Die Lafo-Show "Es geht vor allem um ihn"


In einer Woche trifft sich "Die Linke" zum Bundesparteitag in Cottbus. Zuvor ließ sich ihr Bundesvorsitzender Oskar Lafontaine in seiner alten Heimat feiern. Und machte klar, was er will: Ministerpräsident des Saarlandes werden.
Von Katharina Schönwitz, Neunkirchen

Die Bewohner des Birkenwegs im saarländischen Neunkirchen-Furpach schauen skeptisch und etwas verwundert auf die vielen Autos, die sich am frühen Abend auf der Suche nach einem Parkplatz durch ihr Sträßlein schlängeln. Bestens vorbereitet auf den Besucheransturm ist man allerdings im Birkenweg Nummer eins, dem Hotel "Grüner Baum". Der Koch hat draußen vor dem Eingang einen Würstchengrill unter einem Gartenpavillon aufgebaut, und zahlreiche Bedienungen versorgen die vielen Neugierigen mit Apfelsaftschorle und Pils. Es ist nicht das erste Mal, dass Parteien das fast turnhallengroße Hinterzimmer des Restaurants für ihre Veranstaltungen nutzen.

Für diesen Abend hat sich allerdings Prominenz angekündigt, die es auch außerhalb des kleinen Bundeslandes zu Ruhm gebracht hat: Oskar Lafontaine. Das haben neben ihm vielleicht nur noch Schlagersängerin Nicole, Fußballer Rudi Assauer und Moderator Dieter Thomas Heck geschafft. Bereits eine halbe Stunde, bevor Oskar Lafontaine kommen soll, ist der Saal mit über 300 Menschen gerammelt voll. Zwei Alleinunterhalterinnen heizen die Stimmung an mit Hits von Abba und Boney M. Dreizehn Jahre war Lafontaine im Saarland Ministerpräsident, anschließend vier Jahre Vorsitzender der SPD, 1990 Kanzlerkandidat und von 1998 bis 1999 Bundesfinanzminister. Dann kam der Bruch mit Bundeskanzler Gerhard Schröder, und Oskar Lafontaine trat von allen Ämtern zurück. 2005 trat er nach fast vierzig Jahren aus der SPD aus und der WASG bei. Vor einem Jahr fusionierten die WASG und die Linkspartei zur neuen Partei Die Linke, deren Vorsitzender er wurde.

Um kurz nach sieben fährt eine silberne Audi-Limousine vor dem Hotel "Grüner Baum" vor. Im hellgrauen Anzug mit aufgeknöpftem Hemd steigt Lafontaine aus, schüttelt im Vorbeigehen Hände oder tätschelt die Schulter. Die Anwesenden danken ihm mit heftigem Applaus, das Gesangsduo singt "I am so excited, I want you". Zur Begrüßung darf zunächst Kreisvorstand Manfred Born ans Mikrofon, der sich freut, "den neuen Ministerpräsidenten des Saarlandes" vorstellen zu dürfen, was bei den Zuhörern und Parteifreunden Juchzen hervorruft.

Kein Wort über die Finanzierung

Doch er ist nicht gekommen, um über Landespolitik zu sprechen. "Es läuft so einiges schief in Deutschland, wir brauchen eine neue politische Kraft", sagt Lafontaine in gewohnt schulmeisterlichem Ton. Sein Hauptanliegen sei in erster Linie "mehr soziale Gerechtigkeit". Die Löhne der Arbeitnehmer müssten "endlich wieder steigen" die Rente müsse erhöht werden, damit die Kaufkraft zurückkehre. "Aber das wird nichts, solange viele Ältere Rentenkürzungsparteien wie die CDU, SPD, FDP und die Grünen wählen. Sagt das am Stammtisch und in euren Vereinen", fordert Lafontaine und schlägt mit der Faust aufs Rednerpult. Auch die wenigen Jüngeren spricht er an, denn vor allem sie seien später einmal davon betroffen. "Wer heute 1000 Euro verdient und nach 45 Jahren in Rente geht, der hat nur 400 Euro zu erwarten. In anderen europäischen Ländern wären es bis zu 730 Euro." Und da er schon mal dabei ist: Ein paar Dinge gehörten abgeschafft, zum Beispiel die Leiharbeit und Hartz IV. Öffentliches Eigentum, wie die Post oder die Bahn, dürfe nicht mehr verscherbelt werden. Wie er das alles finanzieren will - dazu sagt Lafontaine natürlich kein Wort.

Und dann kommt doch noch die Landespolitik, jedenfalls jener Teil, der dem großen Zampano am wichtigsten ist: Oskar Lafontaine will nächstes Jahr im September erneut Ministerpräsident im Saarland werden und Peter Müller von der CDU ablösen. "Neun Jahre ist er jetzt dagehockt und hat nichts zustande gebracht", lästert er. Und setzt mit beißender Ironie hinzu: "Doch, sie haben den Landtag renoviert und ein Ministerium gebaut. Das hat das Land natürlich nach vorne gebracht." Lafontaine will sich als Ministerpräsident vor allem auf den Bergbau konzentrieren. Ein Ende des Bergbaus, wie es Peter Müller nach dem großen Beben Ende Februar forderte, ist für den Linken ausgeschlossen. Denn schließlich seien die Bergleute für den Reichtum des Landes verantwortlich. "Aber dafür brauchen wir eure Unterstützung. Und wenn ihr uns schon nicht wählt, dann sagt wenigstens bei Umfragen, dass ihr die Linke wählt. Denn dann bekommen die anderen Parteien Angst und ändern ihre Politik." Wie er die Krisenbranche retten will - auch dazu sagt Lafontaine nichts. "Wir müssen erst wissen, was mit 10.000 Arbeitsplätzen geschieht."

Kritische Fragen bleiben aus

Mit kritischen Nachfragen muss sich Lafontaine allerdings auch nicht herumschlagen. Für seine Rede bekommt er stehende Ovationen, er genießt den Applaus sichtlich. Der Kreisvorstand dankt dem hohen Besuch mit zwei Büchern: "Die Kohlesaga" und "Das Revier im Wandel der Zeit". Leichten Schritts geht Lafontaine von der Bühne ab und verschwindet in einem Nebenraum des Restaurants.

"Ich werde auf jeden Fall Oskar Lafontaine nächstes Jahr wählen", sagt ein älterer Herr zu seinem Tischnachbarn. Und alle um ihn Herumsitzenden nicken zustimmend. Auf die Nachfrage, ob er denn auch die Linke wählen würde, wenn Oskar Lafontaine dort nicht Mitglied wäre, zuckt er nur mit den Schultern. "Mit der Partei habe ich mich noch gar nicht so genau beschäftigt. Mir geht es vor allem um ihn."


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