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Hassverbrechen von Hanau: Zahl der Rechtsextremisten in Deutschland so hoch wie nie

Das offenbar rassistisch motivierte Hassverbrechen von Hanau richtet den Blick auf die Gewalt von Rechtsaußen. Die Zahlen kennen seit Jahren nur eine Richtung – nach oben.

Rechtsextremisten Demo

Anhänger der rechtsextremen Kleinpartei "Die Rechte" bei einer Demo in Kassel im Jahr 2018. Die Zahl der Rechtsextremisten in Deutschland ist so hoch wie nie zuvor

DPA

Der Anschlag von Hanau macht einmal mehr deutlich, wie groß die Gefahr von Rechts ist. Den Sicherheitsbehörden bereitet die wachsende Zahl der Anhänger der Szene seit geraumer Zeit Sorgen.

Der jüngste Jahresbericht des Bundesamtes für Verfassungsschutz beziffert die Zahl der Rechtsextremisten für das Jahr 2018 auf 24.100 - das ist die höchste Zahl in der Geschichte der Bundesrepublik. Gut die Hälfte davon - 12.700 - gelten als gewaltbereit.

32.000 Anhänger der rechten Szene

Nach Angaben des Berliner "Tagesspiegel" zählt der Inlandsgeheimdienst inzwischen sogar 32.000 Anhänger der rechten Szene - was daran liege, dass neuerdings auch die Junge Alternative und der "Flügel" in der AfD dazu gezählt werden.

Von den 24.100 Rechtsextremisten gehören 5500 einer Partei an, 6600 weitere sind in parteiunabhängigen Strukturen organisiert. Dem weitgehend unstrukturierten Potenzial werden 13.200 Anhänger zugeordnet.

Die Reichsbürger, zu denen der Attentäter von Hanau nach Einschätzung von Experten gehört haben könnte, rechnet der Verfassungsschutz teilweise den parteiunabhängigen Strukturen und teilweise dem unstrukturierten Potenzial zu. Insgesamt weist der Bundesverfassungsschutz die Zahl der rechtsextremistischen Reichsbürger mit 950 aus.

Von den Rechtsextremisten wird bislang nur ein kleinerer Teil als Gefährder eingestuft - allerdings steigen die Zahlen hier rasant an. Das Bundeskriminalamt (BKA) zählt derzeit 60 Gefährder im Bereich "politisch-motivierte Kriminalität rechts", wie die Behörde den Zeitungen des Redaktionsnetzwerkes Deutschland (RND) vom Donnerstag mitteilte.

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Damit verzeichne die Statistik "in den letzten Jahren einen stetigen Anstieg". Seit 2012 habe sich die Zahl der rechtsextremistischen Gefährder verfünffacht. Noch Mitte Februar zählte die Polizei den Angaben zufolge 53 rechtsextremistische Gefährder, denen sie schwere Gewalttaten bis hin zu Anschlägen zutraut. Davon saßen 24 in Haft. Das Bundesinnenministerium hatte am Montag von 50 Gefährdern gesprochen.

kng / AFP