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Schlag 12 - Der Mittagskommentar: Unbeliebt, unbeliebter, Seehofer

Das Ministerpräsidenten-Ranking zeigt: Horst Seehofer hat mit seinem Zickzack-Kurs die Gunst der Wähler verspielt. Wenn er der CSU helfen will, sollte er 2016 für seinen Nachfolger Platz machen.

Von Laura Himmelreich

Horst Seehofer landet beim Ministerpräsidenten-Ranking auf dem vorletzten Platz

Horst Seehofer landet beim Ministerpräsidenten-Ranking auf dem vorletzten Platz: Es wird Zeit für ihn zu gehen

Die deutschen Wähler sind nicht besonders anspruchsvoll. Sie brauchen keine wegweisenden Reformen oder Utopien von blühenden Landschaften. Sie halten es eher mit Helmut Schmidt: "Wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen." Angela Merkel verzeihen sie seit nun fast zehn Jahren, dass sie keine Ahnung hat, was sie mit ihrer Macht anfangen soll. Hauptsache, denkt der wohlstandsverwöhnte Deutsche, wir werden ordentlich verwaltet. Das stern-Ministerpräsidenten-Ranking ist eine Hitliste der Unaufgeregtheit.

Wirtschaftsfreundliche Regenten

Ganz oben landen Hamburgs Bürgermeister, Olaf Scholz (SPD), und Baden-Württembergs Ministerpräsident, Winfried Kretschmann (Grüne). Wirtschaftsfreundliche Regenten mit bürgerlichem Habitus. Die Deutschen wollen Typen an der Spitze, denen sie privat auch mal ihr Auto leihen würden. Und genau das ist Horst Seehofers Problem. Der bayerische Ministerpräsident landet auf dem vorletzten Platz. 

Denn würde man Seehofer die Autoschlüssel geben, müsste man befürchten, dass er damit Richtung Berlin fährt, sich in Nürnberg spontan umentscheidet, dort in den ICE steigt und am Bahnhof das Auto unabgeschlossen stehen lässt. Im Zug wird er dann ohne Ticket erwischt und beschimpft dafür den Schaffner. Unterhaltsam sind Menschen wie Seehofer durchaus. Regiert werden möchte man von ihnen nicht. Selbst bei den CSU-Anhängern fällt das Urteil über ihn verhalten aus.

Erratische Entscheidungen

Für die CSU wird das zunehmend ein Problem. Denn Seehofer will bis zum Ende der Legislaturperiode 2018 auf seinem Posten bleiben. Nachfolger oder Nachfolgerin will er erst 2016 oder 2017 inthronisieren. Bis dahin hat er noch viel Zeit, Bürger durch selbstherrliche und erratische Entscheidungen zu verärgern. Sein möglicher Nachfolger dagegen kann sich kaum profilieren. Für die Partei wäre es besser, Seehofer würde schon 2016 gehen.

Das Glück der CSU ist, dass sie gegen die bayerische SPD antritt. Die ist zwischen Garmisch und Hof sogar noch zerstrittener und unbeliebter als es die CSU und Seehofer je werden können.