Drogenbeauftragte Bätzing Anti-Alkohol-Unterricht soll Schüler aufklären


"Gesundes Leben" als Pflichtfach in allen Schulen: Die Drogenbeauftragte Sabine Bätzing will mit einem solchen Unterricht erreichen, dass Jugendliche den verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol lernen. Unterstützt wird sie vom Städte- und Gemeindebund, der außerdem Verkaufsverbote für Alkohol fordert.

Flächendeckender Schulunterricht für gesundes Leben soll nach dem Willen der Drogenbeauftragten Sabine Bätzing (SPD) den Alkoholmissbrauch vieler Jugendlicher eindämmen. Mehr als 23.000 Kinder und Jugendliche jährlich kamen der jüngsten Erhebung zufolge im Alkohol-Koma ins Krankenhaus.

Bätzing schlug ein Schulfach für mehr Lebenskompetenz, Stressbewältigung, Alkoholvorbeugung und gesunde Ernährung vor. "Wir können so etwas beginnen in den Schulen, es gibt solche Programme bereits für Kindergärten", sagte die Drogenbeauftragte am Donnerstag in Berlin. "Ziel wäre es, dass alle Kinder in den Genuss der Präventionsarbeit kommen." Bätzing führte Vorbilder für Suchtvorbeugung im Unterricht an. Im Schuljahr 2008/09 nahmen zum Beispiel über 325.000 Kinder aus 13.900 Grundschulklassen bundesweit an dem Projekt "Klasse2000" teil. Lehrer und Gesundheitstrainer von außen bereiten Schüler dabei auf ein möglichst drogen- und alkoholfreies Leben vor.

Bei Lehrerausbildung ansetzen

Der Deutsche Städte- und Gemeindebund unterstützte Bätzings Forderung, die Alkoholaufklärung in den Schulen zu verankern. "Wenn die Elternhäuser das offenbar nicht mehr leisten können, muss der Staat das teilweise übernehmen", sagte Geschäftsführer Gerd Landsberg. Allerdings legt der Gemeindebund die Priorität auf die Lehrerausbildung: Zunächst müsse den Lehrern der Umgang mit Drogen- und Alkoholmissbrauch bei Schülern beigebracht werden, so Landsberg. "Fragen Sie doch mal einen Gymnasiallehrer, ob er jemals in seiner Ausbildung gelernt hat: Wie gehe ich mit Drogenkonsum um? Wie gehe ich mit Alkoholkonsum um?" Auch Bätzing sieht das als Herausforderung für die Lehrer. Sie rief die zuständigen Bundesländer dazu auf, Voraussetzungen zu schaffen. "Man kann den Lehrern das nicht obendrauf drücken", sagte sie.

Bätzing und Landsberg zeichneten ein dramatisches Bild. "Das Ziel vieler Jugendlicher ist es, schnellstmöglich einen Rauschzustand zu erlangen mit möglichst billigem Alkohol", sagte die SPD-Politikerin. Immer mehr Mädchen betränken sich. "Das Problem verschärft sich", sagte Landsberg. Junge Menschen steuerten auf "lebenslang Hartz IV" zu, sagte der Ex-Richter. Massiv griff Landsberg die gesetzlichen Krankenkassen an. Sie gäben nur 18 Cent pro Jahr und Versicherten für Alkoholprävention aus - viel zu wenig, wie er meint.

Verkaufsverbot für Alkohol ab 22 Uhr

In einem Positionspapier unterstützt der Städte- und Gemeindebund Vorschläge, "den Verkauf von Alkohol an Tankstellen, Kiosken und Supermärkten nach 22 Uhr bis 5 Uhr morgens zu verbieten". Als erstes Land will Baden-Württemberg das Verbot zum Jahreswechsel gegen massive Proteste von Tankstellenpächtern einführen. Andere Länder sollten das nachahmen. Landsberg räumte gleichwohl "eine gewisse Hilflosigkeit" ein, die aus solchen Verboten spreche. Vorbeugung sei besser. Mit Unverständnis reagierte Landsberg darauf, dass es nicht mehr Testkäufe etwa durch jugendlichen Polizeischüler gebe. Das Verbot des Schnaps-Verkaufs an Jugendliche müsse durchgesetzt werden.

Alkoholmissbrauch ist Bundesregierung und Kommunen zufolge auch eine Folge sozialer Verwerfungen und knapper werdender öffentlicher Mittel. Landsberg forderte deshalb mehr finanziellen Freiraum für Anti-Alkohol-Programme in den Kommunen. Deren Etat werde oft fast vollständig für die gesetzlichen Pflichtaufgaben aufgezehrt. Der erwartete Anstieg der Arbeitslosigkeit verschärfe die Lage. Bätzing warnte vor wegbrechenden Angeboten für Jugendliche. "Wenn sie vor Ort kein Jugendzentrum, keine Freizeiteinrichtung mehr haben, müssen wir uns nicht wundern, wenn sie mit einem Sixpack zum Bushäuschen gehen."

DPA DPA

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