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Deutschland: Michel Friedman: Schröder und Fischer im Irak-Konflikt auf dem Irrweg

Michel Friedman: Schröder und Fischer im Irak-Konflikt auf dem Irrweg

Hamburg - Der Vizepräsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, Michel Friedman, hat scharfe Kritik an der Haltung von Bundeskanzler Gerhard Schröder und Außenminister Joschka Fischer im Irak-Konflikt geübt. "Beide wären glaubwürdiger, wenn sie den Bericht der UN-Inspektoren abgewartet hätten", sagt Friedman dem stern in einem Interview. Es sei eine "argumentativ höchst widersprüchliche Politik", wenn man behaupte, die Inspektoren seien wichtig und sollten weiterarbeiten, aber andererseits schon vorher festlege: "Was sie finden, interessiert uns nicht, an militärischen Aktionen werden wir uns nicht beteiligen." Schröder und Fischer hätten im Kosovo ohne UN-Mandat Krieg geführt. "Jetzt heißt es: kein Krieg - sogar mit einem UN-Mandat. So schwächt man die UN." Es habe sich gezeigt, dass der ständige Verweis der rot-grünen Bundesregierung auf die Vereinten Nationen "höchst austauschbar ist", so Friedman weiter.

Friedman, der auch Präsident des Europäischen Jüdischen Kongresses ist, sieht wachsende Vorurteile gegenüber Amerika: "Diese Ressentiments sind nicht nur in Deutschland festzustellen, aber hierzulande außerordentlich verhärtet." Gegen die Politik Amerikas zu demonstrieren sei legitim. Allerdings frage er sich: "Woher kommt dieses Misstrauen? Immerhin haben die Amerikaner Deutschland von den Nazis befreit, die Wiedervereinigung aktiv unterstützt." Ihm werde "speiübel", wenn er sehe, wie auf Demonstrationen in Europa US-Flaggen verbrannt würden. "Wenn Friedenssehnsucht heißt, dass man die Flagge eines zivilisierten, demokratischen Staates verbrennt, dann ist die Glaubwürdigkeit doch sehr begrenzt." Mit dem Slogan "Kein Blut für Öl" werde die Gefahr, die von Saddam Hussein ausgehe, "bis ins Unerträgliche banalisiert", so Friedman weiter."Warum gibt es keine Demos gegen Saddam Hussein? Er ist doch die Ursache des Konfliktes!"

Nachrichtenredaktion