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FDP: Die Liberalen wollen Volkspartei werden

Der designierte Vorsitzende Guido Westerwelle hat einen Strategiewechsel der Liberalen in Richtung Volkspartei als wichtigstes Thema des anstehenden Parteitags bezeichnet.

Der designierte FDP-Vorsitzende Guido Westerwelle hat einen Strategiewechsel der Liberalen in Richtung Volkspartei als wichtigstes Thema des am (morgigen) Freitag beginnenden Parteitags bezeichnet. Zugleich wandte er sich am Donnerstag vor einer vorbereitenden Sitzung des FDP-Präsidiums in Düsseldorf erneut dagegen, einen eigenen Kanzlerkandidaten für die Bundestagswahl im nächsten Jahr aufzustellen.

Die Führungsgremien der FDP bereiteten in Düsseldorf den Parteitag vor, der bis Sonntag dauern soll. Der bisherige Generalsekretär Westerwelle, der am Freitagnachmittag den Vorsitzenden Wolfgang Gerhardt ablösen soll, sagte, die FDP solle »Abschied von ?klein, aber fein? nehmen«. Die FDP werde sich nach dem Parteitag »sichtbar an alle im Volke wenden, nicht nur an wenige«.

Die FDP wolle Wohlstand für alle ermöglichen, für den Generaldirektor ebenso wie für den Lehrling, betonte Westerwelle. Und sie wolle eine eigenständige Partei sein, in gleicher Entfernung zu den beiden großen Parteien SPD und CDU/CSU, weshalb er an der »Strategie 18« festhalte, dem Ziel, bei der nächsten Bundestagswahl einen Stimmenanteil von 18 Prozent einzufahren.

Kritisch äußerte sich Westerwelle erneut zu dem Vorschlag des nordrhein-westfälischen Landesvorsitzenden Jürgen Möllemann, die FDP solle mit einem eigenen Kanzlerkandidaten bei der Bundestagswahl 2002 antreten. Damit geriete die »Strategie 18« in Gefahr, als bloßer Werbegag angesehen zu werden, »weil man mit 18 Prozent kein Kanzler wird«. Entscheiden werde aber der Parteitag.

Zu der scharfen Auseinandersetzung zwischen Möllemann und seinem baden-württembergischen Kollegen Walter Döring vor dem Parteitag sagte Westerwelle, er habe den Eindruck, dass die Betroffenen wüssten, dass diese Art der Auseinandersetzung ihnen und der FDP nicht gut tue. Er setze auf die Vernunft der Streitenden.

Entspannung zwischen Döring und Möllemann

Zwischen Döring und Möllemann schien sich inzwischen eine Entspannung abzuzeichnen. Döring sagte, es werde ein Gespräch mit Möllemann unter vier Augen geben. Beide wollten einen erfolgreichen Parteitag. Möllemann, der ursprünglich selbst Kanzlerkandidat der FDP werden wollte, sagte, wer dieser Kandidat sein solle, falls der Parteitag sich für eine solche Aufstellung entscheide, sehe er leidenschaftslos. Das habe er einige Zeit lang anders gesehen. Das Vorschlagsrecht liege auf jeden Fall beim Parteichef.

Der scheidende FDP-Vorsitzende Gerhardt äußerte die Erwartung, dass die Mehrheit der Delegierten in Düsseldorf gegen den Kanzlerkandidatur-Antrag entscheiden werde. Gerhardt sagte in der »Rheinpfalz«, die Delegierten könnten nicht an einem Tag Westerwelle zum neuen Parteivorsitzenden wählen und ihm am nächsten Tag »mit einer solchen Kunstfigur« schon Schwierigkeiten bereiten.

Ähnlich äußerte sich der Ehrenvorsitzende der Liberalen, Otto Graf Lambsdorff. Er empfehle dem Parteitag, auf eine Nominierung eines Kanzlerkandidaten zu verzichten, sagte er der Online-Ausgabe der »Frankfurter Allgemeinen Zeitung«. »Das ist eine Kunstfigur.« Lobend äußerte sich Lambsdorff über Westerwelle. »Ich weiß, dass er ordnungspolitisch und rechtsstaatlich richtig denkt und richtig tickt«, sagte er.