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CSU-Machtkampf: Seehofer wegen Sex-Details in Not

Im stern hat CSU-Vize Horst Seehofer gedroht, er habe Briefe mit brisanten Details über das Liebesleben seiner Parteikollegen. Nun rudert er zurück. Er habe nicht vor, diese Informationen im Kampf um den CSU-Vorsitz zu verwenden. Doch in seiner Partei gibt es heftige Kritik an Seehofer.

Im Rennen um den Partei-Vorsitz hat CSU-Vize Horst Seehofer Berichte zurückgewiesen, er habe Gegnern in der Partei mit einer Schlammschlacht gedroht, "Das ist nicht meine Linie", sagte der Verbraucherschutzminister in Brüssel. "Es ist natürlich, dass nach den Vorgängen der vergangenen Monate mir eine Menge Informationen über alles Mögliche in dieser Welt zugespielt worden sind", sagte er am Rande eines Treffens mit seinen EU- Amtskollegen. "Aber ich habe das immer als widerlich eingestuft, habe das nie verwertet und das auch in der Zukunft nicht vor". Seehofer kandidiert gegen Wirtschaftsminister Erwin Huber um den CSU-Vorsitz.

Der stern hatte berichtet, Seehofer habe mit Enthüllungen über das Privatleben seiner Kritiker gedroht: "Ich bin gut informiert. Ich weiß viel. Ich habe viel Material." Er bekomme Briefe etwa von der enttäuschten Ex-Geliebten eines Parteifreundes.

"Wettbewerb mit demokratischen Mitteln"

In Brüssel sagte Seehofer dazu: "Obwohl pausenlos über mich gerade in den letzten Tagen Spekulationen und Bewertungen in die Welt gesetzt worden sind, würde ich das umgekehrt nie machen, das wollte ich damit zum Ausdruck bringen." Er werde den notwendigen Wettbewerb in einer Partei "so wie bisher mit demokratischen Mitteln führen".

Vier Monate nach Berichten über seine schwangere Freundin hatte sich der 57-Jährige vor kurzem demonstrativ mit seiner Ehefrau Karin (48) gezeigt. Parteikollegen verlangten in den vergangenen Wochen immer wieder eine Entscheidung von Seehofer. Nun sagte dieser: "Auf dem Parteitag, wenn die Delegierten abstimmen, können sie sicher sein, dass sie wissen, wie diese Situation steht."

Seehofer hat in seiner Partei jedoch große Verärgerung ausgelöst mit seinen Äußerungen im stern, die in der CSU als Enthüllungsdrohung aufgefasst werden. Der Vorsitzende des Bildungsausschusses im Bayerischen Landtag, Ludwig Spaenle, sagte, die CSU werde dies nicht dulden. Wenn die Meldungen stimmten, habe Seehofer "jeden moralischen Anspruch auf den Parteivorsitz verspielt". Spaenle sagt: "Wenn jemand Hohlmeier-Methoden anwendet, gegen den werden wir aufstehen." Er bezog sich damit auf die ehemalige bayerische Kultusministerin Monika Hohlmeier, die Münchner Parteifreunden angeblich mit Enthüllungen gedroht hatte

Der bayerische Junge-Union-Chef Manfred Weber warnte vor Schaden für die CSU. "Ich appelliere an alle, auf die politische Kultur und das Gesamtansehen der Partei zu achten", sagte Weber. "Wenn das jetzt so weiter geht, wird es am Ende nur Verlierer geben." Weber ist auch CSU-Präsidiumsmitglied.

DPA / DPA