HOME

Das Kanzler-Duell: Vier Moderatoren sind drei zu viel

Maybrit Illner nimmt im Gespräch mit dem stern wenige Tage vor dem großen TV-Duell zwischen Merkel und Steinbrück kein Blatt vor den Mund. Sie könnte sich auch ein anderes Format vorstellen.

Von Hans-Ulrich Jörges und Axel Vornbäumen

Es wird ihr viertes großes Duell. Die ZDF-Talkerin Maybrit Illner war bislang noch bei allen großen Wahlkampfschlachten dabei: 2002, als Gerhard Schröder und Edmund Stoiber gegeneinander antraten; 2005, als Schröder mit ziemlicher Beißhemmung gegenüber Angela Merkel auftrat - und beim zähen Duell 2009, als es Frank Walter Steinmeier (SPD) nicht gelang, sich argumentativ von seiner groß-koalitionären Chefin Merkel abzusetzen. Diesmal sind die Moderatoren Anne Will, Stefan Raab und Peter Kloeppel an Illners Seite. Doch im stern-Gespräch macht die 48-Jährige keinen Hehl daraus, dass sie sich auch ein anderes Format hätte vorstellen können, als die manchmal recht statisch wirkende Befragung von zwei Politikern durch vier Journalisten. "Wenn ich Königin von Deutschland wäre, hätten wir vier Sendungen mit jeweils einem Moderator und zwei Kandidaten. Dann würden wir nicht den Eindruck erwecken, dass wir bei den Zwei-plus-vier-Verhandlungen sind", sagte Illner dem stern.

"Wie beleidigt man eine Dame?"

Illner erwartet für das von vier Sendern zeitgleich übertragene Duell (Sonntag, 1.September, 20.30 Uhr, ARD, ZDF, RTL und Pro Sieben) eine interessante Auseinandersetzung, obwohl viele glaubten, dass das Rennen bereits gelaufen sei. "Es trifft eine erfahrene Kanzlerin auf einen rhetorisch sehr gewandten Kandidaten, der nur noch wenig zu verlieren hat". Und Illner glaubt, einen kämpferischen Peer Steinbrück anzutreffen: "Im Grunde muss sein Ziel sein, an ihrer Glaubwürdigkeit zu kratzen. Ein bisschen muss er nach dem Motto vorgehen: Wie beleidigt man eine Dame, ohne dass es schlecht ankommt. Das wird nicht einfach."

Die ZDF-Moderatorin kündigte im stern-Gespräch an, den beiden Kontrahenten harte Fragen stellen zu wollen. Es sei doch erstaunlich, wie wenig die schwarz-gelbe Koalition in den letzten vier Jahren geschafft habe. Illner: "Wir treffen uns doch da nicht zum Streuselkuchenessen. Wir werden so persönlich, so konkret und so hart wie möglich fragen." Sie selbst ließ übrigens offen, ob sie bei einem derartigen Format in vier Jahren noch einmal antreten wird. Auf die einschlägige stern-Frage antwortete Illner jedenfalls denkbar knapp: "Ich? Ach".

print

Von:

und Hans-Ulrich Jörges