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Frauen in Führungsetagen: "Der Weg über die Quote taugt nichts"

Deutschland debattiert - über die Frauenquote. Marie-Christine Ostermann, Vorsitzende des Verbandes "Die Jungen Unternehmer" und Fielmann-Aufsichtsrätin, ist strikt dagegen. Im Gespräch mit stern.de erklärt sie, worauf es für weibliche Fachkräfte in der Wirtschaft wirklich ankommt.

Von Hans-Peter Schütz

Frau Ostermann, Sie beklagen seit langem, in Deutschland habe man ein leider immer noch ein "tradiertes Rollenverständnis." Jetzt lehnen ausgerechnet Sie als Unternehmerin und Verbandschefin die Frauenquote strikt ab. Weshalb?
Unternehmer müssen selbst entscheiden können, wen sie einstellen. Und das muss nach der Qualifikation geschehen und nicht nach dem Geschlecht. Deshalb lehne ich es ab, wenn die Politik jetzt uns mit der Gesetzeskeule kommt und uns Unternehmern einen bestimmten Anteil Frauen in der Führung aufzwingen will.

Sind Sie nicht eigentlich auch eine Quotenfrau?
(lacht) Ich bin keine Quotenfrau. Unter diesem Gesichtspunkt hätte mich mein Vater nie ins Unternehmen genommen. Er ist mein größter Kritiker. Auch in den Aufsichtsrat der Firma Fielmann bin ich über meine Qualifikation gekommen.

Frauen sind doch auf dem Vormarsch. Da gibt es die Kanzlerin, zwei Frauen regieren NRW. Nur die Wirtschaft mauert die Frauen aus. Bräuchte die Wirtschaft denn nicht mehr Frauen an der Spitze?
Ich bin gegen die Quote, aber ich bin nicht gegen mehr Frauen in Führungspositionen. Nur der Weg über die Quote taugt nichts. Es wäre sehr viel wichtiger, wenn die Politik nicht so laut über die Quote reden würde, sondern über bessere Rahmenbedingungen nachdächte. Es ist für Frauen nach wie vor sehr schwierig, Beruf und Karriere unter einen Hut zu bringen. Es gibt kaum Ganztagsschulen und zu wenige Kita-Plätze. Vor allem sollten die Frauen motiviert werden sollten, Studiengänge wie Ingenieurwesen oder Naturwissenschaften zu belegen, die mehr Chancen auf einen Topplatz in der Wirtschaft eröffnen. Mit Kunstgeschichte und Literaturwissenschaft ist das dagegen nicht so leicht.

Also sagen Sie strikt Nein zu einer Quote?
Ja. Es muss allein nach der Qualifikation gehen und nicht nach dem Geschlecht, sonst werden ja auch die Männer benachteiligt.

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