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Gysi und Bartsch: Führungsstreit bei den Linken weitet sich aus

Der Führungsstreit bei den Linken weitet sich aus: Fraktionschef Gregor Gysi geriet am Dienstag wegen seiner öffentlichen Kritik an Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch unter Beschuss.

Der Führungsstreit bei den Linken weitet sich aus: Fraktionschef Gregor Gysi geriet am Dienstag wegen seiner öffentlichen Kritik an Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch unter Beschuss. Die Rede, in der Gysi Bartsch Illoyalität gegenüber Parteichef Oskar Lafontaine vorwarf, sei nicht die "klügste politische Leistung" des Fraktionschefs gewesen, sagte Linken-Vize Halina Wawzyniak der "Frankfurter Rundschau".

Auch der Fraktionschef habe "nicht immer Recht", sagte Wawzyniak. Per Mail forderte sie den gesamten geschäftsführenden Vorstand der Linken auf, sich schnellstmöglich zur Aussprache zu treffen, hieß es in dem Bericht. Die Art und Weise, wie Bartsch demontiert worden sei, habe ihn "sehr traurig gemacht", sagte der Thüringer Linken-Fraktionschef Bodo Ramelow der "Frankfurter Rundschau". "So etwas will ich nie wieder erleben."

Selbst wenn der Vorwurf zutreffe, "muss das intern geklärt werden", sagte Ramelow der in Berlin erscheinenden "Tageszeitung". Es sei ein Unding, dass "Bartsch nun an allem Schuld sein soll und öffentlich gerüffelt wird." Der Landesverband Sachsen-Anhalt sei "mit Dietmar Bartschs Arbeit als Bundesgeschäftsführer und Wahlkampfleiter sehr zufrieden", sagte Landeschef Matthias Höhn der in Halle erscheinenden Mitteldeutschen Zeitung.

Der Linken-Parlamentsgeschäftsführer Ulrich Maurer verteidigte hingegen Gysis Auftritt. "Das war eine hervorragende Rede", sagte Maurer der "Frankfurter Rundschau" "Gysi hat die Inhalte der Linken und die Notwendigkeit ihrer Strategie auf den Punkt gebracht." Dazu, ob er selbst auf das Amt des Bundesgeschäftsführers spekuliere, sagte Maurer nichts.

Gysi hatte Bartsch auf einer Kundgebung zur Klausursitzung der Fraktion am Montag vorgeworfen, vertrauliche Informationen an die Presse weitergegeben zu haben. Das sei "nicht loyal" gegenüber Lafontaine gewesen. Das Verhältnis zwischen Bartsch und Lafontaine gilt seit längerem als zerrüttet. Der Parteichef hat nach seiner Krebsoperation vom November bislang offen gelassen, ob er beim Rostocker Parteitag im Mai noch einmal für den Parteivorsitz kandidiert.

Auch Bartsch hat noch nicht entschieden, ob er im Mai wieder für das Amt des Bundesgeschäftsführers antritt. "Mit dem gestrigen Tag ist natürlich eine neue Situation entstanden", sagte er der "Frankfurter Rundschau". Er werde nach Gysis Vorwurf "keine Ad-hoc-Entscheidung treffen", sich aber mit seinen politischen Freunden beraten. "Danach werde ich entscheiden, was zu tun ist."

Der Brandenburger Linken-Chef Thomas Nord sprach die Möglichkeit an, dass Bartsch einen neuen Posten in der Partei bekommen könnte. "Dietmar Bartsch ist ein verdienstvoller Politiker", sagte Nord der in Potsdam erscheinenden "Märkischen Allgemeinen". "Ich bin sicher, er wird weiter eine wichtige Rolle in der Partei spielen, wenn nicht als Bundesgeschäftsführer, dann in einer anderen Funktion." Fraktionsvize Gesine Lötzsch sagte im WDR, die Partei müsse einen Erfolg bei der nordrhein-westfälischen Landtagswahl im Mai erzielen. "Und da wird auch Dietmar Bartsch seinen Beitrag leisten."

Der frühere Linken-Europaabgeordnete Andre Brie äußerte sich skeptisch zur Zukunft seiner Partei. Sie sei extrem von Lafontaine abhängig, sagte er dem Berliner "Tagesspiegel". Ohne ihn sei die Partei unfähig, ihren Platz im Parteiensystem zu behaupten.

AFP / AFP