Entscheidung erst zum Jahresende Merkel bekennt sich zur Wehrpflicht


Die Entscheidung über die von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg angestrebte Aussetzung der Wehrpflicht soll erst zum Jahresende fallen. Kanzlerin Angela Merkel und CSU-Chef Horst Seehofer seien sich einig, dass diese Frage nur auf den für Oktober und November geplanten Parteitagen von CDU und CSU geklärt werden könne, berichtete die "Bild am Sonntag".

Die Entscheidung über die von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg angestrebte Aussetzung der Wehrpflicht soll erst zum Jahresende fallen. Kanzlerin Angela Merkel und CSU-Chef Horst Seehofer seien sich einig, dass diese Frage nur auf den für Oktober und November geplanten Parteitagen von CDU und CSU geklärt werden könne, berichtete die "Bild am Sonntag". Nach den Worten Seehofers gehe es um eine Identitätsfrage für Konservative. Merkel positionierte sich erstmals klar und bekannte sich zur Wehrpflicht. Auch Präsidentschaftskandidat Christian Wulff plädierte für eine Beibehaltung der Wehrpflicht.

"Wir halten die Wehrpflicht nicht aus haushaltpolitischen Gründen für richtig, sondern wir glauben, dass dies die richtige Antwort auf die sicherheitspolitischen Notwendigkeiten ist", sagte die Kanzlerin am Samstag auf einer Tagung mit den CDU-Kreisvorsitzenden in Berlin. Die Frage, wie die Bundeswehr in Zukunft aussehen müsse, dürfe sich nicht in der Hauptsache nach haushaltspolitischen Notwendigkeiten richten. Deshalb sei auf der Haushaltsklausur auch keine Entscheidung über die Zukunft der Wehrpflicht getroffen worden.

Im Herbst werde es eine Debatte über die künftige Bundeswehr geben, wenn die von Guttenberg eingesetzte Strukturkommission Vorschläge vorgelegt habe. "Ich sage Ihnen zu, dass diese Debatte auch in den Parteien geführt wird", betonte Merkel mit Blick auf die starken Vorbehalte in der CDU. Die Bundesregierung werde bei jeder Entscheidung auch die Auswirkung auf den Zivildienst mit im Blick haben. Das sei man den Kommunen und freien Sozialträgern schuldig.

Auch Wulff wies auf die Folgen im sozialen Bereich hin und warb für die Beibehaltung der Wehrpflicht. "Ich bezweifle, dass ein Wechsel des Systems zu Einsparungen führt, und war auch deshalb immer ein Anhänger der Wehrpflicht, weil eine solche Armee besser im Volk verankert ist", sagte der CDU-Politiker der "Welt" (Montagausgabe).

Guttenberg selbst begrüßte die Absprache, erst gegen Jahresende eine Entscheidung zu treffen. "Das halte ich für ein vernünftiges Vorgehen, weil die notwendige Zukunftsreform der Bundeswehr einer sorgfältigen Vorbereitung und Abwägung der unterschiedlichen Varianten bedarf", zitierte die Zeitung den CSU-Politiker. Damit seien Versuche aus der CSU-Führung gescheitert, schon auf dem kleinen Parteitag am kommenden Samstag einen Pro-Wehrpflicht-Antrag zu verabschieden, berichtete die "Bild am Sonntag". Bayerns Gesundheitsminister Markus Söder habe den Antrag nach Angaben aus Parteikreisen unterstützt.

Der Bundestag hatte erst am Donnerstag die Verkürzung des Wehr- und Zivildienstes von neun auf sechs Monate ab Juli beschlossen. Sollte die Wehrpflicht ausgesetzt werden, dürfte dies über den wegfallenden Zivildienst auch massive Auswirkungen auf das deutsche Gesundheitssystem und die Altenpflege haben.

Reuters Reuters

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker