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Interview

Schweinemast: Zack, Hoden ab! Was Agrarministerin Julia Klöckner zur Kastration sagt

Legale Qual in deutschen Ställen: Warum jedes Jahr 20 Millionen männliche Ferkel ohne Betäubung kastriert werden – und was Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner dazu sagt.

Bildcombo: Ferkel vor der Kastration und Agrarministerin Julia Klöckner

Rund 20 Millionen männliche Ferkel werden alljährlich ohne Betäubung kastriert. Der stern hat Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner gefragt, was sie gegen die grausame Kastration tun will.

DPA

Viele Verbraucher wissen es nicht, oder wollen es nicht wissen: In deutschen Ställen werden jedes Jahr etwa 20 Millionen männlichen Ferkeln ohne Betäubung die abg-schnitten. Die kastrierten Tiere werden dann, wie ihre weiblichen Artgenossinnen auch, gemästet und nach etwa sechs Monaten geschlachtet.

Vor fünf Jahren hatten Politik, Verbände und Schweinemäster sich darauf geeinigt, das Leiden der Tiere ab dem 1. Januar 2019 zu beenden. Kein Schwein sollte mehr ohne Betäubung kastriert werden. Doch es kam anders: Die Bauernlobby saß das Thema einfach aus. In der vergangenen Woche trafen sich die Schweine-Lobbyisten mit Julia Klöckner (CDU), der zuständigen Ministerin für Ernährung und Landwirtschaft. Ein Kompromiss wurde ausgehandelt: Die Schweinebauern bekommen mehr Zeit, das Tierschutzgesetz soll für eine Übergangsfrist so weit gedehnt werden, dass das Kastrieren ohne Betäubung vorerst erlaubt bleibt.

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Ferkel-Kastration: Betäubung verdoppelt Fleischpreis

Der stern traf zum Streitgespräch über Massentierhaltung und die Zukunft der Landwirtschaft. Hier ein Auszug: 
In deutschen Ställen werden jedes Jahr 20 Millionen männliche Ferkeln ohne Betäubung die Hoden abgeschnitten.

Ich führe dazu gerade Verhandlungen mit den Ländern und Verbänden.

Aber wie finden Sie das denn? Zack Hoden ab, ohne .

Die Verbraucher möchten kein Fleisch mit Ebergeruch, das gehört zur Wahrheit dazu. Und andererseits: Der Tierschutz verlangt es, Schmerzen zu vermeiden, und das ist richtig.

In Wahrheit sind Sie eingeknickt. Eigentlich sollte das Kastrieren ohne Betäubung ab 2019 verboten sein. Die Bauern hatten fünf Jahre Zeit, sich auf die neuen Vorschriften einzustellen. Aber die haben die Sache einfach ausgesessen. Jetzt soll das Tierschutzgesetz geändert werden, damit weiter ohne Betäubung geschnitten werden kann.

Ich bin erst seit einigen Monaten in dem Amt, und es hilft jetzt niemandem, über davor vergossene Milch zu jammern. Ich bin ganz bei Ihnen: Die jetzige Praxis sollte so nicht weitergehen. Aber wenn Ferkelproduktion künftig im Ausland unter Bedingungen stattfindet, die wir nicht tolerieren, und dennoch das Fleisch importieren, ist dem Tierschutz auch nicht gedient. Wenn der Bundesrat und der Bundestag die Frist verschieben bis eine Lösung gefunden ist, muss diese Zeit im Sinne des Tierschutzes genutzt werden. Wenn dann danach die betäubungslose Ferkelkastration in Deutschland Geschichte ist, haben wir doch etwas erreicht für den Tierschutz.
Dann sagen uns die Herrn vom Bauernverband, mit denen Sie verhandeln: Wenn ihr Verbraucher wollt, dass Ferkel betäubt werden, kostet das Schweinefleisch doppelt so viel. Das ist blanke Erpressung!

Blanke Erpressung, wie kommen Sie darauf? Mir hat auch noch keiner gesagt, dass die Kosten sich verdoppeln.

(Anmerkung der Redaktion: Werner Schwarz, Vizepräsident des Deutschen Bauernverbandes erklärte Mitte August: "Schweinefleisch müsste für die Verbraucher fast doppelt so teuer werden, damit wir die Tierschutzvorgaben wie die Kastration von Ferkeln unter Narkose oder deutlich mehr Platz für die Sauen erfüllen können – ohne Bankrott zu gehen. Wir würden damit nicht mehr Geld verdienen, sondern nur unseren Standard halten.")

Das komplette Streitgespräch mit Julia Klöckner lesen Sie im neuen .