Edmund Stoiber trifft heute Abend erstmals seit Beginn des Streits um eine erneute Nominierung seine Kritikerin Gabriele Pauli. Die Fürther CSU-Landrätin hat eine Einladung zum Neujahrsempfang der Staatsregierung in München angenommen. Allerdings dürften beide angesichts der Menge von 1500 Gästen kaum Zeit für mehr als ein kurzes Gespräch haben. Die eigentliche Aussprache ist erst für Donnerstag kommender Woche geplant.

Erneute Kritik an Stoiber

Unmittelbar vor dem Zusammentreffen legte Pauli in ihrer Kritik nach: Der bayerische Ministerpräsident sei "nicht mehr so aufgeschlossen" für die Sorgen und Nöte der Menschen, sagte sie dem Fernsehsender N24. "Es liegt daran, dass er abgeschottet ist und sich nur noch von einem engen Kreis beraten lässt." Stoiber sei es auch nicht gewöhnt, dass "Frauen mit gleicher Kompetenz" auf Augenhöhe mit ihm sprechen wollten. Pauli verlangt seit längerem eine Mitgliederbefragung zu Stoibers erneuter Kandidatur für die Landtagswahl 2008.

Am Donnerstag war der Versuch der Parteiführung gescheitert, Stoiber auf der Klausur der Landtagsfraktion in Wildbad Kreuth Anfang kommender Woche als Spitzenkandidat zu nominieren. Seiner Andeutung, über die volle Legislaturperiode bis 2013 amtieren zu wollen, führte in der Landtagsfraktion am Donnerstag zu offenem Widerstand gegen eine vorgezogene Nominierung. Stoiber war daraufhin zurückgerudert und hatte in einem dpa-Gespräch gesagt: "Was die Spitzenkandidatur für die Landtagswahl 2008 angeht, stelle ich mich auch dem Votum unseres Parteitags."

CDU beunruhigt

Dennoch gelang es nicht, die Diskussion zu beenden. Der dem Landtags-Innenausschuss vorsitzende CSU-Abgeordnete Jakob Kreidl sprach sich sogar gegen eine weitere Amtszeit Stoibers aus. "Eine breite Mehrheit ist dafür, dass Stoiber nicht über 2008 hinaus weiter macht", sagte er der Münchner "Abendzeitung". Andere CSU- Abgeordnete äußerten hinter vorgehaltener Hand Zweifel, ob Stoiber überhaupt bis dahin zu halten sei.

Unterdessen zeigt sich auch die Schwesterpartei CDU beunruhigt von der Krise. Vor der Klausurtagung des CDU-Vorstands an diesem Freitag in Bremen sagte ein ungenanntes Mitglied des Gremiums dem "Münchner Merkur" mit Blick auf die Wahl in Bremen im Mai und in Hamburg, Hessen und Niedersachsen 2008: "Wir brauchen Ruhe vor den Wahlen." Ein anderer Vorständler sagte, die Union habe in Umfragen derzeit zwar einen deutlichen Vorsprung vor der SPD, werde diesen aber nur halten können, "wenn die CSU endlich zur Ruhe kommt".

Kurt Beck warnt

Der SPD-Vorsitzende Kurt Beck warnte die CSU vor negativen Folgen für die große Koalition. "Es ist schon so, dass wir alle einige Sorgen haben. Die große Koalition braucht drei Partner, und die Partner müssen alle verlässlich sein", sagte er.

Angesichts der Diskussion befürwortete der ehemalige CDU- Generalsekretär Heiner Geißler, dass seine Partei den nächsten Kanzlerkandidaten per Mitgliederbefragung bestimmt. "Das haben wir zwar noch nie gemacht auf der Bundesebene, aber ich finde, das ist ein Fortschritt", sagte er dem Sender N24.

DPA / DPA