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Thüringen Kemmerich: "War mit Lindner permanent im Kontakt" – gab FDP-Chef grünes Licht?





Wahl-Überraschung in Thüringen: Thomas Kemmerich ist neuer Ministerpräsident.
Der FDP-Politiker setzt sich im dritten Wahlgang gegen Amtsinhaber Bodo Ramelow durch – mit 45 von 90 Stimmen.
Der als Favorit gehandelte Ramelow von der Linkspartei bekommt 44 Stimmen.
Kemmerich wird offensichtlich auch mit den Stimmen der AfD ins Amt gewählt. 
Im Netzt sorgt der Wahlausgang für Fassungslosigkeit.
Auch die FDP ringt nach dem Ergebnis mit sich selbst: 
Bei der Landtagswahl im Oktober erhielt die Partei lediglich fünf Prozent der Stimmen – sie musste tagelang um den Einzug in den Erfurter Landtag bangen.
Kemmerich wurde bereits als neuer Ministerpräsident vereidigt.
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Wie lange bleibt der frischgewählte Ministerpräsident Thüringens, Thomas Kemmerich, im Amt? FDP-Chef Christian Lindner ist zu Krisengesprächen nach Erfurt gereist - und wird selbst unangenehme Fragen beantworten müssen.

Die Liberalen haben am Tag nach der Ministerpräsidentenwahl von Thomas Kemmerich einiges zu bereden, aber mutmaßlich nur wenig Erfreuliches. So reist zum Beispiel FDP-Chef Christian Lindner als erster Spitzenvertreter einer Bundespartei zu Gesprächen nach Erfurt. Er wolle mit seinen Thüringer Parteifreunden über die überraschende Wahl von Kemmerich sprechen, sagte er der Nachrichtenagentur DPA. Auch die dortigen FDPler werden Fragen an ihren Chef haben, denn Kemmerich zufolge, war Lindner über alles informiert.

"Haben besprochen, was wir beschlossen haben"

Im ARD-"Morgenmagazin" sagte der neue Regierungschef auf die Frage, was Parteichef Lindner verlangt habe: "Ich war mit Christian Lindner permanent im Kontakt. Wir haben auch besprochen, was wir hier in Thüringen beschlossen haben. Er hat gesagt, die Entscheidung trifft letztlich der Thüringer Verband." Nach Protesten deutet sich an, dass Lindner auf eine rasche Lösung dringt, wie auch der Berliner "Tagesspiegel" unter Berufung auf Parteikreise berichtete. Demnach wolle der FDP-Chef den Thüringer Kollegen zum Rückzug bewegen – zuvor hatte Lindner noch an CDU, SPD und Grüne appelliert, das Gesprächsangebot Kemmerichs anzunehmen.

 Das Nachrichtenportal "Business Insider" berichtet nun allerdings, dass FDP-Chef Christian Lindner schon zwei Tage im Voraus von den Plänen Kemmerichs gewusst haben soll, dass dieser zur Wahl antreten wolle, wenn Ramelow (Linke) und der AfD-Kandidat Kindervater (parteilos) weiter zur Wahl stehen würden. Dies habe Kemmerich Lindner in einem Telefonat mitgeteilt. Laut "Business Insider" sei dabei auch erörtert worden, dass Kemmerich tatsächlich gewählt werden würde, allerdings mit Stimmen der AfD. Lindner soll dafür grünes Licht gegeben haben, berichtet das Portal unter Berufung auf "übereinstimmende Aussagen" aus dem engen Führungskreis der FDP. 

Laut Recherchen von "Business Insider" habe es aber keine vorherigen Absprachen zwischen FDP und AfD gegeben. Die FDP wollte sich auf Anfrage von "Business Insider" nicht dazu äußern. 

Die Wahl Kemmerichs mit den Stimmen von Liberalen, CDU und AfD hat ein politisches Beben ausgelöst. Kritik an der Unterstützung durch die in Thüringen besonders rechtslastige Partei sorgt auch FDP-intern für heftige Kritik. Im stern-Interview etwa sagte die Chefin der Jungliberalen, Ria Schröder, dass Kemmerich auf keinen Fall Ministerpräsident bleiben könne.

Kubicki fordert Neuwahlen in Thüringen

FDP-Vize Wolfgang Kubicki sagte, dass in Thüringen nun neu gewählt werden müsse. "Die Erklärung der Minderheitskoalitionäre aus Linken, SPD und Grünen, Fundamentalopposition zu betreiben, schafft eine neue Lage", sagte er der Nachrichtenagentur DPA. Es gebe offensichtlich keine Mehrheit im Landtag in Erfurt jenseits der AfD. "Neuwahlen werden damit unausweichlich. Ich erwarte einen entsprechenden Antrag von SPD, Grünen oder Linken im Thüringer Landtag. An der FDP wird er nicht scheitern", so Kubicki weiter. Am Mittwoch hatte Kubicki noch von einem "großartigen Erfolg" für Kemmerich gesprochen und für ein Bündnis aller demokratischen Kräfte jenseits der AfD geworben.

nik/DPA/AFP

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