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Der politische Abwasch der Woche Die Tiraden der Lukretia Jochimsen


Auf dem Platz stehen: gut integrierte Zuwanderer, wahnsinnige Radfahrer und eine schwadronierende Präsidentschaftskandidatin. Zeit für den Abwasch.
Von Andreas Hoidn-Borchers

Kurze Warnung vorweg: Dieser Abwasch enthält politisch komplett inkorrekte Aussagen und kann bei Usern (oder wie immer man Leser in diesem Medium nennt) mit ideologisch betonierten Weltbildern, DDR-Hintergrund, Linken-Vordergrund sowie bei Rassisten oder Berliner Radfahrern zu schwerer Aufregung und unkontrollierbarem Kommentieren führen. Was uns wiederum ein, wir zitieren mit der notwendigen Abscheu die Kollegin Katrin Müller-Hohenstein, "innerer Reichsparteitag" wäre ...

Und damit haben wir schon elegant den Bogen geschlagen zum Triple-Thema: Deutschland, der Fußball und die Vergangenheit. Wobei wir uns diesmal auf die etwas jüngere Vergangenheit konzentrieren wollen, die Zeit vor der Jahrtausendwende, als unsere Nationalspieler noch so schöne Namen trugen wie WÖRRRNS oder KOHLERRR. Und zwar durchweg und selbst die auf der Bank. Und die einzigen Zuwanderer - um dem Kolumnenkollegen von Schnauze, Wessi mal einen Ball auf den Elfmeterpunkt zu legen; gern geschehen, da nicht für! - im WM-Aufgebot von 1998 hießen FREUND oder KIRSTEN oder MARSCHALL und konnten zwar die Hymne unfallfrei mitbrummen, aber irgendwie nicht adäquat mithalten bei ihrem Wirken in der ballverarbeitenden Industrie.

Ja, so war das anno 98, als Kohl-Deutschland noch kein Einwandererland sein sollen durfte: Viertelfinale. Kroatien. Aus. Und dann kam Ribbeck. Und Paolo Rink, der noteingebürgerte Brasilianer (was in diesem Fall nur geburtsgeografisch und bitte nicht fußballtechnisch zu verstehen sein soll) mit dem irgendwo aufgefundenen deutschen Urgroßvater, das missing link zur heutigen Kickergeneration. Rink konnte nicht mal die Hymne. Auch nicht schön, diese Ribbeck-Rink-Interregnum, nein, wirklich nicht.

Heute, elf Jahre nach der Anti-Doppelpass-Kampagne von Roland Koch, zehn Jahre nach dem zaghaften Anfang vom Ende der Rumpelfüßler-Ära, heute also wirbt die sich uns angeschlossen habende Bundeskanzlerin mit CDU-Parteibuch um Zuwanderer, und im DFB-Trikot wirbeln die zwar nicht ganz so hymnen-, dafür aber sehr ballsicheren Herren ÖZIL oder KHEDIRA und die Tore schießen, zumindest gegen Australien, PODOLSKI und KLOSE, allerdings sind das ja keine wirklichen Einwanderer, sondern nur Beute-Polen, also quasi unser ... äh, tschuldigung, da haben wir wohl etwas missverstanden, Frau Müller-Hohenstein.

Was wir jedenfalls sagen wollten: Früher war vielleicht mehr Lametta, aber auch nicht alles besser.

*

Obwohl... Und damit ausnahmsweise zu einem kleinen Exkurs in eigener Sache: Radfahrer, mal herhören! Auch und ganz besonders die in Berlin! In Deutschland herrscht Rechtsverkehr! RECHTSVERKEHR! Und zwar immer, ausschließlich und überall. Ist einfach so und hat auch gar nichts mit Politik oder Unterdrückung zu tun. Man darf die Grünen, die SPD, die Linke oder noch größere Quatschtaschen gut finden und trotzdem rechts radeln. Bzw. MUSS! (Und weil wir gerade dabei sind, noch ein Wort an die Fußgänger und da vor allem an die Touristen unter ihnen: Nur weil in Berlin zwar die Stadtheiligen Remmi und Demmi heißen, aber trotzdem nicht so ein Mörderverkehr herrscht mit permanentem Rumhupen wie bei Vuvuzelas unterm Sofa und Vollgas vor jeder roten Ampel wie bei euch in Madrid, Athen oder Rom, bedeutet das noch lange nicht, dass ihr einfach mal so BLINDLINGS auf die Fahrbahn latschen könnt. Da kann nämlich jemand kommen. Echt! Und sei's nur der Mann vom Abwasch auf seinem Fahrrad. Und zwar auf der rechten Spur!)

Nur noch mal zur Erinnerung an alle: Rechts ist da, wo der Daumen links ist. Oder für ganz Dämliche: Da, wo die Klingel am Fahrrad normalerweise nicht war, bevor ihr sie verloren habt. Oder noch einfacher: Da wo wir euch entgegen kommen, ist NICHT RECHTS. Nein, nein, nein. Jedenfalls nicht für euch. Nur für uns. Kompliziert für so ein Berliner Radfahrerhirn, gell. Trotzdem nicht zu ändern. Links fahren ist einfach VERBOTEN.

Es ist übrigens auch und leider verboten, notorische Linksradler mit einer Pumpgun vom Sattel zu nieten. Oder sie sich wenigstens mit einem schönen, elegant geschwungenen Morgenstern vom Leib zu halten. Wir schlagen euch, Berliner Radfahrer, deshalb einen Deal vor: Ihr fahrt künftig auf der richtigen Seite die Fußgänger und andere Radler um - und wir verlagern dafür unsere Gewaltphantasien auch nicht ins reale Verkehrsleben, okay?

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Oder behalten sie uns für andere vor, die sie ebenfalls schwer verdienen. Lukretia Luise genannt Luc Jochimsen zum Beispiel, die gerade dabei ist, den kläglichen Rest ihres einstmals gar nicht so schlechten Rufs, den sie sich als Fernsehjournalistin erworben hatte, auf Null zu schwadronieren. Die DDR habe zwar "unverzeihliches Unrecht" begangen, sei aber "nach juristischer Definition kein Unrechtsstaat" gewesen, sagt die Frau aus dem Anbiedermeier, die sich am 30. Juni für die Linke als Bundespräsidentin bewirbt.

Mag sein, dass wir Grobschlächter vom Abwasch nicht ausreichend Feinsinn aufbringen für solche mindestens haarspalterischen Unterscheidungen. Aber wir dachten bislang immer, dass ein Staat, der Wahlen (oder was man als solche bezeichnet hat) manipuliert, keine freie Presse duldet, Bürger nicht dahin reisen lässt, wohin sie wollen, und sie zuweilen sogar an der Grenze abknallen lässt, der einen riesigen Spitzelapparat, aber keine unabhängige Justiz unterhält und Menschen willkürlich einsperrt, um nur mal ein paar der wichtigeren Punkte aufzuzählen - dass dieser Staat vielleicht doch irgendwie ein ...

Eins hat Luc Jochimsen jedenfalls geschafft: Man gewinnt Joachim Gauck plötzlich richtig lieb. Und man möchte nicht in der Haut von Hannelore Paula Kraft stecken, die über Nacht zur Erkenntnis gelangte, dass sie nicht nur regierungsfähig und regierungswillig ist, sondern auch jede Stimme annimmt ...

Und merkwürdig, dass uns erst an dieser Stelle Ernst Jandl einfällt: "Manche meinen, lechts und rinks könne man nicht velwechsern. Werch ein Illtum!"


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