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Der Abwasch der Woche: Hasta la vista, Loddar!

Was haben Lothar Matthäus, Angela Merkel und Arnold Schwarzenegger gemeinsam? Sie haben diese Woche so richtig daneben gegriffen. Von gescheiterten Karrieren und versteckten Hassbotschaften.

Von Andreas Hoidn-Borchers

Aus aktuellem Anlass und gutem Grund widmen wir uns in dieser Woche dem unterdrückten Geschlecht und fangen mit der schlechten Nachricht an: Lothar Matthäus wird jetzt doch nicht Trainer des weltberühmten Vereins Racing Club de Avellaneda, der in den Abstiegsregionen der argentinischen Liga rumbolzt und damit unsere allererste Anforderung für ein Engagement von Matthäus erfüllt hätte - soweit in der Pampa wie möglich. Wenn wir das richtig verstanden haben, sind die Verhandlungen unter anderem an der Frauenfrage und einer diesbezüglichen Klausel gescheitert.

Nicht, was Sie jetzt vielleicht denken. Der Lothar, der immer genau weiß, welche Größen auf den Etiketten der Entkleidungsstücke seiner jeweiligen Gattin steht, hätte es nur gerne gesehen, wenn die Argentinier seiner Aktuellen (Liliana, 21, wenn wir auf dem Laufenden sind) einen Job als Model vertraglich garantiert hätten, weil, wir zitieren jetzt "Bild" bzw. Matthäus: "Sie geht nur mit, wenn sie dort als Model arbeiten kann." War offenbar nicht drin.

Ja, Gauchos, geht's noch? Gebt dem modernen Mann, was er will, und der Frau Arbeit! Lasst sie sich anziehen, umziehen, ausziehen. Damit er Ruhe gibt, wenigstens bei uns. Bei euch kommt's doch nicht so drauf an. Ihr beschäftigt als Nationaltrainer doch sogar Maradona; wir sagen nur Doping, Drogen, Fidel Castro. Oder ist das eure späte Rache für die gehaltenen Elfer von Jens Lehmann? Übrigens, falls ihr einen Torhüter braucht...

Also, gebt euch einen Ruck und dem Mädel ihren Job. Bei uns, das nur zu eurer Information, Gauchos, heißt Model eigentlich Modell, was aber etwas aus der Mode gekommen ist, genauso wie die schöne Definition, die man noch im Duden unter dem Stichwort "veraltet" finden kann: Vorführdame. Und das hat dann im Zusammenhang mit Lothar Matthäus doch was berückend Präzises.

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Und damit zu unserer politischen Rollenvorführdame Angela M. und einem ihrer Lieblingsanliegen: der Frauenförderung. Dazu findet man beziehungsweise frau sogar acht Zeilen im an diesem Montag unterschriebenen Koalitionsvertrag unter der Überschrift: "Mehr Frauen in Führungspositionen". Wir zitieren mal eben die entscheidenden: "Der Anteil von Frauen in Führungspositionen in der Wirtschaft und im öffentlichen Dienst soll maßgeblich erhöht werden. Dazu wird ein Stufenplan, insbesondere zur Erhöhung des Anteils von Frauen in Vorständen und Aufsichtsräten vorgelegt."

Und weil die Politik ja immer mit gutem Beispiel voraneilen soll, hat die Kanzlerin bei der Bildung ihres schwarz-gelben Kabinetts gleich mal frauenfördertechnisch maßgeblich vorgelegt: Ulla heißt jetzt Philipp, Heidi heißt jetzt Dirk, nur Brigitte heißt jetzt Schnarre. Der Anteil an Doppelnamen ist gleich geblieben (1), die Zahl der Adligen auch (3), es gibt einen Schwulen, einen Behinderten - und jetzt inklusive Kanzlerin vier Frauen, die zusammen sieben Kinder auf die Wiege bringen, was doch deutlich über der durchschnittlichen, wie sagt man?: Fertilitätsrate von 1,43 liegt. Okay, ohne Ursula von der Leyen - Achtung, Doppelquote adelige Frau – wären's glatt Null, aber so kleinlich wollen wir nicht sein, wenn ansonsten alles stimmt: Wenn wir richtig nachgezählt haben, hat sich die Erhöhung des Anteils von Frauen in Angela Merkels engerem öffentlichen Dienst im Bereich von ca. minus 33 Prozent abgespielt.

Doch, doch, so haben wir drei Männer vom Abwasch uns Frauenförderung immer erträumt. So kann's weiter gehen mit dem Modell Stufenplan. Heidewitzka, Frau Lieberknecht. Beziehungsweise: Hasta la vista, girls!

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Womit wir auch schon auch beim Thema ganz dicke Zigarre wären. Keine Sorge, jetzt kommt nach Matthäus nicht auch noch Schröder. Es kommt schlimmer: Arnold Schwarzenegger ist früher mal als Conan der Barbar über die Leinwände gezogen, hat sich dann irgendwann die Kulturtechniken des Lesen, Schreibens und Rauchens angeeignet und ist in die Politik gegangen. Es soll auch Beispiele für genau umgekehrt verlaufene Karrieren geben.

Jedenfalls ist der Governor Schwarzenegger ein leidlich friedfertiger Mensch geworden, man darf ihn nur nicht reizen. Dann schwingt er nämlich die Schreibfeder. Jüngstes Opfer: der kalifornische Abgeordnete Tom Ammiano, der ihm mal ein beherztes, wir zitieren mit Bitte um Verzeihung für die Wortwahl "Bild.de" beziehungsweise Ammiano, "Leck mich an meinem schwulen Arsch" entgegengerüstet hat. Dem kam Schwarzenegger jetzt per Brief nach. Mit einem gepflegten Siebenzeiler, dessen Anfangsbuchstaben sich von oben nach unten unschwer erkennen lassen als: "Fuck You". Was man mit Rücksicht auf sensiblere Gemüter vielleicht so übersetzen sollte: Der Herr Ammiano möge sich ins Knie, äh, schießen.

Das nennen wir Debattenkultur. Tu felix Amerika! So barbarisch kultiviert bzw. kultiviert barbarisch, das müsst ihr erst mal hinkriegen, Mädels. Frau Merkel, übernehmen Sie. Wir warten auf Antwort.

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Sie auch? Darauf, wer denn nun eigentlich das unterdrückte Geschlecht ist? Und was die gute Nachricht? Ach, das suchen Sie sich dieses Mal doch besser selber aus!